"Wenn er davon nicht los kommt, wird er keine 30 Jahre alt" - Es waren deutliche Worte, mit denen Pflichtverteidiger Till Wagler die Drogenabhängigkeit seines Mandanten schilderte. Auch der junge Mann räumte unumwunden ein, dass er seit seinem 16. Lebensjahr Heroin nehme und davon nie mehr richtig losgekommen sei. "Ich habe es aus Neugierde versucht und bin daran hängen geblieben", gestand der Mann aus dem Landkreis Kronach.

Er konsumierte dabei die verschiedensten Arten von Rauschgift - alles, was ihm in die Hände kam und er finanzieren konnte. Die Finanzierung seiner Drogensucht geriet dann für den Beschuldigten, der noch nie in einem festen Arbeitsverhältnis stand, mehr und mehr zum Problem. Seine Sozialleistungen reichten für den Hartz-IV-Empfänger nämlich dafür bei Weitem nicht mehr aus.

"Abhilfe" versprach sich der Mann, der sich derzeit im Bezirksklinikum in Hochstadt in Langzeittherapie befindet, in Form von Diebstählen. Sein Beutezeug führte ihn beispielsweise in Supermärkte. Sein bevorzugtes Diebesgut war dabei alles, was er verkaufen oder gegen Betäubungsmittel eintauschen konnte - so Tabak, Leergutkästen, Red Bull oder auch Parfüm.

Einen Einbruch verübte er in die Jugendwerkstatt Küps, wo er ebenfalls Leergut sowie eine Digitalkamera und weitere Artikel klaute. Zudem entwendete er im Umkleideraum in der Lucas-Cranach-Schule eine Jeanshose, eine Geldbörse und ein Handy.

"Mein Mandant geht davon aus, dass er das alles gemacht hat. Richtig konkrete Erinnerung hat er nicht. Es setzt da bei ihm aus", so Wagler. Alle Taten seien unter dem Einfluss von Drogen beziehungsweise Medikamenten erfolgt.

Diebstahl in fünf Fällen - das Verfahren wegen des Diebstahls in der Lucas-Cranach-Schule wurde eingestellt - teilweise in Verbindung mit Einbruch und Sachbeschädigung lauteten daher schließlich die Anklagepunkte, ebenso wie Körperverletzung in einem Fall.

Der Angeklagte hatte, getrieben von Rachegedanken, einem Kontrahenten einen Faustschlag versetzt, nachdem er selbst einige Tage vorher von diesem verletzt worden war. Bei der ersten Auseinandersetzung war es um ein Mädchen gegangen. In dessen Verlauf war der Angeklagte von seinem späteren Opfer geschubst worden und dabei mit dem Gesicht nach vorne auf die Straße geknallt. Erhebliche Verletzungen waren die Folge.

Verlangen ist noch sehr stark

"Mein Drogenproblem ist gewaltig. Aber es geht voran. Die Therapie läuft besser als ich gedacht hätte", erklärte der Beschuldigte. Nichtdestotrotz sei sein Verlangen nach Drogen noch sehr stark. Es werde sicherlich noch eine ganze Weile dauern, bis er das endgültig in den Griff bekommen werde. Der Wille sei aber da. "Ich möchte ein anderes Leben führen - ein Leben ohne Drogen und mit einer Arbeit", beteuerte er.

"Clean" sei er in den letzen Jahren nur während seines Gefängnisaufenthaltes gewesen, den ihm zuvor verübte Straftaten eingebracht hatten. Lange habe er das aber nicht durchgehalten. Kurz nach seiner Haftentlassung im Dezember 2012 sei er bereits wieder rückfällig geworden. Er habe sich daraufhin bei verschiedenen Ärzten entsprechende Tabletten und Pflaster als Ersatz gegen den Entzug beschafft.

Wie dramatisch seine Situation tatsächlich ist, zeigte die Tatsache, dass er vor mehreren Monaten eine Überdosis genommen und sich daraufhin auf der Intensivstation wiedergefunden hatte. Eine früher begonnene Therapie hatte er nicht durchgestanden. Er wurde rückfällig, was einen Rauswurf aus der Einrichtung zur Folge hatte.

Das Fahrrad habe er nicht für sich behalten wollen "Er fühlte sich körperlich nicht in der Lage, zu Fuß zu gehen", erklärte sein Pflichtverteidiger. Später hatte er das Fahrrad einfach liegen lassen. Es wurde von der Polizei gefunden und der Besitzerin zurückgegeben. Diese verzichtete laut Wagler auf einen Strafantrag, da ihrer Meinung nach dem Angeklagten mit einer Therapie besser geholfen wäre.

Das Strafregister des Mannes wies sieben Einträge auf. Dabei handelte es sich insbesondere um Dutzende Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. "Vervollständigt" wurde seine Akte unter anderem von falscher uneidlicher Aussage, Diebstahl in mehreren Fällen sowie Urkundenfälschung.

Urteil ist rechtskräftig

Auch dies berücksichtigte Staatsanwalt Stephan Jäger in seinem Schlussplädoyer. Er forderte eine Gefängnisstrafe von elf Monaten für die Diebstähle sowie drei Monaten für die Körperverletzung, insgesamt also 14 Monate. Eine Bewährung komme nicht mehr in Betracht, da der Angeklagte bislang zwei Bewährungsstrafen nicht durchgestanden habe. "Es kommt nicht auf die Höhe der Strafe an. Wir sollten ihm einfach keine Steine in den Weg legen", appellierte Wagler.

Der Richter schloss sich den Ausführungen der Staatsanwaltschaft im Wesentlichen an, blieb aber mit elf Monaten - acht Monate für die Diebstähle und drei Monate für die Körperverletzung - etwas unter deren Forderung. Da beide Seiten auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.