Schon mal was von Horb gehört? Nein? Ich auch nicht. Hilft aber nix. Mein Dartpfeil landete dort. Also in der Nähe. Irgendwo im Wald zwischen Horb und Lochleithen, beides Ortsteile von Mitwitz. Mitwitz selbst liegt zwischen Coburg und Kronach, bildet praktisch das Eingangstor in den Frankenwald. Soviel für die, die selbst mal in die Gegend wollen. Horb, das erfuhren wir vor Ort, hat heute noch etwa 60 Einwohner, die Angaben der Einheimischen schwankten zwischen 40 und 70. Lochleithen besteht im wesentlichen aus zwei Familien. Nix los, möchte man meinen. Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend, nähere ich mich nach knapp einstündiger Anfahrt mit dem Kollegen Hoch dem Aufschlagspunkt. Die Straße zum Zielpunkt, sie wird immer enger. Am Ende sind's nur noch drei Meter in der Breite - entgegenkommen darf nichts. Aber von wegen nix los. Wir treffen auf zwei Hoferinnen - Hof das ist ebenfalls ein Ortsteil von Mitwitz.


Spazieren an der Steinach

Petra Renner, die eine Spaziergängerin, ist mit ihren Wanderstecken unterwegs, und das täglich. Sie macht immer um Lochleithen und entlang der Steinach ihre Runde. Im Sommer wie im Winter. Auch heute , bei 30 Grad im Schatten.
Margit Weber, die ihr in kurzem Abstand folgt, geht auch gern spazieren. So oft es eben geht. Ich muss grinsen - immerhin, ein Anfang ist gemacht. Weiter geht's zurück nach Horb. Auf einem Hof nahe der Steinach ist mir ein älterer Mann aufgefallen. Herbert Pechtold, wie sich herausstellen sollte. Horber Urgestein, unglaubliche 75 Jahre alt, die man ihm nicht ansieht. Da seien die Gene dran schuld, erklärt er. Der Vater wurde über 100 Jahre alt. Na dann. Herbert "macht" gerade Holz. 20 Hektar Wald bewirtschaftet er immer noch, die Landwirtschaft hat er aufgegeben. Alles verpachtet. Die Kinder wollten den Hof nicht übernehmen. Sie haben gute Jobs in Sonnefeld und München.


Aus Horb nach San Francisco

Überhaupt die Jungen. Aus Horb sind die alle weggezogen. Einen hat es sogar bis nach San Francisco verschlagen. Weshalb die Einwohnerschaft zusehends altert. Gerade noch sechs schulpflichtige Kinder gebe es im Ort, erfahren wir. Dabei hat Horb Geschichte. Wir fahren mit Herbert Pechtold ein Stück die Steinach entlang, vorbei an einem leer stehenden Haus, dessen Geschichte allerdings fortgeschrieben werden soll. Es wurde verkauft und soll demnächst als Altersruhesitz dienen. Wieder ein Alter mehr in Horb.
Unser Führer zeigt uns einen Grenzstein aus dem Jahr 1608. Die eine Seite gehörte früher zu Coburg, die andere zu Bamberg. Bei der letzten Gebietsreform wurde Horb allerdings dem Landkreis Kronach zugeschlagen. Für den Herbert, der sich immer noch Coburg zugehörig fühlt, eine nicht eben glückliche Entscheidung damals.
Bei der ersten Durchfahrt durch Horb fiel uns ein Anwesen auf, vor dem ein Bus und mehrere Lkw standen. Eine Autowerkstatt oder so was ähnliches.
Alles falsch, erklärt uns Inhaberin Bianka Knauer, nachdem wir uns in Richtung Büro vorgearbeitet haben. Um eine Spedition handle es sich, ist zu hören. Früher hatte man ein Busunternehmen. Ihr Vater, der immer die Schulbuslinien rund um Mitwitz versorgt, steht für diese Tradition. Aber: Heuer, mit Schuljahresende, ist Schluss damit. Die Spedition wird allerdings weitergeführt.


750 Jahre Mitwitz

Bianka ist auch Gemeinderätin in Mitwitz, und sie nutzt die Gelegenheit, um für die anstehende 750-Jahr-Feier der Gemeinde Werbung zu machen. Und für die Horber. "Bei uns herrscht ein großer Zusammenhalt", ist zu vernehmen. Ein gutes Dutzend Horber würde sich bei dem Jubiläum engagieren und eine historische Szene nachstellen. Dabei wird es um die Auslagerung der Frankfurter Stadtbibliothek während des Zweiten Weltkriegs gehen. Die wertvollen Bestände wurden damals per Bahn nach Mitwitz gefahren und im dortigen Wasserschloss zwischengelagert, um so den Bomberangriffen auf die Mainmetropole zu entgehen. Der Auftritt der Horber soll ein Höhepunkt des Mitwitzer Jubiläums werden. Unglaublich, was man so alles in der fränkischen Provinz erfährt.


Urlaub in Lochleithen

In Lochleithen waren wir noch nicht. Wir bemühen uns wieder über das schmale Drei-Meter-Sträßchen Richtung Aufschlagpunkt und weiter in den Ortsteil mit seinen paar Häusern. Ein Kneippbecken fällt uns auf, mitten im Grünen steht es einfach so da. Beliebt bei den Feriengästen, erfahren wir kurz darauf. Feriengäste? Ja, richtig gehört. In Lochleithen wird Urlaub gemacht. Und zwar bei den Familien Birnstiel und Schwämmlein. Und das seit 40 Jahren. Das Ganze nennt sich "Urlaub rustikal " und findet auf 350 Meter Höhe statt. Weshalb die Ferienwohnungen auch in einem Berghaus untergebracht sind. Dazu gibt's eine Brotzeitstube, in der sich nicht nur die Feriengäste, die zumeist aus dem Norden kommen, stärken können, sondern auch Radler und Wanderer aus der Umgebung.
Fehlt eigentlich nur noch eine eigene Kapelle für Lochleithen. Kurz und gut, die haben die zwei Familien 2010/11 in einer Gemeinschaftsaktion ebenfalls errichtet. Jetzt fehlt sich nix mehr rund um Horb und Lochleithen. Naja, Gäste vielleicht. Und einige Neubürger. Dann wäre es komplett, das Glück an der Steinach.
In Teil 2 unserer Sommerserie sieht sich Christian Pack in der Nähe von Uehlfeld um.