Ein Handschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ein Blick auf den US-Präsidenten Barack Obama. Sicher bleiben solche Erlebnisse im Gedächtnis haften. Doch Ralf Schmidt denkt auch gerne an die Kontakte mit der Bevölkerung, mit friedlichen Demonstranten und mit den anderen Einsatzkräften aus ganz Bayern.

Der Kronacher selbst war eine der Führungskräfte des BRK-Kontingents aus Ober- und Unterfranken beim G7-Gipfel in Elmau. Sein Namensvetter Martin Schmidt, eigentlich Rettungsdienstleiter im BRK-Kreisverband Kronach, beobachtete das Geschehen als "Kümmerer" und später "Online-Berater" aus der Heimat. Aus Sicherheitsgründen und zum eigenen Schutz durften die Einsatzkräfte bis zum Abschluss des Gipfeltreffens nicht über ihre Aufgabe sprechen. Nun schildern sie ihre Erfahrungen.


Vor Ort ein Bild gemacht

"Mich beschäftigte dieses Treffen seit August letzten Jahres. Ich war viermal in Garmisch-Partenkirchen und sechs- bis achtmal bei Besprechungen in ganz Bayern", erinnert sich Martin Schmidt an eine turbulente Zeit. 14 Tage vor dem Stichtag sei der Gipfel dann zum Tagesgeschäft geworden.

"Man muss das System kennen, schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben", nennt er die Vorgaben, eine Leitungsfunktion bei einem solchen Ereignis übertragen zu bekommen. Er selbst war der Planer und Organisator für das so genannte Standardhilfeleistungs-Kontingent, welches das ober- und das unterfränkische Rote Kreuz gemeinsam auf die Beine gestellt hatten. Dieses Kontingent war mit Teileinheiten aus den Bereichen Behandlung, Transport, Logistik, Betreuung und Verpflegung sowie Führung bestückt.

Etwa 125 BRK-Einsatzkräfte - darunter circa 25 Kronacher - mit rund 40 Fahrzeugen und sechs Ärzte kamen aus Ober- und Unterfranken. Und das Zusammenspiel hat hervorragend geklappt. Untergebracht waren die Rot-Kreuz-Helfer in einer riesigen Containerburg. Die war laut Ralf Schmidt gut strukturiert und wurde picobello sauber gehalten. Zu viert waren die Helfer jeweils in einem Wohnmodul untergebracht.


Aufgabengebiete

"Wir waren für die Sicherung des Bevölkerungsschutzes eingeteilt", erklärt Schmidt. Das bedeutete nicht nur, ein Auge auf mögliche Zwischenfälle beim Gipfeltreffen zu haben, sondern auch bei Straßensperrungen, Unwettern oder der Absicherung von Demonstrationen einsatzbereit zu sein. Angesichts der beengten geografischen Gegebenheiten in der Region hätten sich in dieser Sondersituation nämlich schnell ernsthafte Probleme daraus entwickeln können. Einmal habe es Starkregen und Hagel gegeben, nennt Ralf Schmidt ein Beispiel. "Binnen 15 Minuten war unser ganzer Logistikbereich unter Wasser." Angesichts der Sicherheitsvorkehrungen sei es dann schon schwierig gewesen, Sandsäcke heranzuschaffen. "Aber das ist legitim", zeigt der Kronacher Verständnis für die Sicherheitsvorkehrungen. Schließlich hätte auf diesem Weg etwas in den Sicherheitsbereich eingeschmuggelt werden können.

Wenn man Angela Merkel die Hand schütteln darf und bis auf etwa zehn Meter an Barack Obama herankommt, ist es aus Ralf Schmidts Sicht verständlich, dass Vorsicht angesagt ist und auch jeder Helfer akkreditiert und überprüft wird. Weiter hat man den Einsatzkräften bei der Ankunft der Politprominenz von missdeutbaren oder hektischen Bewegungen abgeraten. Darauf hätten die Sicherheitskräfte empfindlich reagieren können.

Die Bevölkerung und auch die Demonstranten hat Ralf Schmidt vor Ort als unproblematische Leute wahrgenommen, obwohl das Alltagsleben in dieser Zeit eigentlich nur mit Blaulicht absolviert werden konnte, wie er scherzt. Im Vorfeld habe er allerdings schon ein mulmiges Gefühl im Bauch gehabt. "Aber es ist alles ruhig geblieben", freut er sich. Und Martin Schmidt ist ebenfalls froh, seine Kameraden wieder wohlbehalten zu Hause zu wissen.
Beide Kronacher betonen, viel aus dem Einsatz gelernt zu haben. "Wir haben insgesamt 300 Einsatzkräfte geführt, täglich 350 bis 400 Leute versorgt und verpflegt sowie noch Rettungsdienst aufgaben übernommen", erklärt Ralf Schmidt. Das sei schon eine besondere Erfahrung.