Sainab Hassan hat in diesem Jahr viel gelernt. Über sich und über andere. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt die 20-Jährige.

Nach der Fachhochschulreife wusste Sainab nicht so recht, was sie als nächstes tun soll. „Irgendetwas mit Kindern“, schwebte der jungen Frau vor, deren Eltern einst aus dem Irak kamen. Sainab Hassan ist in Kitzingen geboren, hier wuchs sie auf, hier ging sie zur Schule und mit acht oder neun Jahren auch zum ersten Mal zu „JungStil“, der Stadtjugendpflege.

Als ihr eine Lehrerin den Tipp gab, vor einem eventuellen Studium doch erst einmal ein Jahr Bundesfreiwilligendienst einzuplanen, um sich zu orientieren und Erfahrungen zu sammeln, musste die 20-Jährige nicht lange überlegen, welche Stelle ihr gefallen würde. Ein Anruf, ein Treffen, eine schriftliche Bewerbung. Schon hatte Sainab Hassan die Stelle als BufDi bei der Stadtjugendpflege.

„Ein Glücksfall“, sagt Jochen Kulczynski, der Leiter von „JungStil.“ Sainab habe nicht nur die Pflicht erfüllt, sondern auch die Kür gemeistert. Flyer und Serienbriefe erstellen, Büroarbeiten erledigen, Feste und Veranstaltungen vorbereiten: Das sind die Pflichtaufgaben eines BufDis in der Stadtjugendpflege. Die Kür besteht aus viel mehr, Grundlage ist ein persönliches Engagement. „Nicht mitlaufen, sondern ausprobieren“, nennt Kulczynski das Motto. Seine Erfahrung: Man lernt nur beim Tun. Die Lust auf den Sprung ins kalte Wasser ist da eine gute Voraussetzung.

Sainab Hassan hat vieles ausprobiert in den vergangenen elf Monaten. Sie hat die Kinder an den Nachmittagen betreut, mit ihnen zusammen ganz unterschiedliche Schwerpunkttage organisiert: Naturtag, Kochtag, Schorletag und vieles mehr. Sie war bei den vielen Veranstaltungen von „JungStil“ dabei und hat jeden Dienstag zudem in der D. Paul-Eber-Schule mit Flüchtlingen zusammengearbeitet. „Das war ihre eigene Idee“, lobt Kulczynski, der sich ein Arbeitsleben ohne BufDi gar nicht mehr richtig vorstellen mag. „Wir profitieren alle davon“, betont er. Die Kinder als Erstes, haben sie doch einen Ansprechpartner, der ein wenig jünger ist als die anderen Mitarbeiter bei „JungStil.“ Die haben aber auch etwas von der unverbrauchten Kraft.

„So ein BufDi bringt frisches Leben ins Team“, weiß Kulczynski. Man schmort nicht im eigenen Saft und wird nicht betriebsblind – weil man sich immer wieder hinterfragen muss. „Wir müssen unser Vorgehen und unsere Denkweise immer wieder erklären“, sagt er. „Das schärft auch unseren Blick. Außerdem ist ein BufDi fest in den Personalstamm eingeplant. 39 Stunden in der Woche arbeitet Saiban Hassan. „Wenn sie nicht mehr da ist, fällt richtig was weg“, betont Kulczynski.

Mitte September endet das Jahr als BufDi für die junge Frau. „Ich hätte nie gedacht, dass die Zeit so abwechslungsreich sein kann“, sagt sie. Im Sommerferienprogramm wird sie noch einmal voll im Einsatz sein. Dann heißt es, Abschied nehmen. Was sie mitnehmen wird? „Ich habe vor allem gelernt, Entscheidungen zu treffen und weiß jetzt besser, wie man mit Problemen umgeht.“ Ein Jahr lang hat sie organisiert, ausprobiert und Kinder betreut. Keine schlechte Basis für ihren weiteren Berufsweg. Sainab Hassan weiß jetzt, was sie werden will: Lehrerin.

Gesucht: Die Stadtjugendpflege sucht einen Nachfolger/in für Sainab Hassan. Wer als BufDi in der Kitzinger Siedlung anfangen will, der sollte 18 Jahre alt sein und einen Schulabschluss vorweisen.

Weitere Informationen und Anmeldungen unter Tel. 09321/924027 oder per mail an: jochen.kulczynski@kitzingen.info. Weitere Infos über die Stadtjugendpflege im Netz: www.jungstil-kitzingen.de

Verdienst: Ein BufDi erhält bei der Stadt Kitzingen als Lohn 390 Euro im Monat.