"Das ist der Bulldog von meinem Opa, der jetzt meinem Papa gehört", sagt Heike Schneider sichtlich stolz. Am Dienstagnachmittag kommt sie gemeinsam mit ihrem Mann auf dem Traktor in Kronach an. Vier Tage lang waren die beiden mit dem Geräteträger unterwegs. 400 Kilometer liegen hinter ihnen: Vom oberbayerischen Murnau, wo die beiden wohnen, bis hoch in den Frankenwald.

Die gebürtige Kronacherin Heike Schneider und ihr Mann Moritz restaurieren in ihrer Freizeit Oldtimer. Der Fendt-Schlepper, Baujahr 1965, war aber ihre erste Landmaschine. "Also mein Vater hat gefragt, ob wir den Traktor herrichten", erinnert sich die 42-Jährige. Daraufhin haben sie die Maschine im vergangenen Jahr mit einem Anhänger nach Murnau gebracht und den Sommer über restauriert.


Auf eigener Achse in die Heimat

"Und dann hatten wir die Idee, dass wir den Bulldog nicht wieder auf dem Anhänger nach Kronach bringen wollen, sondern auf eigener Achse", erklärt der 31-jährige Moritz Schneider. Am Samstagmorgen ging es los. Bei der Abfahrt liegt noch Schnee in Murnau. Sie haben sich vorgenommen, in vier Tages-Etappen meist über Landstraßen die 400 Kilometer zu fahren und unter freiem Himmel zu übernachten.

Eine abenteuerliche Reise begann: Der Traktor fährt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometer. Eine meterlange zusammengeklebte Karte diente ihnen als Navigationsgerät. Fünf bis sechs Stunden sind sie pro Etappe täglich gefahren. "Vorne auf der Pritsche haben wir alles dabei gehabt: Suppe, Essen, Trinken und Bier", scherzt Heike Schneider.


Zelt auf der Pritsche

Am Steuer wechselte sich das Ehepaar ab. Zwei Freunde begleiteten die Traktor-Reisenden im Auto mit weiterem Proviant. Am Abend trafen sich die Vier dann an ausgemachten Wegpunkten. "Wir haben immer irgendwo auf der grünen Wiese übernachtet, dort alles aufgebaut und Lagerfeuer gemacht - Schön war's!", so der 31-Jährige. Ihr Zelt schlugen die beiden auf der Pritsche auf.

Die Reise verlief pannenfrei.Viermal mussten sie tanken, 20 Liter Diesel verbraucht der Traktor am Tag. Die langsame Fahrt haben sie genossen. "Es ist ein Erlebnis. Weil man hört, sieht und riecht, wo man durchfährt. Man sieht ganz viele Gärten und Einfamilienhäuser und hat immer nette Gespräche", schwärmt Heike Schneider. Nur einmal seien sie von ihrem Weg abgekommen und landeten mit ihrem Traktor prompt Mitten auf dem Nürnberger Volksfest. Dort seien sie von einem älteren Ehepaar angesprochen worden. Der Mann lobte den schönen Fendt und wollte wissen, wo die Reise hingeht. ",Auf Kronich!', sagte ich und der Frau rutscht nur ein ,Allmächd na!' raus", lacht Heike Schneider.

Auf der letzten Tages-Etappe am Dienstag regnete es. Deswegen trugen die Traktorfahrer bei ihrer Ankunft in Kronach vier Hosen übereinander und gleich zwei Oberteile. "Aber beim letzten Tag ist das in Ordnung, denn die heiße Dusche wartet schon", freut sich Moritz Schneider. Sie haben sich extra diese Woche ausgesucht, um Kronach leuchtet mitzuerleben. "Das letzte Mal war so schön, deswegen bleiben wir jetzt auch noch ein paar Tage da", so der 31-Jährige.

Der restaurierte Fendt bleibt nach seiner langen Reise in Kronach. Heike Schneiders Vater, Manfred Blinzler, betreibt nebenher eine kleine Landwirtschaft. Dort soll der frisch sanierte Traktor wieder zum Einsatz kommen.