Die Kronacher Innenstadt reichte einst durchgängig bis an den Zie gel anger. Heute ist dieses Gebiet von der Kernstadt abgetrennt. Die Eisenbahn hat im 19. Jahrhundert eine Schneise durch die alte Crana geschlagen. "Für die Trasse hat sich dieser Bereich angeboten", erklärt Daniel Gerber. Der Stadtplaner wird im Rahmen der Denkmalwoche am Sonntag, 20. September, um 15 Uhr an vier Stationen durch die Entwicklung des Eisenbahnwesens in Kronach führen.


Entwicklung der Stadt maßgeblich beeinflusst

"18 Häuser mussten damals entfernt werden", gibt Gerber schon einen kleinen Einblick in den Detailreichtum seiner Führung. Mit diesen Abrissmaßnahmen habe Kronach jedoch noch verhältnismäßig wenig gelitten. In Lichtenfels seien sogar noch Teile der Stadtmauer dem Bahnhof gewichen. Doch nicht nur der Ziegelanger habe sich in Kronach durch den Eisenbahnbau gewandelt, sondern auch das Umfeld des Bahnhofs. "Die Güterstraße war damals ein Pfad, die Brücken gab es noch nicht", erzählt der Stadtplaner.

Die städtebauliche Entwicklung in der Zeit von 1840 bis 1930 wird am Sonntag eine große Rolle bei der Führung spielen. Allerdings will Gerber noch viel mehr Themen aufgreifen: die Geschichte der Hauptstrecke bis hin zur Frankenwaldrampe, die Entwicklung der Lokomotivtechnik, die Standortfindung für den Bahnhof und dessen Bauphasen sowie die Nebenbahnlinie, die das gesamte Rodachtal erschlossen hat.


Tief ins Archiv gegriffen

Wenn der Stadtplaner zusammen mit dem Museologen Alexander Süß diese "Epoche der Industrialisierung" aufrollt, dann soll das nicht staubtrocken passieren. Vielmehr möchte Gerber an der Nordbrücke (Treffpunkt), in der Bienenstraße, am Bahnhofsplatz und in der Alten Bamberger Straße die geschichtlichen Fakten auch plastisch vermitteln. Daher hat er tief ins Archiv gegriffen. "Es gibt einen großen Fundus an Bildmaterial", verspricht er, dass sich die Situation von damals vor Ort anhand historischer Aufnahmen gut mit der heutigen vergleichen lässt.

Wie spannend und dynamisch die Eisenbahngeschichte in Kronach ist, können sich Gerbers Ansicht nach auch die Generationen vorstellen, welche die Zeit um die 1930er nicht selbst erlebt haben. Der Warentransport bei Loewe, die Museumsbahn, die Diskussionen um den Fernverkehr, die Schülerbeförderung - das Thema "Entwicklung der Bahn" ist bis heute aktuell geblieben. Und die Führung wird zeigen, dass es schon seit dem 19. Jahrhundert so ist.