Immer mehr Jugendliche sind kontinuierlich in den sozialen Netzwerken unterwegs, dabei sinkt die Altersgrenze der Anwender stetig. Umso wichtiger ist es, das Bewusstsein der Kinder für einen sicheren und überlegten Umgang mit den neuen Medien zu schärfen, finden Anja Braune und Andreas Bock, beide Lehrer am Caspar-Vischer-Gymnasium.


Ab der 9. Klasse können Schüler Medienscouts werden

"Die Medienscouts gibt es ja bereits seit zwei Jahren an unserer Schule, und wir müssen jetzt neuen Nachwuchs heranbilden", erklärte Anja Braune, die eine Schülergruppe von Anfang an betreute. Medienscouts, das sind Schüler ab der 9. Klasse, die vom Weißen Ring ausgebildet werden, um Mitschülern als erste Ansprechpartner zu dienen, die beispielsweise dem sogenannten Cybermobbing ausgesetzt sind. "Bei den Medienscouts geht es sowohl um Präventionsarbeit als auch um aktive Hilfe für Betroffene."
Ebenfalls präventiv ist die Sparte, die Andreas Bock bei einem dreitägigen Workshop im Jugendbildungshaus Weihe rmühle bediente. Als ausgebildeter "Smart-User-Trainer" war es seine Aufgabe, den zwölf Teilnehmern durch aktives Training sinnvollen Umgang mit den sozialen Medien, Handy & Co zu vermitteln. "Es machte für unsere Schule Sinn, die beiden Module zu kombinieren, weil sie sich einfach perfekt ergänzen", sagte Andreas Bock, der nach der Schulung mächtig stolz auf seine Anwärter war.


Schön aufs Bauchgefühl hören und komische Leute blockieren


Die zwölf Schüler hätten während ihrer Ausbildung absolute Offenheit gezeigt, seien stets mit großem Interesse bei der Sache gewesen, und er habe den Eindruck, dass sie das Gelernte auch gut umsetzen könnten. Gute Voraussetzungen, um mit ihrem Wissen besonders jüngeren Mitschülern weiterzuhelfen.
Doch auch ihr eigenes Verhalten in den sozialen Netzwerken konnten die angehenden Medienscouts überdenken, konnten viele wichtige Informationen für sich mitnehmen.
"Ich habe vor kurzem eine Anfrage von einem Jungen auf Facebook erhalten und nach einigem Zögern die Freundschaftsanfrage angenommen", erzählte beispielsweise Celina Pachelbel aus der 9. Klasse. Doch nach einigen seltsamen Mitteilungen habe sie auf ihr Bauchgefühl gehört und ihn "blockiert".


Wem man vertrauen kann und wem lieber nicht

Dass man ruhig auf sein Bauchgefühl vertrauen sollte, bestätigte auch Benjamin Daum. Er hatte früher selbst Probleme mit Mobbing und hätte sich damals Gleichaltrige als Ansprechpartner gewünscht. Deshalb kann er sich sehr gut in andere Jugendliche hineinversetzen, die Mobbing ausgesetzt sind. Die eigenen Erfahrungen waren auch für den Neuntklässler Justus Wolf die entscheidende Motivation, sich den Medienscouts anzuschließen.
Doch nicht nur Mobbing war Thema des Ausbildungsworkshops, sondern das generelle Verhalten in den Netzwerken wurde am zweiten Seminartag ausgiebig behandelt. Hier ging es insbesondere auch um die Zeit, die viele Kids in den sozialen Netzen verbringen, sowie darum, welche Informationen sie dort von sich preisgeben und wem sie vertrauen sollten oder besser nicht.


Nicht immer steckt ein "Freund" hinter einer Kontaktanfrage

"Als ich noch in Facebook aktiv war, habe ich jede Freundschaftsanfrage angenommen", erinnerte sich Justus. Denn viele Freunde zu haben sei in einem gewissen Alter gut fürs Prestige. "Aber man sollte durchaus hinterfragen, ob ich diesen ,Freund' wirklich brauche", riet Anna Sachs, "denn ihn abzulehnen bringt den Typ nicht um".
Man solle immer daran denken, dass ein Profil auch ganz leicht gefälscht werden kann: Oft verbergen sich nicht die Personen dahinter, die man vermutet. Gestik und Mimik, die sonst bei der besseren Einschätzung einer Person helfen, fallen im Internet auch weg, erklärte Katharina Naser.
Auch empfehlen die jungen Leute, nicht ständig und sofort auf alle banalen Nachrichten zu antworten, insbesondere nachts sollte man auf das Smartphone verzichten, um in Ruhe schlafen zu können, "denn manche texten teilweise die ganze Nacht durch", berichteten die Neuntklässer einstimmig.
Nur noch Kopfschütteln haben die angehenden Medienscouts für so manche Fotos übrig, die junge Mädchen von sich ins Netz stellen. Die Medienscouts finden, hier seien auch mal die Eltern gefragt, die Aktivitäten ihrer Schützlinge zu überprüfen. Deswegen wollen sie sich mit ihren geplanten Aktionen in Zukunft nicht nur an die Schüler wenden, sondern durchaus auch die Eltern an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben lassen. Bleibt nur zu hoffen, dass sie dort auch auf offene Ohren treffen.