Der Bau-, Stad te ntwicklungs- und Wirtschaftsausschuss hatte es in seiner Sitzung am Donnerstag gleich mit zwei "hochinteressanten Fällen (so Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein, FW) zu tun. Beide betreffen Bauanträge aus Neuses, in beiden Fällen widersprach das Landratsamt als Genehmigungsbehörde der Ansicht des Ausschusses und der Stadt Kronach. Beide Bauvorhaben wurden dem Ausschuss nochmals vorgelegt.



Veränderte Bauweisen

Ebenfalls brisant war ein Antrag auf Vorbescheid zur Dachaufstockung auf ein bestehendes Einfamilienhaus im Äußeren Ring. Dieser Antrag wurde an den Stadtrat weitergeleitet.

Das Vorhaben liegt im Geltungsbereich des Bebauungsplans "Kreuzberg II" der 1963/64 aufgestellt wurde, informierte Stadtplaner Gerber. Das Bauvorhaben widerspricht grundsätzlich den Festsetzungen des Bebauungsplans: In den vergangenen 50 Jahre haben sich wohl Baustil und Ansprüche wesentlich verändert.


Beispiel neban

In unmittelbarer Nähe ist ein ein neues Baugebiet in der Nikolaus-Schmidt-Straße entstanden, dessen Anforderungen der Antrag auf Vorbescheid erfüllen würde. Daher ist dem Stadtrat die Empfehlung gegeben worden den alten Bebauungsplan entsprechend zu ändern.

Der Familie mit drei Kindern wolle man entgegenkommen und wird den Antrag schon in der nächsten Stadtratssitzung am 3. April mit dieser Empfehlung zur Beratung vorlegen, sagte Bürgermeister Beiergrößlein der Familie im Zuhörerbereich.

Bei den umstrittenen Anträgen handelt es sich zum Einem um den Abbruch eines bestehenden Scheunendachs und einen Neuaufbau mit geringerer Dachneigung in Nähe der Kirche in Neuses. Im letzten Oktober hatte das Gremium das gemeindliche Einvernehmen zu dem Antrag verweigert, weil das Vorhaben deutlich den Zielen der Dorferneuerung zuwiderläuft.

Insbesondere die gravierende Dachneigungsveränderung von 43 Grad auf 18 Grad Neigung passe nicht ins gewünschte Ortsbild, hieß es damals in der Ablehnung.


Denkmalpfleger schwiegen

Dem widersprach das Landratsamt: Da es sich um den Innenbereich handle, sei die Dachneigung nicht Gegenstand der Genehmigung, und auch das Landesamt für Denkmalpflege hatte keine Hinweise gegeben. Daher bittet die Baubehörde, das gemeindliche Einvernehmen zu ersetzen. Nach längerer Diskussion kam es zur knappen Befürwortung des Einlasses des Landratsamts. Mit 5:4 Stimmen wurde das gemeindliche Einvernehmen nun ersetzt.

Auch ein weiterer Antrag aus Neuses brachte Diskussionsstoff. Auch in diesem Fall verlangte die Baugenehmigungsbehörde im Landratsamt eine Revidierung des ablehnenden Beschlusses durch den Ausschuss. Es geht um den Neubau einer Lagerhalle. Das Landratsamt sieht alle gesetzlichen Richtlinien bei der Umsetzung des Bauantrags erfüllt. "Das können wir so nicht akzeptieren", konterte Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein.
Stadtplaner Daniel Gerber verlas die Stellungnahme der Stadtverwaltung. Sie sieht in der Umsetzung des Bauantrags einen Verstoß gegen das Rücksichtnahme-Gebot.

Die unvollständige Erstellung der Lagerhalle habe zu einer städtebaulich relevanten Belästigung geführt, die über den Grad des bloßen, "Lästig seins" weit hinausgehe. Der Stadt Kronach müsse allerdings zugute gehalten werden, dass sie beim Antrag des Bauherrn auf Bau einer Lagerhalle nicht ahnen konnte, dass der Bauherr das Vorhaben nicht zu Ende führt, sondern stattdessen eine nach hiesiger Ansicht völlig überdimensionierte Pultdach Konstruktion auf 18 bis zu acht Meter hohen Stahlbetonstützen erstellt.


Städtebauliche Belästigungen

Diese widersprächen zwar nicht den Festsetzungen des Bebauungsplans, jedoch aber den dargestellten Grundsätzen der Baunutzungsverordnung. Damit stelle das Bauvorhaben eine städtebauliche Belästigung dar, so die Stellungnahme der Stadt.

Es steht nur eine Dachkonstruktion statt der ursprünglich laut Bauantrag geplanten Lagerhalle, fasste das Stadtoberhaupt zusammen. Nach kurzer Diskussion herrscht ein diesem Falle Einstimmigkeit, bei der ursprünglich vertretenen Meinung zu bleiben und das gemeindliche Einvernehmen nicht zu erteilen, entgegen der Ansicht des Landratsamts.

Und gleich noch einmal herrschte Unverständnis über eine Tektur aus Neuses. Der Abbruch des ortsbildprägenden Vordergebäudes einer ehemaligen Gastwirtschaft an der Kronacher Straße würde zutiefst bedauert. Der entstehende Rücksprung in der Gebäudeflucht sei städtebaulich nicht hinnehmbar, war sich das Gremium einig und verweigerte dem Abbruch das Einvernehmen. Dabei wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das am Gebäude angebrachte Kreuz in der Denkmalliste eingetragen ist und daher zu erhalten sei.


Den 46-Meter-Mast wollte fast keiner haben

Auf Unverständnis stieß im Bau-, Stad te ntwicklungs- und Wirtschaftsausschuss ein Antrag auf Neubau eines Schleuderbetonmastes in einer Höhe von 46 Metern in der Nähe der Industriestraße in Kronach.

Die Planung für einen 46 Meter hohen Betonmast inklusive Systemtechnik wird als völlig überzogen abgelehnt, hieß es. Lediglich Tino Vetter (FW) war da anderer Meinung als der Rest des Gremiums.

Es sei anmaßend, fand Vetter, sich solchen Bauvorhaben zu widersetzen, wenn man andererseits der neuen Mobilfunktechnik aufgeschlossen gegenüberstehe. Hans-Georg Simon fragte nach dem Sachstand beim Rückbau auf einem Grundstück eines Gartenbau- und Landschaftspflegebetriebs in Seelach.

Bürgermeister Beiergrößlein erklärte, dass über diesen Rückbau Gespräche mit dem Landratsamt stattgefunden hätten. So weit er wisse, komme es zum Rückbau und der Bauherr werde einen neuen Plan für einen Lagerplatz in Gebäudenähe einreichen.

Ein weiterer Abbruch eines Wohnhauses in Neuses stand im Ausschuss zur Debatte. Da aber anstelle des abgebrochenen Hauses ein Neubau mit Tiefgarage entsteht, wurde der Abbruch zwar bedauert, aber dem Bauvorhaben das gemeindliche Einvernehmen erteilt.

Ebenso wurde das gemeindliche Einvernehmen einstimmig erteilt- wenn auch mit Auflagen - für einen Wohnhausneubau in Nähe des Flößerplatzes in Neuses