"Das habe ich noch nicht erlebt, dass man bei so vielen Schülerinnen in der Turnhalle eine Stecknadel hätte fallen hören können", so beschrieben Lehrkräfte des städtischen Eichendorff-Gymnasiums die Atmosphäre während der Lesung der Holocaust-Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch vor rund 180 Schülerinnen der 9. bis 11. Jahrgangsstufe. Die 1925 geborene Lasker-Wallfisch kam 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz und überlebte nur, weil sie unter Alma Rosé im Mädchenorchester von Auschwitz-Birkenau Cello spielte.


Schülerinnen hatten viele Fragen

Ihre niedergeschriebenen Lebenserinnerungen sind das eindrucksvolle Zeugnis eines deutsch-jüdischen Familienschicksals und eine sehr persönliche, anrührende Chronik einer Überlebenden der Shoah. Ihre Autobiografie "Ihr sollt die Wahrheit erben" erzählt von der Zerstörung einer jüdischen Familie und davon, wie sie und ihre Schwester Renate die Konzentrationslager der Nazis überlebten.
Im Anschluss an die Lesung konnten die Schülerinnen Fragen stellen. Ein gemeinsames Mittag- und Abendessen sowie ein Kaffeetrinken bot die Gelegenheit, noch intensiver mit Frau Lasker-Walfisch ins Gespräch zu kommen.


"Beeindruckender Nachmittag"

Organisiert wurde die Veranstaltung am Eichendorff-Gymnasium von Oberstudienrätin Alexandra Franze und Pfarrerin Alina Rölver, die an der Schule evangelische Religionslehre unterrichtet. "Vielen Dank, dass Sie mir dieses Treffen mit Frau Wallfisch ermöglicht haben. Es war ein beeindruckender Nachmittag", lautete nur eine der viele positiven Reaktionen der Schülerinnen. Weitere Lesungen mit der Zeitzeugin fanden an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und am Kaiser-Heinrich-Gymnasium statt.


Gegen das Vergessen

Mit den Veranstaltungen beabsichtigten die Organisatoren, das Eichendorff- und Kaiser-Heinrich-Gymnasium, evangelisches Bildungswerk, die katholische Erwachsenenbildung, die evangelische und katholische Hochschulgemeinde, Collegium Oecumenicum, das Mentorat für Lehramtsstudierende sowie die beiden Religionsdidaktik-Lehrstühle und die Professur für Judaistik der Universität Bamberg, ein gemeinsames Zeichen zu setzen: "Wir möchten deutlich machen, dass Erinnerung und Vergangenheitsbewältigung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe für alle Generationen ist", erklärte Konstantin Lindner, Professor am Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts an der Universität Bamberg.