Wann weiß man, dass man selbst ein wenig in die Jahre gekommen ist? Wenn man sich noch an "Club 15" im Bayerischen Rundfunk erinnern kann, als wäre es gestern - aber realisiert, dass die Radiorevolution vor gut drei Jahrzehnten über den Äther ging.

Thomas Gottschalk, das einst blonde Gift des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, erfreute sich seines anarchischen Daseins und wurde zur Hör-Droge einer Generation. Ungeheuerliches leistete "Thommy", erst mit Jürgen Herrmann, dann mit Günther Jauch. Sozusagen Piratenradio trotz Rundfunkstaatsvertrag. Und der Virus griff aufs Fernsehen über. "Na sowas!" durfte man keinesfalls verpassen...

Und dann "Wetten, dass..?", die "Supernasen"-Filme - Gottschalk war omnipräsent, eine Medienmacht, wenn auch mit Schauspiel-Handicap. Gottschalk war Gottschalk, das Goldlöckchen aus Kulmbach - das reichte der Republik. Die gefühlte Ehe mit dem Wildfang hielt lange. Die Enttäuschungen kamen spät, die Liebe erkaltete eigentlich nie. Zuletzt, bei "Wetten, dass..?", war es mehr ein Fremdschämen, so, als würde man mit seinem Partner nicht mehr gern auf Partys gehen, weil der am Ende immer einen etwas peinlichen Auftritt hinlegt.

Und dennoch: Gottschalk blieb der Goldbär der Nation. Es reichte mitunter schon, ihm ähnlich zu sehen, um ältere Damen während einer Fahrstuhlfahrt um den Verstand zu bringen: "Der hat ja Locken wie der Gottschalk!"Welch eine Schwärmerei.

Jan Böhmermann, Joko Winterscheidt, Klaas Heufer-Umlauf, mithin also die jungen Wilden im Mediengeschäft, haben mit diesem Erbe zu ringen. Einer für alle - das wird es wohl nie wieder geben. Gottschalk ist vielleicht der Letzte, der das von sich behaupten darf.