Immer wieder tauchen Alina, Pauline und Lena ihre Spachteln in eine braune, zähflüssige Masse. Sie bestreichen damit ihre auf Holzplatten errichteten Miniatur-Lehmhütten, die sie am Vortag in runder Form aus Lehmbroten oder eckig in Ziegelbauweise selbst geformt hatten.

"In Afrika haben viele Menschen solche Lehmhäuser, weil es dort viel Lehm gibt. Außerdem ist es dann nicht so heiß in den Häusern, weil die dicken Lehmwände die Sonne nicht durchlassen", wissen die jungen Baumeisterinnen. Der Lehm werde oft mit klein geschnittenem Stroh gemischt, damit er besser zusammenhält.

Aus diesem Gemisch stellten die Menschen Lehmziegel her oder bauten direkt die Wände auf. Fenster gibt es nicht, lediglich offene Stellen in der Hauswand. Aber ein Dach brauchen die Häuser natürlich, um den Regen von den Lehmmauern abzuhalten.

Die Kinder decken ihre Dächer mit Stroh und kleinen Zweigen, oben drauf kommen Lehmziegeln. "Fertig! Matschig ist das schon", lacht Alina, als sie einen Blick auf ihre nicht mehr ganz sauberen Hände wirft, "aber es macht auch viel Spaß".

Überall fleißige Handwerker

Die tüchtigen "Häuslebauerinnen" sind an diesem Donnerstagvormittag nicht die Einzigen, die mit Spaß und viel Geschick am Werk sind. Überall neben der Kronachtalhalle gibt es fleißige Handwerker bei der Arbeit zu sehen.
Am Nebentisch bauen sich Lisa und ihr Bruder Hannes einen Webrahmen, um darauf später kleine Kunstwerke aus Filzwolle herzustellen. Doch zunächst müssen sie erst einmal Nägel in ein kleines Holzbrett schlagen, die sie dann mit Schnüren verbinden.

Einige Meter weiter bauen die Helfer Robin und Nam aus Steinen einen mobilen Herd Marke Eigenbau. Strom gibt es open Air nicht, deshalb entzünden sie mit kleinen Zweigen ein Feuer. Darauf werden in einer Pfanne kleine Injera-Fladen - gesäuertes Brot nach einem äthiopischen Rezept - gebacken. Bastian hatte den Teig vorher glatt gerührt. Nun duftet es verführerisch.

Auf dem Bolzplatz errichten derweil Sophia, Marie und Jonathan aus Stangen, Planen sowie Tüchern ein Zelt - ebenso wie die Tuareg in der Sahara abends ihr Nomadenzelt aufbauen.

Seit acht Jahren ist die Umweltbildungseinrichtung der Kreisgruppe Kronach vom Bund Naturschutz "Stadtoase" im Landkreis Kronach unterwegs. Ihren Auftakt findet die fünfwöchige Tournee immer in der Gemeinde Wilhelmsthal. Auch heuer waren die Projektleiterin Susanne Meier und ihre neun jugendlichen Helfer und Helferinnen, die im Ferienprogrammteam mitwirken und alles gemeinsam vorbereiten, sehr gespannt auf den Programmstart in Steinberg.

Drei Tage lang ging es dabei für alle Teilnehmer auf eine phantastische Weltreise beispielsweise nach Südostasien, Afrika und Südamerika - ohne Auto, Flieger oder Schiff, ohne Stress, ohne Staus und ganz ohne nerviges Kofferpacken. Wobei der Koffer aber durchaus beim Ferienprogramm eine entscheidende Rolle spielt; hatte doch Susanne Meier einen prall gefüllten Koffer mit geheimnisvollem Inhalt dabei.

Quer durch die Kontinente

Was gab es da nicht alles herauszuholen: Süßes, Duftendes, Bekanntes und Fremdes - von Mangos, Bananen und Kokosnüssen über Süßkartoffeln und Kaffee bis hin zu Trommeln. Das Wichtigste aber war ein Fotoalbum mit Bildern, die zeigen, wie die Menschen dort leben.

Gemeinsam dachten sich die "Weltenbummler" an Hand der Dinge im Koffer in ferne Herkunftsländer und reisten schließlich quer durch die verschiedenen Kontinente. Am Donnerstag stattete auch Wilhelmsthals Bürgermeisterin Susanne Grebner der Stadtoase ihren Besuch ab.

"Für dieses Weltreisevorhaben hieß es Interessantes, Anderes aus der Ferne in Erfahrung zu bringen, Reiseberichte, Bilder und Fotos zu studieren, so Gesehenes und Gehörtes in die Tat umzusetzen - was Kinder auf "Weltreise" alles selbst ausprobieren und konstruieren können, um von hier aus die kulturelle Vielfalt auf der Erde ein Stück weit zu erfahren", berichtet Susanne Meier von den Vorbereitungen.

Einige ihrer Helfer sind schon zum wiederholten Male dabei wie beispielsweise Nam, der heuer seinen Freund Robin mitgebracht hatte. "Nam hat mir vom letzten Jahr erzählt. Da bin ich mal mit zu einem Vorbereitungstreffen. Das hat mir gut gefallen. Ich finde gut, dass wir uns selbst mit einbringen konnten und das Programm gemeinsam erarbeitet haben", erklärt Robin.

Kim und Franka sind ebenfalls schon das zweite Mal dabei - und das obwohl Franka am Donnerstag ihren 15. Geburtstag feierte. Sie kam über ihren Bruder Tom dazu, der ihr ebenfalls immer davon vorgeschwärmt hat. Dass sie ihre Ferien für die Stadtoase unterbrechen müssen, stört sie alle nicht.