Landkreis Kitzingen Die Rother-Wanderführer gehören zu den Klassikern in der Szene. Jetzt gibt es eine Neuerscheinung, die 50 Touren im Fränkischen Weinland vorstellt. Mitautor Wolfgang Schmieg ist im Landkreis Kitzingen aufgewachsen. Die Menschen und die Natur faszinieren ihn nach wie vor.

Frage: Der Landkreis Kitzingen scheint für Sie etwas ganz Besonderes zu sein?

Wolfgang Schmieg: Das ist tatsächlich so. Ich habe den Großteil meiner Kindheit und Jugend in Mainbernheim gelebt. Auch Kitzingen liegt mir sehr nahe. Nach der Schule war ich oft im Marktcafé. Die Gegend ist mir vertraut. Natürlich habe ich gleich zugesagt, als das Angebot kam, einen Wanderführer zu schreiben.

Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Wolfgang Schmieg: Das war ein reiner Zufall. Bei einer Wanderung habe ich den Geologen Gerhard Heimler auf dem Stollberg getroffen. Ein paar Monate später traf ich ihn wieder, auf der Hallburg beim Federweißen genießen. Er erzählte, dass er für einen Schweizer Verlag an einem Wanderführer über Weinfranken arbeitet. Wir kamen ins Gespräch.

Das Thema hat Sie angesprochen?

Wolfgang Schmieg: Klar, wir hatten unseren Lesern der Nürnberger Nachrichten und des Sonntagesblitzes ja auch immer Wandervorschläge unterbreitet.

Und dann haben Sie sich zusammengetan?

Wolfgang Schmieg: Genau. Aber ich hätte nie gedacht, wie viel Arbeit dahinter steckt. Zunächst waren 33 Touren für den Schweizer Verlag geplant gewesen. Das Buch sollte bis 2013 fertig sein, dann verzichtete der Verlag aber kurzfristig auf das Projekt. Wir standen plötzlich da.

Und haben sich geärgert.

Wolfgang Schmieg: Schon. Aber Gerhard Heimler hatte zum Glück Kontakte zum Rother-Verlag. Dort hat er die Idee vorgestellt. Wir mussten halt alles noch mal neu aufrollen.

Das heißt?

Wolfgang Schmieg: Ein anderes Format, eine andere Herangehensweise. Plötzlich waren es 50 Touren statt 33. Es hat lange gedauert, alles noch mal abzulaufen und umzuschreiben, die neuen Markierungen einzuarbeiten. Im Kitzinger Landkreis waren beispielsweise die Traumpfade neu dazu gekommen. Eine Menge Arbeit.

Wie haben Sie sich die Arbeit aufgeteilt?

Wolfgang Schmieg: Gerhard Heimler wohnt in Frankfurt, er hat sich also mehr um den Spessart gekümmert. Ich war vor allem im Landkreis Kitzingen und Würzburg unterwegs. Jeder hat 25 Touren gemacht.

War es schwer, aus einer Vielzahl von Wanderwegen die besten 50 auszuwählen?

Wolfgang Schmieg: Schon. Ich kenne ja auch nicht alle Wege. Das geht ja gar nicht. Auch wenn ich den Schwanberg beispielsweise noch von meinen Schulausflügen kenne. Die örtlichen Tourist-Informationen und das Landratsamt haben uns sehr geholfen. Und nicht zuletzt die Winzer. Vor denen habe ich eh einen großen Respekt.

Warum?

Wolfgang Schmieg: Das sind alles friedliche Menschen, die 30 Jahre vorausdenken müssen. Sie wollen den Erfolg ihrer Arbeit sehen und den sieht man nur in Jahrzehnten. Sie haben mir viel erklärt und mir einen neuen Zugang zu meiner alten Heimat gewährt. Ihr Arbeitsalltag ist hart.

Haben Sie sich sagen lassen...

Wolfgang Schmieg: ... Nein, habe ich selber ausprobiert. Nach einem halben Tag bei der Lese habe ich mich allerdings unter einem Vorwand davongeschlichen. Die Rückenschmerzen waren einfach zu groß (lacht).

Am Wanderführer haben Sie fleißig weitergearbeitet. Was war Ihnen dabei am wichtigsten?

Wolfgang Schmieg: Mir kam es vor allem darauf an, dass sich Wanderer gut zurecht finden. Dass sie markierte Wege haben und unterwegs nicht all zu viel nachlesen müssen.

Der Schlusshock ist für Wandersleute auch wichtig.

Wolfgang Schmieg: Richtig. Und das ist mittlerweile ein Riesenproblem geworden. Nicht nur in Unterfranken, auch in der Fränkischen Schweiz oder in der Hersbrucker Schweiz. Viele Wirtshäuser haben geschlossen, gerade unter der Woche.

Und am Wochenende?

Wolfgang Schmieg: Da schaut es besser aus. Da sind ja auch die meisten Wanderer unterwegs.

Das Wandern wird immer beliebter. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Wolfgang Schmieg: Es hat sich zum Glück herumgesprochen, dass es ungesund ist, dauernd vor dem PC herum zu sitzen.

Und warum zieht es Sie so oft ins Weinland Franken?

Wolfgang Schmieg: Weil die Landschaft so wunderschön ist. Ich liebe die Geometrie der Rebzeilen. Diese Schönheit will ich vor allem den Wanderfreunden im Großraum Nürnberg näher bringen.

Aus dem Großraum Nürnberg kommen schon etliche Gäste hierher.

Wolfgang Schmieg: Das ist richtig. Gerade am Wochenende sind die Züge voll. Und es sind nicht nur Rentner, die sich auf den Weg machen. Die Kombination Wein und Wandern ist für alle Generationen ein besonderer Genuss.

Sie sind für Ihre Recherchen auch mit dem Zug gekommen?

Wolfgang Schmieg: Sicher. Die Anbindung an den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) halte ich für sehr wichtig. Ab Markt Bibart leert sich der Zug. In Iphofen geht auch ein ganzer Schwung raus. Und dann geht es per Bus in die Dörfer. Auch das ist ein super Angebot. Man kann nach einem schönen Tag ohne Reue nach Hause zurückfahren.

Das heißt: Die Struktur für Wanderer ist im Landkreis Kitzingen durchaus gut?

Wolfgang Schmieg: Der Dorfschätzeexpress ist beispielsweise eine gute Sache. Ich fürchte nur, dass gar nicht alle Wanderer wissen, dass dieser Service für Leute mit einem VGN-Ticket kostenfrei ist. Der Bocksbeutelexpress ab Markt Bibart ist bekannter. Vielleicht sollte man da noch etwas besser kommunizieren.

Andere Verbesserungsvorschläge?

Wolfgang Schmieg: An der Konstitutionssäule in Gaibach habe ich eine Tafel, die das Wirken des Juristen und Demokraten Wilhelm Joseph Behr würdigt, schmerzlich vermisst. Würzburg hat ihn zum Ehrenbürger gemacht und eine Straße nach ihm benannt. In der Münchner (!) Ruhmeshalle steht eine Büste von ihm. Aber am Ort des Gaibacher Festes, das im Mai 1832 zeitgleich mit dem Hambacher Fest stattfand, gab es im Sommer 2017 noch immer keinen Hinweis auf diesen mutigen Staatsrechtler und Politiker.

Zum Abschluss ein Tipp: Was ist Ihre schönste Tour?

Wolfgang Schmieg: Schwer zu sagen, aber zwei Touren haben es mir schon besonders angetan. Die eine führt von Kitzingen nach Sulzfeld und weiter nach Marktbreit. Die andere ist die Casteller Tour. Dort gibt es einen der spektakulärsten Blicke in Weinfranken. Aber generell gilt: Sie leben in einer wunderschönen Gegend. Die kann man nur genießen.

Info: Weinwandern Fränkisches Weinland, Gerhard Heimler und Wolfgang Schmieg, Bergverlag Rother, ISBN 978-3-7633-3167-3, 16,90 Euro

Zur Person

Wolfgang Schmieg wurde 1945 geboren, lebte die ersten Jahre in Willanzheim. Sein Vater war Mühlenbauer, heuerte bei einer Fabrik in Mainbernheim an. Die Familie zog um. Wolfgang Schmieg ging in Mainbernheim zur Schule, lernte Schriftsetzer. Nach dem Realschulabschluss begann er 1962 ein Volontariat bei den Nürnberger Nachrichten. Er stieg bis in die Chefredaktion auf und ging 2010 in Rente. „Seither bin ich im Unruhestand“, sagt er. Sein neuestes Projekt: Ein Wanderführer rund um Nürnberg.