Schulbänke vibrieren. Überall wippen Füße mit. Der Bass dröhnt in den Ohren, im Bauch. Es kribbelt am ganzen Körper - und es ist laut, sehr laut.
Die Gitarristen spielen gerade ihr Solo. Im Musiksaal der Graf-Stauffenberg-Realschule in Bamberg tobt zum Ende des Schuljahres das Schulkommando. 14 Schüler und zwei Jungs von der Bamberger Kultband Kellerkommando, Stefan Schalanda und David Saam, machen gemeinsam Musik. Volksmusik.
Volksmusik? "Wir möchten die 200 bis 400 Jahre alten Melodien auch für junges Publikum interessant machen", erklärt der Musikpädagoge Schalanda. Die Jungs von Kellerkommando tun dies, indem sie die traditionelle Musik mit Rap, Hiphop oder Punk aufmischen. Vom Musikantenstadl-Image bleibt dabei nichts mehr übrig.

Mit Vorurteilen aufräumen

Seit vier Jahren räumen die Bamberger schon mit dem Vorurteil auf, Volksmusik sei langweilig und nur etwas für ältere Leute. Und das mit großem Erfolg: Ihr erstes richtiges Album "Dunnerkeil" verkaufte sich längst nicht nur in Franken. Unlängst spielte die Band sogar vor 25 000 Leuten bei einem Festival in Karlsruhe. Selbst Mexiko beschallten sie schon mit Volksmusik aus Franken.
Mit ihrem Schulprojekt wollen sie vor allem Schülerbands anspornen, auch einmal verschiedene Musikrichtungen zu mischen. "Freiheit zu erleben. Einfach einen lockeren Umgang mit Musik zu haben", wie Schalanda sagt.
Heute ist Tag zwei des dreitägigen Projekts. Sänger und Rapper ziehen sich in einen Nebenraum zurück. Die Schüler proben zunächst in einzelnen Intrumental-Gruppen: Zwei Schlagzeuger, zwei E-Gitarristen, vier Blechbläsern, und ein Techniker, der ab und an verschiedene Drum Samples einspielt. Fest steht auch schon, welches Lied man gemeinsam zuerst einstudieren will: "Lump", heißt es. Eines aus dem Repertoire des Kellerkommandos.

Die Show zum Abschluss

"Erst die Gitarren", sagt David Saam. "Gut, als nächstes die Schlagzeuger. Nochmal von vorne. Es muss noch schneller werden. Jetzt beide zusammen." Die Bläser steigen ein. Dann kommen die Sänger und Rapper dazu. "Bist halt a Lump, a liederlicher Lump", schallt es durch den Musiksaal. Volksmusik ist laut - und manchmal sogar ziemlich anzüglich: "Schlamperer, Schlamperer, mein Schatz des is a Schlamperer, hat jeden Tag a andere!"
Die Schüler sind voll dabei, beobachten genau, wann ihr Einsatz angezeigt wird. Berührungsängste gibt es keine. Weder mit den Profis, noch mit ihrer Musik.
"Ja! Einmal nahezu perfekt durchgespielt," lobt Schalanda. Ein bisschen variieren, ausprobieren. "Nein vorher war es besser." Also zurück zur bewährten Form. Und die nochmal üben. Schlapp machen gilt nicht, auch wenn der Schweiß in Strömen rinnt. Denn morgen ist es soweit. Morgen soll der Saal beben. Morgen ist die ganz große Show. Eltern, Mitschüler und Lehrer sind zu einem Auftritt des Schulkommandos eingeladen. "Durch die Idee, dass Schüler bei dem Auftritt mitwirken, soll die Bedeutung regionaler Musiktradition besser vermittelt werden", erklärt Schalanda. Und natürlich bleiben auch Spielweise und Inhalte der Lieder so besser hängen. Mitmachen statt nur Zuhören, lautet das Credo der Bamberger Combo.

Zeitlose Hits

Andreas Richter ist jedenfalls schon mal beeindruckt: Er ist seinerseits Musiklehrer an der Graf-Stauffenberg-Realschule und hat das Kellerkommando an die Schule geholt. Er spielt selbst in einer Volksmusik-Formation und muss erst gar nicht davon überzeugt werden, dass die alten Hits von früher auch heute noch ihre Wirkung zeigen. Dass Tradition ankommt. Wenn sie nur richtig verpackt und nicht im, sondern - wie in Franken üblich - auf dem Keller gespielt wird!!
Wer jetzt neugierig geworden ist und mehr über die Band erfahren will, kann auf ihrer Homepage schon mal in ein paar Lieder reinhören: www.kellerkommando.com

Von Isabelle Strecker, klar.text-Praktikantin