Es war ein ungewöhnlich emotionaler Moment in einer Welt, in der sonst Befehl, Gehorsam und Pflichterfüllung wenig Platz für Gefühle lassen: "Hier wurde aufgebaut und gekämpft, geweint und getröstet, getötet und gefallen", stellte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière zum Ende des Kundus-Einsatzes fest - und machte damit deutlich, welch hohes Risiko heute Soldaten der Bundeswehr eingehen müssen. Kein Auslandseinsatz führte dies der deutschen Bevölkerung so deutlich vor Augen wie der in Afghanistan. 54 deutsche Soldaten kamen ums Leben. 54 Schicksale - 54 mal Leid und Trauer, vor allem bei den Angehörigen, die in der Öffentlichkeit so gerne vergessen werden.

Es geht um Leben und Tod: Deshalb haben unsere Soldaten das Recht, dass Bundesregierung und Bundestag künftig noch genauer überlegen, welche Einsätze absolut notwendig sind und was sie der Bundeswehr zumuten wollen. Materiell und personell sind die im internationalen Vergleich hervorragend ausgebildeten deutschen Streitkräfte am Limit. Und Außenminister Westerwelles überaus positives Fazit nach zwölf Jahren Bundeswehr in Afghanistan ist auch nicht unbedingt nachvollziehbar. Zwar ist es richtig, dass sich das Entwicklungsland in dieser Zeit bei Bildung, Freiheit und Bürgerrechten weiterentwickelt hat. Doch der internationalen Mission fehlte von Beginn an ein nachhaltiges Konzept, was sich nun bitter rächen könnte, wenn die westlichen Truppen peu à peu wieder das Land verlassen.

Man muss sich dabei immer wieder vor Augen führen, warum die Allianz überhaupt den Krieg gegen die Taliban begonnen hat - aus Bündnistreue der USA und der Nato gegenüber nach den Ereignissen des 11. September 2001. Der Einmarsch war damals also eher dem rein militärischen Aktionismus geschuldet - und daran hat sich bis heute wenig geändert. Es gibt keine vernünftige Verwaltung, massive Korruption und Drogenhandel bestimmen nach wie vor das Tagesgeschäft, die Bevölkerung misstraut zutiefst Polizei und Behörden. Hilfe des Westens zur Selbsthilfe der Afghanen schaut anders aus. Insofern steht zu befürchten, dass in Afghanistan in ein paar Jahren bald wieder jene Betonköpfe regieren werden, die das Land lange im Mittelalter gefangen hielten: die Taliban. Und hier zu Lande wird sich so mancher Angehöriger eines gefallenen Bundeswehrsoldaten noch intensiver die Frage stellen: Wofür?