Mit Schwung fliegt eine Polstercouch ins Heck des orangenen Brummis. Kai Göppner und Christian Bayer schieben sie dann Stück für Stück weiter hinein. Es knirscht und kracht, dann ist das Möbelstück nur noch Kleinholz. Hier sind keine Umzugsmänner am Werk. Göppner und Bayer holen den Sperrmüll ab. Und davon gibt es auch knapp 20 Jahre nach der Umstellung des Abfuhrsystems genug im Landkreis.

Bis Mitte der 90er-Jahre wurde generell zwei Mal pro Jahr im Kreisgebiet der Sperrmüll abgeholt - zu festen Terminen. Heute ist der Kreis in verschiedene Bereiche eingeteilt. Wenn einige Bürger aus einer Gegend die Abfuhr geordert haben, wird ihr Gebiet ganz gezielt angesteuert.

"Wir fahren 50 bis 60 Stellen pro Tag an", erklärt Göppner. Wie viele es genau werden, hängt von den örtlichen Gegebenheiten und der Fahrtstrecke ab. "Schätzungsweise 75 bis 80 Tonnen Sperrmüll" holt das Duo jede Woche ab, wie Bayer ergänzt.

Da kommt einiges zusammen, das weiß auch Susanne Knauer-Marx vom Landratsamt. Sie hat alle Zahlen im Blick, denn in ihrem Sachgebiet Abfallwirtschaft werden die Abfuhrtermine koordiniert. Rund 2000 Tonnen Sperrmüll müssen im Landkreis jedes Jahr entsorgt werden. Zum Vergleich: Der Hausmüll macht rund 14 000 Tonnen aus. Etwa 5500 bis 6000 Haushalte nutzen das Sperrmüll-Angebot, das ohne zusätzliche Gebühren auskommt.

Rund 20 Jahre nach der Einführung der individuellen Sperrmüll-Abfuhr sieht Sachgebietsleiterin Susanne Knauer-Marx darin eine Bestätigung der damaligen Entscheidung, die Abholung neu zu regeln. Bis Mitte der 1990er Jahre wurde nämlich noch ein ganz anderes System praktiziert.

Im Frühjahr und Herbst wurde flächendeckend der Sperrmüll abgeholt. Heute hingegen kann jeder Bürger seinen Bedarf bis zu zweimal jährlich kostenlos anmelden und bekommt einen zeitnahen Termin für die Abholung genannt.

Lange Wartefristen drohten

"Im Härtefall musste der Bürger ein halbes Jahr auf die Abfuhr warten, die Sachen solange zum Beispiel in der Garage zwischenlagern", nennt Knauer-Marx einen der Nachteile des alten Systems. Außerdem stand der Müll oft in großen Mengen am Straßenrand, wo Fledderer die Haufen oft verwüstet haben.

Wie damals wird der Sperrmüll auch heute bis zu zwei Mal im Jahr ohne Zusatzkosten abgeholt - allerdings zeitnah nach der Anmeldung, sprich innerhalb weniger Wochen. Das hat nicht nur Vorteile für die Nutzer, sondern auch für die Entsorgungsunternehmen. "Die Abfuhr musste früher durch alle Straßen fahren, um zu sehen, wo etwas bereitgestellt wurde", erklärt Knauer-Marx. Das hat natürlich massig Diesel gekostet.

Und es gibt noch einen positiven Aspekt; der Sperrmüll landet im Müllheizkraftwerk, und das war früher zeitweise problematisch. "Wenn der Sperrmüll geballt gekommen ist, war das sehr viel gut brennbares Material auf einmal", erklärt die Sachgebietsleiterin die Ursache für ein technisches Problem.

Die Verbrennung lief dadurch nämlich in einem viel zu hohen Temperaturbereich ab. Heute vermischen sich die kleineren Mengen schon an der Müllumladestation in Neuses viel besser mit dem normalen Müll, und "so ist das ja auch gewünscht".

In Bayern hat sich dieses Entsorgungssystem inzwischen in den meisten Landkreisen durchgesetzt. Doch nicht überall wird dieser Service über die Grundgebühren abgedeckt. In Hof kostet die Abgabe von bis zu zehn Teilen beispielsweise 25 Euro extra, in Neustadt bei Coburg sind zehn Euro pro Termin fällig.

Der Rest des Landkreises Coburg muss diese Summe übrigens nicht berappen. Doch Neustadt als so genannte Große Kreisstadt hat noch eine eigene Abfallwirtschaft und daher ein eigenes Gebührensystem.

Abholung klappt recht gut

Mit dem Ablauf der Sperrmüll-Abholung im Landkreis Kronach ist man im Landratsamt zufrieden. Im Großen und Ganzen würden sich die Bürger an die Vorgaben (siehe Infokasten) halten, stellt Knauer-Marx fest.
Einen Tipp haben Kai Göppner und Christian Bayer von der Neuseser Entsorgungsfirma Wagner dennoch parat. "Trennen ist das Wichtigste", sagt Bayer. Er zeigt auf einige Metallgegenstände, die sie nicht mitnehmen werden. "Eisen, Elek troschrott - manche schmeißen alles raus."

Abgeholt wird sperriger, brennbarer Abfall, der auch nach dem Zerkleinern nicht in die Mülltonne passt (zum Beispiel Möbel, Teppiche, Kunststoffgegenstände).

Tapetenreste, Türen, Fenster, Boden- und Deckenplatten, Sanitäreinrichtungen, Elektro- und Haushaltsgeräte, Materialien aus dem Garten- und Hofbereich oder Autoteile haben im Sperrmüll nichts zu suchen.

Etwa vier bis fünf Kubikmeter Sperrmüll dürfen zwei Mal pro Jahr und pro bewohntem Grundstück zur Abholung bereitgestellt werden.

Die Sperrmüll-Hotline ist erreichbar unter Telefon 09261/678-346 oder www.landkreis-kronach.de