Stellen Sie sich vor: Sie haben ein Sparkonto bei Ihrer Bank - mit, sagen wir, 10 000 Euro Guthaben darauf. Und stellen Sie sich jetzt vor, dass es dem Staat finanztechnisch gerade nicht so gut geht und die verantwortlichen Politiker beschließen, zur Überwindung der Finanzkrise auf Ihr Konto zuzugreifen. Wenn Sie dann das nächste Mal einen Kontoauszug holen, sind dann statt der 10 000 nur noch etwa 9300 auf der hohen Kante. So soll es jetzt - ganz real- den Zyprioten ergehen. Nun kann man sagen, Zypern ist weit. Aber eben nicht so weit weg, als dass uns das Schicksal des Euro-Krisenlandes nichts anginge. Und so kommen auch hierzulande diffuse Ängste auf - flugs betont die Kanzlerin, deutsche Sparguthaben seien sicher.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: Die Ablehnung der Zwangsabgabe kam am Montag über alle Parteigrenzen hinweg zustande. Von Sahra Wagenknecht bis Guido Westerwelle rügte die deutsche Politprominenz das "Himmelfahrtskommando". Und selbst Bankenchefs stießen ins gleiche Horn. Dies alles zeugt von Nervosität, die der Markt sogleich mit einpreiste und Aktienwerte auf Talfahrt schickte. Wenn es um Geld geht, spielt Psychologie eben eine große Rolle. Sollte sich also die Meinung verstetigen, Zypern sei so etwas wie der Anfang der Verstaatlichung privater Guthaben, könnte dies auch anderswo brave Sparer zu den Schaltern treiben, um abzuheben, was noch zu retten ist.

Der Zeitplan für das zypriotische Rettungspaket gerät derweil völlig durcheinander. Nun soll, nach mehreren Anläufen, am Dienstag darüber abgestimmt werden. Dem Vernehmen nach bleiben daher auch heute die Banken auf der Mittelmeerinsel geschlossen. Durch unsere Köpfe spuken derweil die altbekannten Bilder aus dem Deutschland während der letzten Weltwirtschaftskrise: kilometerlange Menschenschlangen vor Bankhäusern - ein jeder Wartende hoffend, wenigstens einen Teil des Geldes retten zu können, das er dereinst mühsam zusammengespart hatte.

Wir Deutschen sind hier in besonderer Weise traumatisiert. Und so schleicht sich beinahe automatisch die Furcht bei uns ein, erneut alles verlieren zu können. Die EU und die Regierenden in Zypern sind also gut beraten, hier behutsam vorzugehen. Nicht, dass die kleinste Volkswirtschaft im Euroraum die größte in gefährlicher Weise ansteckt.