Das war noch eine Zeit der grellen Kontraste: Pieter Bruegel der Ältere schildert in seinem Gemälde "Der Kampf zwischen Karneval und Fasten", entstanden 1559, den Gegensatz zwischen den Frommen und den Fressern, allegorisch verbrämt vielleicht auch den zwischen Katholiken und Protestanten. Der spielt heute keine Rolle mehr, und die Mangelwirtschaft der frühen Neuzeit, als die Menschen von einem Schlaraffenland träumten, in dem man sich immer richtig satt essen kann, ist auch überwunden.

Wirklich? Laut UN hungern auf der Welt 842 Millionen Menschen, hier und heute, im Jahr 2014. Und auf der anderen Seite ersticken viele im Überfluss. Da ist es kein Wunder, dass "Fasten" nicht als von den Kirchen auferlegte Pflicht, sondern als quasireligiöse Übung groß in Mode ist.

Durch Heilfasten etwa versucht sich der Büßende von "Schlacken" zu reinigen. Eine Vorstellung, die jeden seriösen Wissenschaftler milde lächeln lässt: Ein Körper ist kein Hochofen! Irgendwie kehrt sich das Schuldbewusstsein des westlichen Genussmenschen gegen den eigenen Leib.

Durch Kasteiung versucht er, selbst in der säkularisierten westlichen Gesellschaft Ablass und Vergebung zu erwirken. Und wenn's der Hunger nicht tut, dann vielleicht die Handy- oder Sex-Abstinenz?