Ausgerechnet zur Ferienzeit machen drei von 15 Fahrdienstleitern Urlaub. Dann sind auch noch vier krank - und die Personalabteilung wundert sich, dass in Mainz nur noch so viele Züge verkehren wie in Wunsiedel. Glückwunsch für eine Dienstplanung, die im Fachbereich eine Million Überstunden vor sich herschiebt und zur Ferienzeit nicht einmal mehr das Tagesgeschäft erledigen kann.

Mag der Bahn-Personalvorstand noch so tönen, dass der knallharte Sanierungskurs der Deutschen Bahn längst einer Phase der "Rekrutierung" gewichen sei - Zahlen und Fakten sprechen eine andere Sprache. Mit einer seit Jahren zu dünnen Personaldecke reitet das Unternehmen zu Lasten von Mitarbeitern und Kunden einen knallharten Kurs im Zeichen der Wirtschaftlichkeit, pumpt aber zeitgleich Millionen in Imagekampagnen, um ein vermeintlich nicht mehr zeitgemäßes Bild gerade zu rücken. Nein, allein an Plakatwänden und in Werbespots lässt sich nun einmal kein positives Unternehmensbild erzeugen, wenn zeitgleich beispielsweise in Franken Bahnhöfe verwahrlosen und vergebens um behindertengerechte Zugänge zu den Bahnsteigen gebettelt wird. Oder eben im Rhein-Main-Gebiet ganze Zugverbindungen einfach wochenlang entfallen.

Ach, übrigens, liebe Bahn: Von den 15 Fahrdienstleistern machen ja drei Urlaub - schaut doch mal auf den Bahnsteigen des Mainzer Hauptbahnhofs nach! Vielleicht stehen sie ja noch da und warten auf einen Zug. Vergebens natürlich. So geht es nämlich in regelmäßigen Abständen vielen Menschen auf dem flachen Land... hier in Franken, rund 250 Kilometer entfernt von der jüngsten Offenbarung des vermeintlichen "Top-Arbeitgebers" in Deutschland. Weil der nämlich den Nahverkehr immer öfter der privaten Konkurrenz überlässt. Oder einfach als unrentabel aufgibt.