Von einem "Azubi" zu erfahren, wie es bei ihm nach der Schule weiterging, dies findet Regina Hermann durchaus interessant. Sie besucht die neunte Klasse der Staatlichen Realschule CO II und möchte nach der Mittleren Reife weiter auf die Fachoberschule. Dies strebt auch ihre Klassenkameradin Marie-Sophie Morgenroth an.
Am Dienstagabend informierten sich die Mädchen über Wege, die nach der Schule möglich sind. Die Wirtschaftsjunioren und das Regionalmanagement Coburger Land hatten zum fünften Mal zu einem Karriereabend unter dem Motto "Schule fertig und dann?" in den Gemeindesaal von St. Augustin eingeladen. Der Abend, der mit anschaulichen Vorträgen und Informationen gefüllt war, richtete sich an Schüler in der Berufsorientierungsphase.
Marie-Sophie Morgenroth und Regina Hermann sind über die Schule auf die Veranstaltung hingewiesen worden. "Unser Lehrer hat uns informiert und da haben wir uns gedacht, da gehen wir hin."
Marie-Sophie hat durchaus Ziele: Nach dem Abitur möchte sie Psychologie studieren, die 14-jährige Regina ist unschlüssig. "Das Abitur möchte ich, aber was ich danach mache, das weiß ich noch nicht." Bei dem Karriereabend erhielt sie einen Überblick, was die Coburger Wirtschaft zu bieten hat und welche Laufbahnen eingeschlagen werden können.


Umwege sind erlaubt

Der Weg zum Erfolg darf auch über Umwege führen, so wie bei Elke Gillardon und Florian Bertges. Die beiden Wirtschaftsjunioren blickten 25 Jahre zurück und zeigten ihre Laufbahn: Bei Gillardon führte diese von der Steuerfachgehilfin zur Bankkauffrau über das Betriebswirtschaftsstudium zur selbstständigen Unternehmensberaterin. Florian Bertges interessierte sich nach dem Abi für Musik, dann ging er zur Bundeswehr und ist nun als Unternehmer und Autor tätig. Hochschulpräsident Michael Pötzl bestärkte die Schüler: "Lasst euch nicht von statistischen Erfolgschancen beeinflussen, sondern schaut, was für euch gut ist."


Pötzl: Man braucht Leidenschaft

Der gelernte Bauingenieur sieht ein vorzeitig beendetes Studium nicht dramatisch. Ein Studienwechsel sei kein Abbruch, sondern eben ein Zeichen, dass der Studierende noch Zeit brauche. Ganz wichtig: "Nur wenn man Leidenschaft entwickelt, dann ist man gut." Geld sei nur ein kurzfristiger Anreiz, entscheidender sei der Erfolg, so der Hochschulpräsident.
Der Anteil der Studierenden an der Hochschule aus Stadt und Landkreis sinke übrigens seit Jahren, ein Drittel komme mittlerweile aus dem gesamten Bundesgebiet und zwei Drittel aus einem Umkreis von 100 Kilometern. Dies sei auch in Ordnung, schließlich wolle man junge Leute in die Region holen.
Bei dem Bewerbungsgespräch, so Rainer Kissing, Leiter der beruflichen Bildung der IHK, sollte der Funken überspringen. Dies funktioniere nur, wenn der Bewerber Interesse an der Firma zeige und sich vorher informiert habe. "Das Wichtigste ist, dass der Bewerber gut vorbereitet kommt."
Der Abend bot den Schülern auch die Möglichkeit, mit den Wirtschaftsjunioren, den Unternehmen und den Auszubildenden ins Gespräch zu kommen.
Landrat Michael Busch (SPD) informierte darüber, dass der Landkreis fünf Stipendien für ein Medizinstudium vergebe. In Zusammenarbeit mit dem Klinikum möchte man dem Ärztemangel auf dem Land entgegenwirken. Deshalb verpflichten sich die Stipendiaten, nach dem Studium in der Region tätig zu sein.