Gute Vorbereitung ist alles: Schon vor Monaten starteten die Teilnehmerinnen des Projektseminars "Alpenüberquerung" am Maria-Ward-Gymnasium in Bamberg mit den Vorbereitungen für ihr anstrengendes Projekt. Es gab viel zu tun: Die Schülerinnen mussten die Route festlegen und dann die Hütten buchen.
Viel mehr Zeit brauchten sie aber für die physische Vorbereitung, zumal das von den Schülerinnen gewählte P-Seminar Sport als Leitfach hat. Also machten sich die jungen Frauen zu einer neunstündigen Probewanderung in die Fränkische Schweiz auf, bauten abwechslungsreiche Ausdauereinheiten ins Seminar ein und absolvierten Trainingseinheiten zu Hause. Zur Sicherheit ließen sich die Schülerinnen auch noch zu Ersthelferinnen ausbilden.


Die erste Etappe war noch harmlos

Und so konnte das P-Seminar am 16. Juli top vorbereitet und motiviert die erste von insgesamt sieben Etappen auf sich nehmen. Startpunkt war wie bei einer Alpenüberquerung auf dem europäischen Fernwanderweg E5 üblich, Oberstdorf, beziehungsweise Spielmannsau. Von dort aus folgte ein relativ kurzer Aufstieg zur Kemptner Hütte.
Zum Einlaufen mit mehr als zehn Kilo Gepäck auf dem Rücken war diese Etappe sehr gut geeignet. Das Hüttenleben mussten einige der Alpenüberquererinnen allerdings erst üben. Doch mit der Zeit wurden die oft geselligen Hüttenübernachtungen, das fremde Schnarchen, das oftmals trotz Duschmarke kalte Wasser, fehlender Handyempfang und das Gedränge in den Speiseräumen zur Routine und sogar schön.


Scheinbar geht's endlos bergauf

Auch die oftmals nicht enden wollenden Auf- und Abstiege in der brütenden Hitze wurden irgendwann zur Gewohnheit. Schon auf der zweiten Etappe spürten viele den Rucksack kaum noch, und alle wurden immer trittsicherer auf Schnee, in Bächen und auf Geröllfeldern.
Die Motivation hingegen geriet auf der zwölfstündigen zweiten Etappe ins Schwanken: Als dann auf dem Aufstieg zur Memminger Hütte auch noch die Trinkwasserreserven ausgingen, war die Stimmung endgültig im Keller. Doch nach einer Dusche und einem warmen Abendessen hatten die Schülerinnen die Anstrengungen schon fast wieder vergessen und waren stolz, die Etappen gemeistert zu haben.
Der dritte Tag toppte mit dem längsten Abstieg der gesamten Alpenüberquerung dann aber alles: 1900 Meter ging es meist über Geröll in brütender Hitze abwärts ins Inntal nach Zams. Spätestens nach diesen heftigen acht Stunden war kaum einer mehr unversehrt geblieben, es hatten sich Blasen gebildet und die Schultern waren von der Sonne verbrannt und vom Rucksack aufgerieben.


Schülerinnen machten sich gegenseitig Mut

Vielleicht waren es der starke Gruppenzusammenhalt und das gegenseitige Sich-Aufbauen, das neue Motivation verschaffte. Wie auch immer, auf jeden Fall blieb die vierte Etappe zur Siegerlandhütte bei allen in überaus positiver Erinnerung.
Die fünfte Etappe führte die Gruppe dann endlich nach Italien. Zum ersten Mal gab es wieder richtige Betten! Nach zwei Etappen auf einsamen Wanderwegen durch eine ursprüngliche Bergwelt führte die sechste Etappe in Richtung der Touristenstadt Meran. Nachdem die Gruppe in Meran 2000 eingetroffen war, wurde der restliche Weg zum Kinderspiel. Am 23. Juli ging es dann zurück nach Bamberg. Jetzt, zum Abschluss, haben sie ihre Erlebnisse niedergeschrieben.


Erst das Abi, dann die Gipfel

Das Projekt war ein voller Erfolg: Alle Teilnehmer haben die Alpen überquert - und noch viel wichtiger: Es gab, abgesehen von ein paar Blasen und Sonnenbränden, keine Situation, in der Erste Hilfe geleistet werden musste. Nächstes Jahr werden erst einmal die Hürden des Abiturs zu meistern sein. Aber vielleicht zieht es die eine oder andere einmal wieder in die Berge.