Malereien mit Pflanzenfarben sowie Fotografien treffen auf Keramik und Bronze: Der Titel der neuen Ausstellung in der Kronacher Synagoge "Inspirationen aus der Natur" ist wohl gewählt. Die Kronacherin Andrea Partheymüller-Gerber sowie Julia Tittmann aus Berndorf verbindet vieles: Beide sind am Frankenwald-Gymnasium im Fach Kunst tätig. Beide beschäftigen sich mit der Natur und verwenden Materialien aus der Natur - nur eben mit einer ganz individuellen Sichtweise: eigenständig und voller Ideen, mit eigener Handschrift.


Perfekte Ergänzung

So verschieden die Arbeiten der Künstlerinnen, Freundinnen und Arbeitskolleginnen auch sind: Ihre Künste stechen sich keineswegs gegenseitig aus. Ganz im Gegenteil: Sie finden in der gewählten Konstellation herrlich stimmig zusammen und verschmelzen zu einer großen Gesamtwirkung - eine spannende Mischung aus unterschiedlichen Materialien, Formen und Farben: ästhetisch, abwechslungsreich und vielseitig - "inspirierend" eben und absolut sehenswert!


Alle Elemente in der Kunst vereint


In die Ausstellung führte Angelika Gigauri ein, eine gute Freundin der Beiden und selbst Künstlerin. Auch sie wies auf die Gemeinsamkeiten des künstlerischen Duos hin, das seine Materialien aus der Natur auf forschende, gestaltende, schöpferische und künstlerische Weise verfeinere, veredle und verwandle. "Beiden ist das Prozesshafte wichtig. Beide setzen sich mit den Elementen von Luft, Licht und Wasser, von Erde und Feuer auseinander. Einmal haben wir den Schwerpunkt mehr im Lichthaften, Luftigen in Verbindung mit dem Wässrigen. Das andere Mal steht das Erdige, die Materie in Verbindung mit dem Feurigen im Vordergrund", erklärte Gigauri.

Das Lichthafte der Kunsterzieherin und Pädagogin Andrea Partheymüller-Gerber steht in enger Verbindung zu der Vielfältigkeit der Pflanzenwelt. Sie ist Forscherin und Künstlerin mit dem Schwerpunkt im Bereich Pflanzenfarben.

Das Erdige, die Materie und das Feurige entdeckt man vor allem in den Werken Julia Tittmanns. Die weiche, ungeformte Masse des Tons erfährt durch die empfindsame Hinwendung, durch fantasievolle Gestaltungskraft und durch die schöpferische Ausdrucksfähigkeit seine Form. Die Objekte verfestigen sich durch die Hitze des Feuers. "Handwerkliches Geschick, Intuition und Erfahrung sind hierfür eine Voraussetzung. Julia Tittmann ist Keramikerin aus Berufung", lobte die Rednerin.


Pädagogik trifft Kreativität

Auch Tittmanns Vater ist Keramiker. Beide haben ihre Werkstatt in Berndorf, mit Galerie und Verkauf. Einen Tag in der Woche unterrichtet sie Kunst am Frankenwald-Gymnasium. Sie und Partheymüller-Gerber haben eine fundierte Ausbildung: Partheymüller an der Akademie der Bildenden Kunst in München mit dem Studium der Malerei, Kunsterziehung und Kunsttherapie; Tittmann an der Staatlichen Berufsfachschule für Keramik in Landshut. Beide beteiligen sich an Ausstellungen oder initiieren Einzelausstellungen. Ihre künstlerisch gestalterischen sowie pädagogischen Anliegen vertiefen sie in Seminaren, Workshops und geben ihre Erfahrungen gerne an Interessierte weiter.

Partheymüller-Gerber stellt zwei Themenbereiche aus - zum einen drei große Arbeiten, die speziell zu den Gedanken des Feurigen, Erdigen und Luftigen entstanden sind. Zum anderen Farbstudien, Forschungsobjekte und Bilder als Ergebnis eines Verwandlungsprozesses von der Pflanze - zur Farbe - zum Malen - zum Bild. "Der Farbherstellungsprozess hat viel mit einer bewussten und wachen Aufmerksamkeit zu tun und mit einem bewussten in Beziehung treten zu einem lebendigen Wesen der Pflanzen, in Verbindung mit einem geeigneten Gedanken zum Licht", erklärte Gigauri. Der Prozess beginne im Wässrigen in Verbindung mit dem Feurigen. Danach erfolgten der Trocknungs- und Erstarrungsprozess. Die Materie entstehe, spiralförmige Strukturen würden sichtbar. Zum Schluss werde die erstarrte Farbflüssigkeit in der Reibeschale zu kleinsten, feinen, durchfärbten kristallartigen Pigmenten verrieben. Ein neues anderes lichthaftes Wesen sei entstanden. Jetzt kann mit dem Malen begonnen werden. Bei ihren Farbstudien sind bei der Ausstellung unter anderem die Malve, die Heidelbeere und der Kohl zu sehen - mit durchaus überraschenden Farbergebnissen.


Kunst im Doppelpack


Das Element der Erde, Ton und Bronze - in Verbindung mit dem feurigen Element: Das ist das Arbeitsmaterial von Julia Tittmann. Zu sehen sind sehen Tiere und Menschen "humorvoll, charakteristisch, im wesentlichen Ausdruck getroffen und doch wieder ganz individuelle Wesen - von besonderem Reiz, die erdig, metallisch anmutenden Strukturen, oft mit einem Hauch von Farbe im Detail", würdigte Gigauri. Auch Gefäße sind ausgestellt, kostbare Einzelstücke, mit malerisch wirkenden Oberflächen und dezenter Farbigkeit. Zu solch einmaligen Oberflächen kommt Tittmann durch drei unterschiedliche Techniken und Herangehensweisen - dem Raku-Brand, dem Steinzeug-Brand und dem Bronze-Sandguss. "Hier in dieser Ausstellung sehen wir Bilder eines bewussten Schaffens, Gestaltens und Verwandelns. Nicht nur die Farbe ist von Bedeutung, sondern auch die gedanklichen Hintergründe", resümierte Gigauri.

Das Duo kann sich zu Recht freuen über das Ergebnis seiner "Kunst im Doppelpack" und wie toll die Werke "in der Nachbarschaft" wirken. So außergewöhnlich wie die sehr frisch und anregend daherkommende Ausstellung, zu der eingangs Gisela Zaich die vielen Gäste namens des "Aktionskreises Kronacher Synagoge" willkommen geheißen hatte, war auch die musikalische Umrahmung der Vernissage. Günther Peppel und Ralf Probst machten Musik mit "Naturklängen", bei der beispielsweise Stühle, Töpfen oder auch Flaschen zum Drumset wurden.