Heute Nacht wird sich bei der zweiten von insgesamt drei Fernsehdebatten entscheiden, ob dies eine Trendwende oder nur ein kurzes Stimmungshoch für Mitt Romney war.

Eines ist dabei klar: Der mächtigste Mann der Welt wird nicht noch einmal über weite Strecken lust- und sprachlos wirken. Sein freundliches Lächeln allein wird nicht reichen, die Gunst der Mehrheit der US-Bürger zurückzugewinnen.

Obama wird Zähne zeigen, den präsidialen Gentleman ablegen, die Zurückhaltung aufgeben, Romney attackieren. Steilvorlagen lieferte der Herausforderer im Wahlkampf ja zuhauf. Zum Beispiel als der Multimillionär fast die Hälfte der US-Bürger in die Nähe von Sozialschmarotzern rückte. Der Amtsinhaber wird tiefer schürfen als beim ersten Duell. Er wird es nicht mehr einfach stehen lassen, dass Romney versprochene Steuergeschenke für Reiche leugnet.

Obama wird allerdings den Fokus nicht nur auf die Schwächen seines Herausforderers legen können. Ihm sollte inzwischen auch klar sein: Allein die Botschaft, mehr Zeit zu benötigen, um begonnene Reformen zum Erfolg zu führen, reicht den Amerikanern nicht aus, ihm für weitere vier Jahre die Miete fürs Weiße Haus zu zahlen. Der Präsident wird der Fernsehnation konkret erklären müssen, wie er die USA aus der schwersten wirtschaftlichen Krise seit 80 Jahren herausführen will.

Die zweite - themenoffene - TV-Debatte ist die letzte Chance für Obama, das Ruder wieder herumzureißen. Im dritten, außenpolitischen Duell wird ihm das kaum gelingen. Noch direkt nach seinem Amtsantritt mit dem Friedensnobelpreis dekoriert, hat Obama zwar die Truppen aus dem Irak zurückgeholt. Der Nahe Osten ist jedoch mehr denn je ein Pulverfass. Afghanistan und Pakistan sind neue Kriegszonen. Sein Wahlversprechen, das Kriegsgefangenenlager Guantánamo innerhalb eines Jahres zu schließen, ist bis heute nicht umgesetzt.

Der Präsident wird also alles daran setzen, die US-Bürger innenpolitisch zu befrieden. Dann steigt seine Chance, dass die Wähler am 6. November urteilen: Yes, he can!