Neue Erkenntnisse im Fall der acht Babyleichen von Wallenfels (Landkreis Kronach): Alle Säuglinge stammten vom selben Vater - dem Ehemann der Kindsmutter, bestätigte jetzt Alexander Czech vom Polizeipräsidium Oberfranken. Das hätten DNA-Untersuchungen ergeben. Gegen den Mann bestehe nach wie vor ein gewisser Tatverdacht, er befinde sich aber weiter auf freiem Fuß.

Er wohnt zusammen mit drei schulpflichtigen Kindern in dem Haus, in dem die Leichen der Säuglinge in einem Abstellraum lagen - eingewickelt in Tüchern und Plastikfolie.

Nach wie vor beschäftigt die Ermittler der Polizei vor allem auch die Frage, ob der Ehemann von den Schwangerschaften seiner Frau wusste und mitbekam, dass viele der Kinder nach der Geburt getötet wurden.


Immer wieder Besuch der Kripo

Am Telefon gibt sich der Mann gegenüber dieser Zeitung wortkarg. "Mir geht es dementsprechend gut", meint er zunächst. Er erwähnt, dass er erst am Mittwochmorgen erneut Besuch von Ermittlern der Kripo hatte. "Sie haben mir dabei von den Ergebnissen der abgeschlossenen Obduktion berichtet, und dass ich der Vater der Kinder bin." Er bestätigt den Tatverdacht gegen ihn.


Ehemann verweist auf Anwalt

Zu weiteren Einzelheiten schweigt der gelernte Metzger und verweist auf seinen Anwalt Hilmar Lampert aus Bayreuth. Der Verteidiger ist unter anderem auf das Gebiet Strafrecht spezialisiert. "Ich habe derzeit nur eine Teilakteneinsicht und auch die ist nur sehr rudimentär", sagt er. Die Ermittler würden sich derzeit nur sehr bedeckt halten, was die Tatvorwürfe gegen seinen Mandanten betrifft: "Konkrete Vorwürfe äußerten sie bislang nicht in den Gesprächen."

Dennoch würden aber die Verdachtsmomente für ein Ermittlungsverfahren ausreichen. Staatsanwaltschaft wie auch Polizei schweigen, geben derzeit keine weiteren öffentlichen Stellungnahmen ab. Lampert geht indes davon aus, dass es noch lange Zeit dauern kann, bis "in diesen vielschichtigen Fall Klarheit" hinein gebracht werden könne.

Der Anwalt geht nicht davon aus, dass der Ehemann in U-Haft genommen wird. "Damit ist derzeit nicht zu rechnen", fügt er auf Nachfrage an. Der Verteidiger bestätigt zudem diverse Vernehmungen des Mannes durch die Kripo. "Nun muss eben auch gewartet werden, bis die Anklageschrift als Ergebnis aller Ermittlungen fertig gestellt ist", ergänzt Hilmar Lampert.


Mutter sitzt seit 13. November in U-Haft

Die Babyleichen waren Mitte November in einem Haus in Wallenfels gefunden worden. Die 45-jährige Mutter hatte gestanden, in den vergangenen Jahren einige Säuglinge lebend geboren und umgebracht zu haben. Sie war am 13. November in einer Pension in Kronach festgenommen worden, nur etwa 15 Kilometer vom Fundort der acht Babyleichen entfernt.

Die Frau sitzt weiter wegen des Tatverdachts des siebenfachen Mordes in Untersuchungshaft. Nach ersten Untersuchungen der Babyleichen sollen sechs der acht Neugeborenen von ihrer Entwicklung her lebensfähig gewesen sein. Wie die Babys ums Leben kamen, ist auch nach dem Bericht aus der Rechtsmedizin nicht klar. Informationen zum möglichen Motiv für die Taten gibt es nicht. Die Ermittlungen der eigens eingerichteten Sonderkommission "Schlossberg" der Kriminalpolizei Coburg laufen derweil weiter.