Fischsuppe mit Knödeln von Forellen, Lämmerfleisch eingemacht in Limonen, gespickter Rinderrücken nach Venezianischer Art und als Nachspeise Milchreis-Bällchen, überzogenes Konfekt und eine mit Marzipan ummantelte Lucas Cranach-Schlange - solche sicherlich nicht ganz alltäglichen kulinarischen Köstlichkeiten wurden Ende Oktober in der Regimentsstube der Festung Rosenberg aufgetischt. Der Arbeitskreis "Flores Artium" des Historischen Vereins Kronach hatte damals in Zusammenarbeit mit der Tourismusschule Franken und der Stadt Kronach ein viergängiges Festbankett unter dem Motto "Lucas und die wohl erlaubte Wollust des Leibs" aufgetischt. In Anlehnung an die Esskultur zu Lebzeiten Cranachs - im Übergang vom Mittelalter zur Renaissance - wurden dabei den rund 60 Gästen circa 20 historisch zubereitete Tafelfreuden serviert.


Mut gemacht

Verantwortlich für den üppig gedeckten Renaissance-Tisch hatte Tina Vadász-Hain gezeichnet. "Ohne Euch hätte ich mich nicht getraut, 60 Mann mit so vielen Gerichten zu bekochen. Ihr habt mir Mut gemacht, mit mir kalkuliert und mich in vielem unterstützt", würdigte sie die wertvolle Mithilfe von Schülern und Lehrkräften der Tourismusschule.

Mit dem Festbankett habe sie zeigen wollen, dass die frühe Neuzeit mehr als nur Eintopf und Bratwürste zu bieten gehabt habe und dass man vor allem auch sehr viel mit Gewürzen gekocht habe, so Vadász-Hain, die dabei von acht Köchen unterstützt worden war. Seitens der Tourismusschule erhielt sie besondere Hilfe von der Hotelmeisterin Ina Bätz sowie den Schülern Lena Reiß und Jörg Oßwald. Aber auch weitere Elft- und Zwölftklässler der Schule halfen im Service mit, servierten die Gerichte und übernahmen weitere vielfältige Aufgaben. Ihnen galt ihr Dank ebenso wie auch der Stadt Kronach, die die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte, für die sehr gute Zusammenarbeit. Durch den Abend hatte Rosi Ross geführt, die allerlei Wissenswertes über die Essgewohnheiten und Tischsitten der früheren Neuzeit zu berichten wusste.

"Mir ging es bei der Veranstaltung nicht darum, Profit zu machen, sondern Erfahrung zu sammeln. Deshalb möchte ich das, was an dem Tag übrig geblieben ist, an euch weitergeben. Bei euch ist es gut angelegt", erklärte Vadász-Hain. Zudem überreichte sie der Schule auch eine Ausgabe ihres Buches "Ein Festbankett der Bürger" mit allen Rezepten des Festbanketts und schönen Bildern, das sie in einer kleinen Auflage als Erinnerung an den wunderbaren Abend hatte drucken lassen.

Kronachs Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann wie auch die Betriebsleiterin des Tourismus- und Veranstaltungsbetriebs der Stadt Kronach, Kerstin Löw, dankten in herzlichen Worten Vadász-Hain für ihren herausragenden Einsatz wie auch der Tourismusschule für deren Unterstützung.

"Kronach hat eine bedeutende Geschichte und ein reiches kulturelle Erbe - ein echtes Schatzkästchen, das es lebendig zu erhalten und zu bewahren gilt", appellierte Hofmann. Hierzu habe das kunstvoll arrangierte Renaissance-Festbankett einen glanzvollen Beitrag geleistet. An dem Festabend habe wirklich alles gepasst. "Das war ein einmaliger Abend, wie ich ihn noch nie erlebt habe", so Hofmann, die den Wunsch nach einer Wiederholung äußerte.


Fortsetzung nicht ausgeschlossen

Anstoß für die Idee war das Lucas-Cranach-Jahr gewesen, in dem Kronach den 500. Geburtstag von Lucas Cranach dem Jüngeren mit einer vielfältigen Veranstaltungsreihe feierte. Hierzu wollte Vadász-Hain einen Beitrag leisten. Eine Fortsetzung schließt die Weißenbrunnerin zwar nicht aus, jedoch sicherlich nicht so bald. Hierfür sei der Aufwand - die Vorbereitungen zogen sich nahezu über ein ganzes Jahr hin - einfach zu groß. "Das ist keine Veranstaltung, die man jedes Jahr abhält", erklärte sie. Gleichzeitig verriet sei, dass sie durchaus schon wieder neue Ideen habe. Man darf also gespannt sein.