Nicht nur Verbraucherschützer rufen derzeit dazu auf, die Fastenzeit zum bewussten Verzicht auf Plastik zu nutzen. Für Karl Waldmann, den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Kreisrat Forchheim, bedeutet Fasten den Verzicht auf etwas, das einem wichtig ist. Man müsse auch ein bisschen leiden. Der Plastikmüll sei aber "ein Thema für das ganze Jahr", sagt er und verweist auf die Folgen für die Umwelt, Tier und Mensch.


Was uns schönt macht, kann der Umwelt sehr schaden


Die Peelingcremes fallen ihm spontan ein: In diesen Kosmetikartikeln sind kleine Plastikkügelchen enthalten, um angeblich einen besseren Reinigungseffekt zu erhalten. Diese Kügelchen sind aber so klein, dass sie in den Kläranlagen nicht mehr herausgefiltert werden können. Und somit kommen sie aus der gesamten Nahrungskette nicht mehr heraus.


Gelbe Säcke voller Verpackungen


Die gelben Säcke kommen ihm als nächstes in den Sinn. Berge an Verpackungen beobachtet er am Tag der Abholung. "Wir haben größte Mühe, einen Sack vollzubekommen", sagt Waldmann. Seine Einkäufe verstaut er in der Stofftasche oder im Einkaufskorb. Man dürfe nicht gedankenlos einkaufen.

Wenn Karl Waldmann nicht genug Taschen dabei hat, sucht er einen Karton oder eine leere Obststeige. Joghurts gibt es im Glas, auch die Getränke. "Unsere Trinkwasserqualität ist hervorragend. Man kann auch Leitungswasser trinken", nennt er als Alternative. Schon alleine durchs regionale Einkaufen lasse sich viel Verpackung vermeiden. Letztendlich sei es Gewohnheit und auch ein Stück Bequemlichkeit. Wenn die Plastiktüte wie in Irland 22 Cent mehr kosten würde, ginge der Verbrauch rapide zurück, ist sich der Gymnasiallehrer sicher.


Umwelt muss einen Preis haben


"Wenn es an den Geldbeutel geht, funktioniert es. Die Umwelt muss einen Preis haben. Es gibt keine intakte Umwelt umsonst", betont der Grüne Stadtrat, der immer wieder ins Bewusstsein ruft, dass es hier um die Ressourcenschonung geht. Das Erdöl, das dafür verbraucht werde, benötige man für die Herstellung von Medikamenten und anderen Dingen.

Durch Projekte und Gespräche habe er in der Schule aber schon ein Umdenken festgestellt. Schließlich könnten auch die Eltern in Sachen Umweltbewusstsein von den Kindern erzogen werden. Mit dem Thema Plastik und den Folgen für die Umwelt hat sich die Klasse 4b der Anna-Grundschule in Forchheim intensiv beschäftigt. Die Schüler haben Stofftaschen bemalt, insgesamt 500 Stück, die die Firma Weber & Ott spendiert hatte. "Die Kinder hatten zum Ziel, dass Forchheim wachgerüttelt wird. Generell, nicht nur zur Fastenzeit", erklärt Regine Lüttich, die Klassenleiterin. Das haben die Jungen und Mädchen geschafft: Denn mit ihrem Projekt haben sie bei der Aktion "Beschützer der Erde" des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt teilgenommen und den ersten Preis gewonnen. Diese Woche fahren sie nach Berlin und treffen auf den bekannten Astronauten Alexander Gerst.


Umdenken in den Märkten


Dass sich Forchheim stark macht im Kampf gegen Plastik, diese Botschaft würden sie gerne mit nach Berlin nehmen. Deshalb habe sie an den Forchheimer Oberbürgermeister und den Leiter der Werbegemeinschaft einen Brief geschrieben, so Lüttich. Im Klassenzimmer habe man eine Wand voller Informationen über Plastikmüll und -tüten gestaltet. Dieses Umweltbewusstsein lasse die Schüler auch mit anderen Augen durch die Geschäfte gehen.

"Ihnen ist aufgefallen, dass im Drogeriemarkt Müller keine Plastiktüten mehr offen herumliegen, sondern dass man nachfragen und die Tüten dann auch bezahlen muss", erzählt die Pädagogin.


Förderpreis ist nächstes Ziel


Auch die Verantwortlichen im Globus-Einkaufsmarkt haben die möglichen EU-Regelungen im Hinterkopf. "Wir haben jetzt schon Alternativen im Sortiment. Es würde uns nicht überraschen", sagt die zuständige Prozess- und Systemmanagerin Sandra Buhr zu einem möglichen Verbot. Die Plastiktüte im Globus kostet übrigens 15 Cent, genauso viel wie ein Exemplar Papiertüte.

Ob im vergangenen Jahr weniger Plastiktüten verkauft wurden, darüber lässt sich allerdings keine Aussage treffen, da bei den Umsätzen auch die Alternativen wie Papiertaschen, Pappkartons oder Permanenttaschen mitgelistet seien. Die Umsätze in dem kompletten Bereich seien aber gestiegen, heißt: Es wurden mehr Taschen verkauft.

Die Kinder der Anna-Schule nehmen den Kampf weiter auf: Das Projekt will Regine Lüttich auch für den Förderpreis "Neue Lernkultur" der Raiffeisenbank anmelden und von einem möglichen Gewinn Stofftaschen kaufen: für den Kampf Forchheims gegen die Plastiktüten.