Die für Sportfans - nicht nur aufgrund des Viertelfinal-Ausscheidens der deutschen Mannschaft - recht schmerzhafte Handball-WM ist noch keinen Monat vorbei, da beherrscht der Wüstenstaat Katar wieder die Schlagzeilen als Ausrichter. Klar: Aus Sicht von Sepp Blatter war die Operation, dem Land der Ausbeutung, Zensur und Homophobie auch Fußball-WM zu implantieren, abgeschlossen. Der Fifa-Boss hatte das Skalpell längst zur Seite gelegt. Nur fehlte noch die Nachbehandlung.

Doch sie wären nicht Halbgötter in der Schweiz, hätten sie nicht "Lösungen" für alles. So auch für überraschend hohe Temperaturen im Sommer: November und Dezember heißen die Reha-Maßnahmen für dieses klitzekleine Detail namens Hitze, das der in die Jahre gekommene Chefchirurg im Dollarrausch, nun ja, "nicht richtig angeschaut" habe. Weshalb ihm DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zurecht alle Klimaforscher-Kompetenzen abgesprochen hat.

Egal: Die Kasse stimmt, und Blatter sitzt das aus. Wie immer. Er bleibt eh lieber Fifa-Präsident und widmet sich weiterhin dem Patienten Fußball, ohne sich um Kunstfehler oder gar all den Schmutz und üblen Korruptionsgeruch im Züricher OP-Saal zu scheren.

Ist es wohl nicht vernünftig, mit Blick auf die klimatischen Verhältnisse 2022 im Winter zu spielen? Doch, natürlich. Und auch das aufheulende Europa, samt seiner Spielpläne rund um Champions League und Top-Ligen, mag durch die prall gefüllten Kassen der Fifa gut dosiert beruhigt werden.

Nur einer verliert einmal mehr das Vertrauen in die Züricher Fifa-Halbgötter: der Fan. Er wird ums Sommermärchen amputiert, um die Fanmeilen und das Public Viewing unter freiem Himmel. Abseits im Advent, Sperre an Silvester: Für Fans bleibt die Verschiebung das hartplatzberüchtigte Eisspray für die Fleischwunde. Und sollte jemand aus dem Jubelvolk noch immer die Vision haben, dass sich König Fußball auch nur manchmal nach ihm richtet, dann sollte er - frei nach Helmut Schmidt - mal schnellstens ab zum Arzt.