Entsetzt schaut Europa auf die Eskalation der Gewalt in der Ukraine. Doch der Westen ist an den tragischen Ereignissen nicht unschuldig. Lange haben die EU und die europäischen Regierungen einseitig den Demonstranten den Rücken gestärkt und einem "Regimewechsel" das Wort geredet, so als wäre die Ukraine noch eine sowjetische Diktatur. Sekundiert wurde dies von einer schrillen Berichterstattung in vielen Medien, die in Klischees aus dem Kalten Krieg zurückfiel. Die USA verstiegen sich sogar zu Sanktionsdrohungen, sollte die Regierung Janukowitsch gegen die Demonstranten vorgehen. So hat man die Hitzköpfe unter den Demonstranten angestachelt und die Gewalt geradezu herbeigeredet.

Dabei sind die Gesetze in der Ukraine nicht anders als im Westen - auch nach den jüngsten Änderungen. Was würde wohl passieren, wenn sich tausende Regierungsgegner monatelang am Brandenburger Tor verbarrikadieren würden und schließlich den Reichstag stürmen wollten?

Sicher ist Janukowitsch kein "lupenreiner Demokrat", seine Regierung ist korrupt, aber die Opposition ist keine Alternative. In ihr finden sich Demokraten, rechtsradikale Nationalisten und mafiöse Organisationen, die an den Fleischtöpfen zu kurz gekommen sind. Damit kann man kaum eine demokratische Gesellschaft errichten.
Doch um Demokratie und europäische Werte geht es in dieser Auseinandersetzung nicht. 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs feiern geostrategische Machtspiele fröhliche Urständ. Den USA geht es um die Eindämmung Russlands. Die Ukraine ist dabei nur eine Figur auf dem Schachbrett. Europa hat in diesem Spiel nichts zu gewinnen. Es kann nur Verlierer geben.

Bleibt zu hoffen, dass sich in der Ukraine im letzten Moment doch noch die besonnenen Kräfte durchsetzen. Falls es so kommt, der Westen hat dazu jedenfalls nichts beigetragen.