Hans-Christian Ströbele überbringt den Antrag. Heiner Geißler befürwortet das Gesuch. Udo Lindenberg stellt das Hotelzimmer: Deutschland diskutiert über Asyl für Edward Snowden.

Außer Acht gelassen wird dabei, dass derjenige, der Asyl gewährt, die Sicherheit des Verfolgten garantieren muss. Dazu ist Deutschland beim Staatsfeind Nummer eins der USA nicht in der Lage.

Wer auf fremdem Terrain Geheimgefängnisse unterhält, wer insgeheim die Kanzlerin abhört, der wird nicht davor zurückschrecken, eines in Deutschland lebenden Snowden mit allen Mitteln habhaft zu werden. Angesichts der Bedeutung, die der Whistleblower für die USA hat, muss sogar davon ausgegangen werden, dass die in der Spähaffäre immer stärker unter (Zeit-)Druck geratende Weltmacht dabei niedrige Eskalationsstufen - diplomatischen Druck oder internationale Isolation - überspringt und sofort gewaltsam agiert.

Was hätte Obama auch von Deutschland zu fürchten, würden seine Schlapphüte Snowden von hier aus im Handstreich einen "Heimaturlaub" verordnen? - Von einer Regierung, die noch im August - nach Bekanntwerden der Spähprogramme Prism und Tempora - blind der Versicherung vertraute, es gebe kein massenhaftes Ausspähen von Daten in Europa durch die NSA.

Die deutsche Regierung würde bei einer Snowden-Entführung sicher die Samthandschuhe ablegen und eine Protestnote "not amused" gen Washington schicken. Und dann? Russland hat hier ein ganz anderes Arsenal von Abwehr-"Waffen". Deshalb ist der von vielen als Freiheitskämpfer verehrte US-Whistleblower dort sicherer als in Europa.

Asyl in einem westlichen Land wäre ein wichtiges Signal, den Vereinigten Staaten Einhalt zu gebieten. Welcher Gefahr würde sich allerdings Snowden aussetzen? Welchen Preis das aufnehmende Land bezahlen? Wie viel dauerhafte Verstimmung der USA verträgt die Politik, die Wirtschaft, der Arbeitsmarkt eines Landes generell und eine Exportnation wie Deutschland im Speziellen?

Die USA haben Grenzen im Umgang mit Partnern überschritten. Das muss aufgearbeitet, sanktioniert werden. Gerne mit den Informationen, die Edward Snowden bereit stellt. Ziel Deutschlands und Europas sollte es dann sein - über einen gemeinsamen Verhaltenskodex -, neues Vertrauen aufzubauen und sich dabei daran zu erinnern, welche Verdienste die Vereinigten Staaten an Freiheit und Wohlstand in Europa haben.