Die vorwiegend jungen Leute wanken, stürzen, fallen und suhlen sich - vom Rausch benebelt - in ihrem eigenen Erbrochenen. Die Fotokünstler von www.muenchenkotzt.de lichten Leichen ab. Alkoholleichen. Sie liegen, oft rausgeputzt in Dirndl oder Lederhose, auf den grasigen Hängen der Theresienwiese. Ihre Sinne haben versagt, das Gleichgewicht haben sie verloren. Neben den meisten türmt sich ein Häufchen Kotze auf, Halbverdautes aus Bratwürsten, Steckerlfisch und Festbier.

Manche "Kotzbrocken" haben die Fotografen auch in voller Aktion erwischt. Die Belichtungszeit verkürzt und schon erstarrt der Schwall zu einer Säule des Ekels. Eine Fotostrecke zeigt einen taumelnden Mann, der fällt und schließlich liegen bleibt, mit seinem Gesicht auf der von Abfällen, Dreck und inzwischen undefinierbaren Flüssigkeiten übersäten Straße.

Ob diese Sammlung von Ekelbildern, die seit fünf Jahren auf der Seite veröffentlicht werden, tatsächlich Kunst ist, darüber ließe sich sicher streiten. Sie stehen jedoch nicht alleine, sondern werden ergänzt durch Texte. Manche sind lyrischer, manche philosophischer Natur und hinterfragen etwa das Phänomen Wies'n an sich - wieso gehen Menschen dorthin, wo doch die Preise horrend, die Krüge schlecht eingeschenkt und die Musik fürchterlich ist?

Die Seite kann als eine Form der Kritik aufgefasst werden, die durchaus ihre Berechtigung hat. Denn: Beim Alkoholkonsum auf dem Oktoberfest regiert Maßlosigkeit. Viele junge Menschen betrinken sich bereits zu Hause, um Geld zu sparen. Die teure Wies'n-Maß gibt ihnen lediglich den Rest. Neben den selbstzerstörerischen Dimensionen hat dieses Verhalten aber auch Folgen für andere Besucher.

Wenn der Pegel steigt, dann fallen die Hemmungen. In diesem Jahr dauerte es nach dem Anstich keine drei Stunden, da gab es bereits die erste Schlägerei. Einen Anstieg verzeichnete die Münchner Polizei bei den Sexualdelikten. Sie haben sich im Vergleich zum Vorjahr von sechs auf zwölf verdoppelt. In zwei Fällen wird gar wegen Vergewaltigung ermittelt.

Vielleicht regen die unrühmlichen Helden auf den Fotos den ein oder anderen zum Nachdenken an, wenn die Alkoholleichen da liegen, bar jeder Würde, besinnungslos, die Geschlechtsteile zum Teil noch entblößt, die schicke, neue Tracht mit Erbrochenem verschmiert. Kann das Ziel eines Oktoberfest-Besuches wirklich sein, auf diese Art und Weise zu enden? Darauf eine klare Antwort: Nein.