Die Kronacher Sandsteinwerkstatt findet schon zum 19. Mal im Areal der Festung Rosenberg statt. Im nächsten Jahr kann man das 20-jährige Bestehen feiern. Dieses außergewöhnliche Freizeitangebot findet immer mehr Resonanz. In zwei Kursen lassen sich circa 30 Liebhaber des Bildhauerhandwerks inspirieren und schaffen mit eigener Hand und aus eigener Kreativität heraus ihre ureigensten Kunstwerke aus Kronacher Sandstein.

Das Ganze geschieht unter der fachmännischen Beratung und Begleitung des akademischen Bildhauers Heinrich Schreiber aus Kronach. Hunderte von Freizeitkünstlern hat er bei den Sommerakademien der Kronacher Sandsteinwerkstatt den gefühlvollen Umgang mit Meißel, Fäustel und Hammer zur Bearbeitung des Kronacher Sandsteins beigebracht. Viele der Teilnehmer sind "Wiederholungstäter" und verlegen ihren Urlaub extra auf die Tage, an denen ein Kurs in der Kronacher Sandsteinwerkstatt läuft. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland "und wer einmal dabei war, scheint vom Virus infiziert", sagt der Stuttgarter Armin Böttinger lächelnd. Er ist zwar erst zum zweiten Mal dabei, weil er im vergangenen Jahr ganz einfach fasziniert war, "aber hier lernt man Gleichgesinnte kennen, die schon viele Male dabei sind", erzählt er und fühlt sich in diesen Tagen des künstlerischen Schaffens einfach pudelwohl.

Zum ersten Mal dabei

Das bestätigt auch ein paar Meter weiter Christian Gast aus Eberswalde - und der ist tatsächlich zum ersten Mal dabei. Während er an einem Sandsteinquader einen Kopf heraus meißelt sagt er lachend, "ich habe das Gefühl, dies ist hier eine eingeschworene Gemeinschaft, in der gute Kameradschaft und Hilfsbereitschaft vorherrschen, einer unterstützt den anderen", sagt er begeistert und ist sich jetzt schon sicher, nächstes Jahr wieder dabei zu sein.

Dies ist für die Seibelsdorferin Dietlind Grebe eine Selbstverständlichkeit. Ist sie heuer doch schon zum 9. Mal dabei und will natürlich nächstes Jahr ihr zehntes Teilnahme-Jubiläum erleben. Sie hat schon zig Figuren und Skulpturen aus Sandstein kreiert und wird immer wieder von neuen Ideen inspiriert. Derzeit arbeitet sie an einen Sanstein-Kopf, den sie verschenken will.

Schwieriges Ornament

In der Zwischenzeit ruft Peter Leist aus Hannover (er nimmt schon zum sechsten Mal teil) den akademischen Bildhauer Heinrich Schreiber zu einem kleinen Beratungsgespräch zu sich. Er zeigt dem erfahrenen Bildhauer seine angefertigte Skizze eines zweifelsfrei schwierigen Ornaments und lässt sich erklären, wie er weiter vorgehen kann, um am Schluss auch tatsächlich das in den Stein gehauen zu haben und wiederzuerkennen, was er sich anhand seiner Skizze vorstellte.

Kein Problem für den 77-jährigen erfahrenen Künstler Schreiber, der durch sein ruhiges, ausgeglichenes Wesen seine Schüler motiviert. Wichtig ist, dass die Freizeitgestalter ihre Skulpturen selbst anfertigen und dabei den richtigen Ansatz erlernen. Die meisten kommen wieder, weil sie viel Spaß und Freude bei der Schöpfung eines kleinen eigenhändig geschaffenen Kunstwerks empfinden und diese Sandsteinskulpturen zieren Wohnungen und Gärten daheim oder sie dienen als schönes Geschenk für eine liebgewordene Person, weiß Schreiber von seinen Laienkünstlern.

Ihr Kunstwerk aus Kronacher Sandstein nehmen sie als Andenken an ihre künstlerische Schaffenskraft und als Erinnerung an einen schöpferischen und entspannenden Urlaub mit in ihre Heimat. Sie kommen aus Regionen von der Ostsee bis zum Bodensee und fühlen sich im Frankenwald alle in guter Gesellschaft unter Gleichgesinnten. Dabei wird auch viel gescherzt und nicht nur gefachsimpelt. Der Fantasie, welche Figur oder Skulptur entstehen soll, sind keine Grenzen gesetzt. Ob Menschen, Tiere, Pflanzen oder schöne Blumen. Mit Geduld und Gefühl lässt sich aus dem Kronacher Sandstein vieles in ein Kunstwerk gestalten.