Mein erster Gedanke war, diese 50 Zeilen ausnahmsweise leer zu lassen. Denn wie könnte man konsequenter übers Nichtstun schreiben als durch Nichtschreiben? Da ich die gewonnene Zeit aber sicher nicht für Müßiggang genutzt hätte, wäre auch dann das Thema verfehlt.

Es geht nämlich um die Muße, die der Wirtschaftswissenschaftler Norbert Rohleder wiederentdeckt hat. Er meint nicht Fernsehabende oder durchgeplantes Wellness-Programm, sondern Zeit ohne bestimmten Zweck. Nichtstun eben. Schön? Schön selten. Das musste schon der geplagte Herrmann in Loriots Sketch-Klassiker erkennen. Sein verzweifeltes "Ich möchte einfach hier sitzen" konnte seine fleißige Berta schlicht nicht gelten lassen.

Weil wir heutzutage eigentlich ständig mehrere Sachen gleichzeitig tun und wenn wir dann doch mal nichts zu tun hätten, bei Facebook gucken, was die anderen tun, klingt ein altmodisches Wort wie Muße fern und verlockend. Doch glaubt man Rohleder, wäre ohne solche Momente manches an der Menschheit vorbeigezogen. Isaac Newton hatte in einer ruhigen Minute gleich zweimal Glück. Ein fallender Apfel traf ihn zum einen nicht am Kopf und brachte ihn zum anderen auf die Gravitationstheorie. Klingt überzeugend, oder? Da mach ich doch gleich mal Pause.