Moderne, weiße Möbel, offene Regale mit Büchern und laminierten Blättern, ein großer runder Tisch mit Stühlen und ein Sofa in einer Ecke, die von einer beschreibbaren Milchglaswand abgetrennt ist - es sieht aus wie in einem hippen Büro, in dem kreative Köpfe am Werk sind. Erst die Geräusche auf dem Flur und der Blick aus dem in Sand und einem Lila-Farbton gestrichenen Raum heraus, verraten, dass sich dieses Zimmer in einer Schule befindet.

Es ist die neue Lernwerkstatt im Frankenwald-Gymnasium. Die alte aus dem Jahr 1996 war in die Jahre gekommen. "Die alten Farben waren total hässlich, und der ganze Raum war schon etwas heruntergekommen", sagt Carolin Burghardt. Die Zwölftklässlerin ist einer von 13 Schülern, die in einem P-Seminar die neue Lernwerkstatt konzipiert, renoviert und neu eingerichtet haben.

Und das hätte fast nicht geklappt, wie Alf Merkel, der leitende Lehrer für die Lernwerkstatt, erklärt. Denn lange war es nicht sicher, ob diese Einrichtung wieder in ihren angestammten Raum kommen kann, oder ob es überhaupt ein Zimmer für sie gibt. Anfang Oktober ist dann die Zusage von der Schulleitung gekommen, dass die Lernwerkstatt wieder in ihrem alten Raum untergebracht werden kann.


Fertig in zweieinhalb Monaten

Schnell sei dann aus der theoretischen Arbeit des P-Seminars eine praktische Umsetzung geworden, erinnert sich Merkel. "Der Zeitdruck, unter den wir uns selbst gesetzt haben, war mit das Schwierigste", stellt der Lehrer fest. Das ambitionierte Ziel war es, noch im gleichen Jahr fertig zu werden.

Also wurde geplant, beraten, abgestimmt und danach gestrichen, renoviert und Möbel aufgebaut. Auch die Sponsorensuche übernahmen die Schüler selbst. Jeweils 3000 Euro kamen vom Förderverein der Schule und der Karl-August-Heinz-Stiftung der Firma Heinz-Glas. Diese hat auch das Herzstück des Raums, eine große, beschreibbare Glaswand eingebaut. Sie dient zum einen als Raumtrenner und zum anderen als Fläche zur Ideensammlung, wie der englische Spruch "Space for ideas" (Raum für Ideen) klar zum Ausdruck bringt. "Am 19. Dezember haben wir das Zimmer offiziell eingeweiht", sagt Carolin Burghardt.

Die Abiturientin erinnert sich noch gut an einige besondere Herausforderungen: "Die Farbauswahl war schwierig, aber da haben wir einfach demokratisch abgestimmt." Vom Farbkonzept seiner P-Seminaristen musste Alf Merkel anfangs noch überzeugt werden. Aber die elf jungen Frauen und zwei Männer zogen ihn schnell auf ihre Seite. "Vorher war es hässliches Lindgrün und Beige, das schon stark in die Jahre gekommen war. Und die Wände hatten Löcher", erinnert sich Merkel.

Bei vielen handwerklichen Arbeiten habe auch Hausmeister Bernhard Geiger mitgeholfen. Aber die meiste Arbeit hätten die Schüler gemacht. Ungewollt spannend machte den Fertigstellungstermin ein großes, schwedisches Möbelhaus. "Da hat es öfters mit den Lieferterminen nicht geklappt", sagt Merkel. Neben den lernpsychologischen Inhalten hätten die Schüler durch das Projekt auch viel Handwerkliches mitbekommen, sagt der Pädagoge. Carolin Burghardt bestätigt mit einem Nicken und ergänzt: "Es hat viel Spaß gemacht. Die Erfahrungen und Rückschläge bringen einen weiter."

Der Raum wirkt offen und einladend. Es ist kaum vorstellbar, dass hier einmal knapp 17 Arbeitsplätze standen, an denen Schülern der fünften Klassen in der Übergangsphase zum Gymnasium geholfen wurde. Dieses Konzept besteht zwar weiter, wird aber jetzt in den regulären Klassenzimmern angewendet.


Vielfältiges Konzept

In der neuen Lernwerkstatt sollen Lernberatungen und Elterngespräche stattfinden. Arbeitsgruppen können den Raum genauso nutzen - insgesamt ein sehr offenes Konzept. Demnächst soll der Raum auch für das Flexibilisierungsjahr verwendet werden. Dabei können Schüler freiwillig zwischen zwei Varianten wählen, bei denen sie die Schuljahre acht, neun oder zehn auf zwei Etappen aufteilen oder wiederholen.

Wenn Alf Merkel von Schülerinnen erzählt, die in ihren Freistunden den Pinsel geschwungen oder beim Möbelaufbau zu dritt unter einem Schreibtisch gelegen haben, dann sind ihm die Begeisterung und der Stolz auf sein P-Seminar anzusehen. In der neuen Lernwerkstatt kommt es auf die vielen kleinen Details an. Auch auf dieses: Über dem weißen Sofa hängt eine Schiefertafel mit zwei chinesischen Schriftzeichen, die Merkel selbst erstellt hat: "Die Zeichen stehen für Kraft und Erfolg, das wünsche ich allen Gruppen, die hier Arbeiten."