Sollten sich die Gesundheitsfanatiker durchsetzen, die in der Glut des Tannenzapfens und im tropfenden Fett den Untergang des Abendlandes sehen, kommt Europa vom Regen in die Traufe: Kulturgeschichte wird auf dem Grillrost der Grenzwerte geopfert!

Als nächstes ist das Rauchbier dran, das neben Rauch auch Spuren von gesundheitsschädlichem Alkohol enthält. Verdächtig klingt ja auch beim Bockbier schon der Name, wird da vielleicht Ziege verarbeitet oder gar Pferdefleisch wie in der italienischen Discount- Lasagne aus Bockrop?

Frankens Weine enthalten, der Teufel soll sie holen, Trauben und Schwefel und könnten explodieren, wenn man sie als Glühwein erhitzt, und wenn das Schäuferla nicht gegen arbeitsschutzrechtliche Bestimmungen verstößt, dann braten wir uns einen Storch. Sie haben ja Recht, die Gesundheitsschützer, denn die Ernährung ist die wichtigste aller Todesursachen; selbst wenn man die Tatsache ausklammert, dass die meisten Menschen dieser Welt sterben, weil sie nichts zu beißen haben. Das darf kein Freibrief für Anarchie in Küche und Keller sein.


Vorsicht, Fisch!

Konsequent haben British Airways und Air France den Transport von Surstroemming in Dosen an Bord ihrer Flugzeuge verboten. Das schwedische Nationalgericht besteht im wesentlichen aus vergorenem, sprich verdorbenem Hering, luftdicht verpackt. Jedes Jahr sterben unzählige Menschen beim Versuch, die aufgeblähten Blechbehälter zu öffnen, auf unbeschreiblich grausame Weise. Und die Welt macht sich Sorgen um Rüstungsexporte!

Wer weitere Beweise sucht, dass Essen der Gesundheit schaden kann, reise nach Island. Die Insel wurde nie erobert, was auch daran liegt, dass im Sand ihrer Strände der Hakarl reift. Das ist das an sich giftige Fleisch eines Haifisches, das so lange vergraben bleiben muss, bis die Fäulnis neben dem Fisch auch das Gift zersetzt hat. Der Geruch, der von dem Gaumenschmaus ausgeht, ist, nun ja, fast so streng wie der Gesichstausdruck der EU-Außenbeauf-tragten Catherine Ashton.

Die Vereinten Nationen erwägen, bei schwierigen Verhandlungen entweder Ashton einzusetzen oder kleine Hakarl-Häppchen zu reichen. Inwieweit das (oder das andere oder beides) gegen die Haager Landkriegsordnung verstößt, wird vom Internationalen Gerichtshof geprüft.

Schluss mit der Schlacht in Europas Küchen! Friede auf den Tellern! Weiße Flecken und graue Zonen auf den Speisekarten lassen sich nur mit viel gutem Willen und ein wenig Phantasie beseitigen.


Schon ist das Schwein fort

Wenn die Coburger den Zapfenstreich für ihre armen Würstchen verhindern wollen, sollten sie sich guten Rat in Schweinfurt holen. Dort stand die legendäre Schlachtschüssel vor dem Ende, die mit Horden von Keimen vom blanken Holztisch gegessen wird.

Das Gemetzel in Schweinfurt wurde flugs zum Kulturgut erklärt. Die Schweine dürfen für den guten Zweck sterben, und die Tradition lebt weiter.