Und das Charakteristische an einer Lotterie ist nun mal die Tatsache, dass es Gewinner und Verlierer gibt. So gab es nach dem Losentscheid über die Verteilung der Presseplätze für den NSU-Prozess lange Gesichter bei Kollegen, die im ersten Akkreditierungsverfahren einen Platz bekommen hatten und jetzt leer ausgingen. Und weiterhin gibt es Kollegen und Politiker, die das ganze Losverfahren mit der Reservierung für einzelne Mediengruppen nach wie vor für zweifelhaft erachten.

Alle Kritiker und Kritikaster sind gut beraten, jetzt endlich einen Schlussstrich unter das leidige Thema Akkreditierung zu ziehen und den Losentscheid so zu akzeptieren, wie er gelaufen ist. Bisher fördern die Umstände des NSU-Prozesses ohnehin fast ausschließlich Verlierer zutage: einen schwer angeschlagenen Münchner Gerichtspräsidenten, den erst das Bundesverfassungsgericht wegen seines höchst umstrittenen ersten Akkreditierungsverfahrens disziplinierte. Eine beschädigte Justiz, auf die in- und ausländische Politiker Druck ausgeübt und deren Unabhängigkeit missachtet hatten. Einen Rechtsstaat, dessen Ruf und Wehrhaftigkeit gelitten hat, weil die Geheimdienste mehr gegen- statt miteinander gearbeitet haben - und die Neonazis folglich freie Hand für ihren Hass hatten.

Die schlimmsten aller Verlierer sind allerdings die Angehörigen der Opfer: Ihr Leid und ihre Kraft wurde wegen der Prozessverschiebung um weitere drei Wochen auf eine harte Probe gestellt. Sie haben endlich Gerechtigkeit verdient. Deshalb sollten wir uns ab sofort auf das Wesentliche des NSU-Prozesses konzentrieren: die juristische Aufarbeitung der Taten von Beate Zschäpe und ihrer vier mutmaßlichen Helfer. Alles andere spielt keine Rolle mehr.