Die Anspannung war groß. Orkanböen waren gemeldet worden. Windgeschwindigkeiten von mehr als 130 km/h. Letztendlich blieb der Landkreis Kitzingen am Montagmorgen weitestgehend verschont von Sturmtief Sabine. „Wir leben halt auf einer Insel der Glückseligen“, kommentiert der Leiter des Kitzinger Bauhofes, Georg Günther.

Gegen 11 Uhr hat er einen Anruf vom katholischen Pfarramt erhalten. Ein paar Ziegel haben sich vom Dach der Kirche gelöst und sind auf den Vorplatz gefallen. Kein großer Schaden, die Mitarbeiter des Bauhofes haben die Reste entsorgt. Eine Sperrung des Platzes sei nicht nötig gewesen. Am frühen Nachmittag dann der nächste Einsatz: Am Etwashäuser Ufer, in der Nähe des Spielplatzes, ist eine Pappel umgefallen. Zum Glück war gerade kein Fußgänger auf dem kombinierten Fuß- und Radweg unterwegs. Die Spitze der Pappel ragte über den Fußweg hinaus. Die Mitarbeiter des Bauhofes waren schnell vor Ort, zersägten den Stamm und transportierten das Holz ab.

Ansonsten: Ein paar Äste auf den Straßen und Gehwegen, die am frühen Montagvormittag schon wieder weggeräumt waren. Zwischen Mainsondheim und der Verbindungsstraße Kitzingen-Hörblach ist ein Baum abgeknickt und hat die Straße kurzzeitig blockiert. „Nach zehn Minuten war alles weggeräumt“, sagt Günther. An der Breslauer Straße sind 80 Meter Bauzaun umgeweht worden. „Der war aber auch gleich wieder aufgebaut.“

Entwarnung auch von Kreisbrandrat Roland Eckert. Fünf bis sechs Mal sind die Feuerwehren im Kreis in der Nacht auf Montag alarmiert worden. Deutlich weniger, als im Vorfeld befürchtet. Eine allgemeine Alarmbereitschaft hatte Eckert im Vorfeld nicht angeordnet. Am Montagvormittag fühlt er sich bestätigt. „Was nützt es mir, wenn die Kollegen in den Gerätehäusern sitzen und auf einen Alarm warten“, fragt er. Zumal die Ausrückzeiten im Landkreis eh sehr gut seien. „Wir haben ja überall noch Feuerwehren vor Ort, die auch von zu Hause schnell ausgerückt sind.“

Nach dem Sturmtief „Fabienne“, das im September 2018 im Landkreis gewütet hatte, hatten sich die Feuerwehr-Kommandanten im Kreis zusammengesetzt und eine Bilanz gezogen. „Dabei zeigte sich, dass unser digitales Funk-System an seine Belastungsgrenze gekommen war“, so Eckert. Zu viele Rückmeldungen von den einzelnen Einsatzorten waren in zu kurzer Zeit bei der Integrierten Leitstelle eingelaufen. Eine neue Struktur wurde ersonnen. „Die können wir dann beim nächsten Mal ausprobieren“, meint Eckert – und klingt alles andere als traurig.

Auch wenn der Landkreis Kitzingen sehr glimpflich davon gekommen ist: Die Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen hält der Kreisbrandrat grundsätzlich für richtig. „Es war vernünftig, die Züge in den Bahnhöfen stehen und die Schule ausfallen zu lassen“, urteilt er. Man stelle sich nur ein Szenario mit einem Schulbusunfall mit Verletzten oder gar Schlimmerem vor. „Wir sollten das Schicksal nicht herausfordern.“

Kurt Krause sieht das genauso. Der Schulamtsleiter hatte am Sonntagabend Rücksprache mit der Regierung von Unterfranken gehalten. Gemeinsam fiel die Entscheidung, auch im Landkreis Kitzingen die Schule am Montag ausfallen zu lassen. Damit war in ganz Bayern schulfrei angeordnet. „So etwas habe ich auch noch nie erlebt“, sagt Krause. Vereinzelte Landkreise hatten in früheren Jahren die Schule ausfallen lassen – wegen Eisregen oder besonders widriger Wetterbedingungen. Flächendeckend ist ein Schulausfall eine absolute Ausnahme.

„Die Betreuung vor Ort war dennoch gesichert“, betont Krause. Für die Lehrer galt die Ausnahmeregelung nämlich nicht. Eltern, die ihre Kinder am Montagmorgen nicht selbst beaufsichtigen konnten, waren so auf der sicheren Seite. Sie konnten ihre Kinder in die Schule bringen. Nur wenige Eltern nahmen das Angebot tatsächlich an.

Krause war zwischen 6 und 7 Uhr schon auf dem Weg ins Schulamt. Da zog das Sturmtief „Sabine“ gerade durch den Landkreis. Wäre es eine Stunde später im Landkreis eingetroffen, wären die Kinder an den Bushaltestellen und auf dem Schulweg ordentlich durchgerüttelt und durchnässt worden. Womöglich wäre es auch zu einem schlimmeren Zwischenfall gekommen. Krause steht deshalb hinter der Entscheidung, die Schule im gesamten Landkreis abzusagen. „Die Entscheidung war sicher richtig.“

Die größten Sorgen vor „Sabine“ hatten die Förster im Landkreis, ist der Wald durch die trockenen letzten Jahr sowieso schon geschwächt. Ein abschließendes Schadensbild könne man derzeit noch nicht zeichnen, informiert Dr. Peter Aichmüller vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen. Bei den prognostizierten Wetterbedingungen für heute und morgen – könne man aus Sicherheitsgründen keinen Arbeiter in den Wald schicken. Sobald die Böen abklingen, wolle man sich ein Bild machen. Aichmüller geht derzeit aber nicht von großen Schäden aus.

Sabine hat es mit dem Landkreis Kitzingen vorerst gut gemeint. Für die nächsten Tage geben die Meteorologen aber noch keine Entwarnung. Für Dienstag und Mittwoch sind weiterhin stürmische Böen sowie Schauer gemeldet. Ab Donnerstag soll der Wind zudem von Westen her erneut zu Sturmstärken auffrischen.

-> Lokales Franken/Welt

Müllabfuhr

Nach derzeitigem Stand der Wetterprognosen sollte die Leerung der Mülltonnen auch in den kommenden Tagen planmäßig erfolgen können, teilt das Landratsamt mit. Wer seine Mülltonne aus Vorsicht nicht zur Montags-Tour der Müllabfuhr bereitgestellt hat, meldet sich bitte zeitnah bei der Abfallberatung am Landratsamt (Tel. 09321 928-1234, Fax. 09321 928-1299, eMail: abfall@kitzingen.de ). Die Tonne wird dann unentgeltlich nach geleert.