Bereits von Weitem durchziehen herrliche Düfte das malerische Grundstück der Effelter Mühle. Geht man im wahrsten Sinne des Wortes immer der Nase nach, sieht man viele tüchtige kleine und große Apfelfans bei der Arbeit. Auch Peter und Leon haben alle Hände voll zu tun. Sorgfältig entkernen und schneiden die Beiden Äpfel in kleine Stücke. Diese geben sie dann in eine kleine Apfelpressmaschine, in der sie das leckere Obst mit einer Kurbel und jeder Menge Muskelkraft zu leckeren Apfelsaft pressen. Da greift Pfarrer Sven Raube, der gerade vorbei kommt, gerne zu.

Einmal mehr wurden am Sonntag auf dem idyllischen Grundstück der Effelter Mühle Äpfel zu allerhand Köstlichkeiten verarbeitet - so beispielsweise im schwimmenden Fett ausgebackene Apfelringe im Pfannkuchenteig. "Der hat nur ganz wenig Alkohol", bekundet Peter Witton, als er seinen selbst angesetzten Apfel-Cidre anbietet. Hochprozentiger geht es einen Stand weiter beim "Schnäpseln" mit leckerem Apfelkorn zu.

Spannungsgeladener Höhepunkt des alle zwei Jahre abgehaltenen Apfelfestes, das Besucher aus dem ganzen Landkreis anzog, ist die Inthronisierung einer neuen Regentin, die den kleinen Ort in den kommenden beiden Jahren repräsentieren wird. Über die neue Apfelkönigin herrschte bis zum letzten Moment Stillschweigen. Das Geheimnis wurde schließlich gelüftet, als sich Andrea Löffler in ihrem schicken grünen Dirndl, begleitet von großem Applaus, in der Scheune der Effelter Mühle ihren Weg durch die erwartungsvollen Gäste bahnte. Bevor diese jedoch den Apfelthron besteigen konnte, hatte sie erst einmal Fachwissen unter Beweis stellen müssen. Klemens Löffler, Sprecher der örtlichen Vereine, bat sie, einiges über ihr Heimatdorf zu erzählen - und da sprudelte es aus der 19-Jährigen nur so heraus. Natürlich wusste sie auch, dass der Ortsname auf die althochdeutsche Wortwurzel "apholtra" zurückgeht, auf frühere Apfelbaumpflanzungen hinweist und "Zu den Apfelbäumen" bedeutet.


Blindverkostung kein Problem

Auf die Theorie folgte die Praxis: Die angehende "Botschafterin des Apfels" musste mit verbunden Augen drei ihr blind verkostete Apfelsäfte am Geschmack erkennen: einen glasklaren, einen naturtrüben und den beim Fest frisch gepressten Saft. Dies stellte nicht die geringste Schwierigkeit für die künftige Hoheit dar.

"Wollt ihr Andrea als neue Apfelkönigin?", fragte Klemens Löffler. Was für eine Frage - und ob! Unter donnerndem Applaus erhielt die neue Regentin die Insignien der Macht, nämlich Schärpe und Apfelkrone von ihrer Vorgängerin Eva Schnappauf, die zuvor mit etwas Wehmut Abschied genommen hatte. "Das war so eine schöne Zeit. Ich durfte viele Feste und Veranstaltungen besuchen. Das hat mir viel Spaß gemacht", meinte sie und wünschte ihrer Nachfolgerin ebenso viel Spaß.

Andrea I. zeigte sich ihrerseits stolz, Effelter von nun an vertreten zu dürfen. "Apfelkönigin zu sein, ist eine ehrenvolle Aufgabe", meinte die Steuersekretär-Anwärterin beim Finanzamt Kronach. Die neue Apfelkönigin, die im Musikverein Effelter Flöte spielt, hofft, ihren Heimatort ebenso gut in der Öffentlichkeit zu repräsentieren wie ihre Vorgängerinnen.

Das Apfelfest in Effelter wurde im Jahr 2000 anlässlich des 777-jährigen Dorf-Bestehens ins Leben gerufen, um den Apfel wieder mehr ins Apfeldorf zu holen. Initiator war insbesondere Dekan i.R. Peter Hennings, der auch am Sonntag anwesend war. Seitdem findet das Fest im zweijährigen Turnus statt.

Die erste Apfelkönigin war Kathrin Göppner, geborene Löffler, die von 2002 bis 2006 das Amt innehatte. Es folgten Corinna Löffler von 2006 bis 2010, Anna Schnappauf von 2010 bis 2012, Julia Löffler von 2012 bis 2014 sowie Eva Schnappauf von 2014 bis 2016.

Die scheidende Apfelkönigin hatte als ihre letzte Amtshandlung vor dem Gottesdienst am Sonntagmorgen zur Zufahrt zur Effelter Mühle ein Apfelbäumchen der Sorte "Schöner aus Herrenhut" gepflanzt. Der ökumenische "Scheunengottesdienst" wurde von Pfarrer Sven Raube sowie Pfarrer i. R. Reinhard Kube zelebriert. Zeitgleich fand eine Kinderandacht in der Kapelle statt, die vom Team der Kinderkirche Effelter ausgestaltet wurde. Nach dem Mittagessen startete ein buntes Programm mit vielen Attraktionen und Aktionen für Groß und klein rund um das Thema Apfel, wobei auch viele kulinarische Leckereien angeboten wurden. Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Effelter, Ottmar Löffler zeigte, wie man Obstbäume veredelt. Ein Höhepunkt waren die beiden Apfelrennen für Kinder und Erwachsene. Stimmungsvoll umrahmt wurde der Tag vom Musikverein Effelter mit seinem Dirigenten Klemens Löffler.


Die Effelter Mühle

Das heutige Evangelische Dekanatsjugendheim entstand 1983 bis 1987 aus den Ruinen der ehemaligen "Effelterer Mühle". Bis 1979 wurde sie als Schneidmühle betrieben. Der Betrieb der Getreidemühle wurde bereits etwa um 1955 eingestellt. Die Mühle steht im Eigentum des evangelischen Dekanats Kronach, das die Gebäude als Dekanatsjugendheim nutzt. Dort gibt es auch einen Jugendzeltlagerplatz, dessen Geräte in den Nebengebäuden der Mühle untergebracht sind. Mit der Einrichtung des Jugendheims versetzte der Förderverein Effeltermühle den Mühlteich und die Schneidmühle wieder in funktionstüchtigen Zustand. 1990 wurde dem Ev.-Luth. Dekanat Kronach als Träger für die gelungenen Umbaumaßnahmen die Bayerische Denkmalschutzmedaille verliehen. Im Jahr 2007 feierte man das 500-jährige Bestehen der Mühle.