Sie zündet die Räucherkohle an, legt sie vorsichtig auf den Sand in der Tonschale ab. Ein paar Krümel Lavendel, ein wenig Fichtenharz und ein kleines Stück Palo Santo Holz schichtet sie drauf. Eine kleine Rauchsäule steigt auf, ein wohliger Duft verbreitet sich im Raum. Elke Heer schaut zufrieden drein. Gerüche sind ihr Leben. Gerüche, die sie Kräutern, Pflanzen und Harzen entlockt.

Im Spessart ist Elke Heer aufgewachsen. Jeden Tag draußen in der Natur. Das war ihre Kindheit. Die Pflanzen und die Kräuter hat sie spielerisch kennengelernt. 30 Jahre lang hielt sie Schafe, daran änderte sich auch nichts, als sie sich eine andere Heimat suchte. Der Spessart ist Einzugsgebiet des Großraums Frankfurt. Immobilien sind teuer. Vor allem, wenn man viel Platz braucht, ein Leben in und mit der Natur sucht.

Elke Heer ist in der Nähe von Wiesentheid fündig geworden. Eine große Koppel für ihre Pferde, Platz für die Schafe, die mittlerweile von drei Lamas abgelöst wurden. Zwei Ferienwohnungen bietet sie mit ihrem Mann an. Im Dachgeschoss ihres Hauses hat sie sich ein kleines Paradies eingerichtet. Ein lichtdurchfluteter Raum, viel Holz, bodentiefe Fenster. Hier gibt Elke Heer ihre Kurse. Hier führt sie die Interessenten in die Welt der Kräuter und Pflanzen ein. Und lehrt sie das Räuchern.

Im Allgäu hat Elke Heer eine dreijährige Heilpflanzenausbildung absolviert – inclusive Räucherkurs. In Zusammenarbeit mit der Vhs Kitzingen gibt sie seit etwa vier Jahren selbst Kurse. Viele junge Menschen sind dabei, vorwiegend Frauen. Oft sind es Gartenbesitzer, die sich über die Wirkstoffe ihrer Pflanzen informieren wollen. Allen gemein ist, dass sie neugierig sind und einen anderen Weg der Entspannung suchen.

Auf ihrem großem Holztisch sind Kräuter und Harze aufgereiht. Heimische wie Schafgarbe, Engelwurz oder Rosenblüten. Aber auch exotische wie Palo Santo, ein Holz aus Südamerika, oder Zirbenholz, das ursprünglich in den Alpen geschlagen wurde. Jedes Kraut und jedes Harz wirkt auf eine ganz bestimmte Art. Schafgarbe fördert die Konzentration, Engelwurz entfaltet eine reinigende Wirkung. Rosenblätter öffnen das Herz und wirken entspannend.

Die meisten Mittel kauft sie über den Versandhandel oder auf Märkten. Ihr Fichtenharz sammelt sie selbst, lässt es ein bis zwei Jahre trocknen. Dann zerkleinert sie Teile davon mit einem Mörser und zerstreut sie über der Räucherkohle.

Wirken die Kräuter bei jedem Menschen gleich? Elke Heer muss lächeln. In ihren Kursen erzählt sie den Teilnehmern nichts von der Wirkung eines Harzes oder eines bestimmten Krautes. „Weil jeder Mensch anders reagiert.“ Es gibt Leute, die können den Geruch von brennendem Salbei nicht ausstehen, andere fühlen sich dabei pudelwohl. „Jeder stellt sich letztendlich seine eigene Räuchermischung zusammen“, erklärt sie und nimmt ein Stück weißen Salbei in die Finger, der früher von den indigenen Völkern Nordamerikas benutzt wurde, beispielsweise bei Reinigungszeremonien in der Schwitzhütte. „Weißer Salbei lässt sich auch ohne Räucherkohle anzünden“, erzählt Elke Heer und brennt das äußere Ende an. Eine kleine Rauchsäule schlängelt sich Richtung Dach und verbreitet einen angenehm süßlichen Duft.

Egal ob sie kleine Räucherbündel schnürt und anzündet oder ob sie die Kräuter auf eine Stövchen mit einem Sieb legt oder die kreisrunden, schwarzen Räucherkohlen benutzt: Entscheidend ist die Zeit, die sie sich dafür nimmt. „Das ist wie ein Ritual“, erklärt sie. „Schon durch das Tun kommt man in eine Entspannung.“ In ihren Kursen unterlegt sie das Räuchern oft mit dem Ton einer Klangschale und liest Texte vor. Sie nimmt die Teilnehmer mit auf eine besondere Erzählreise. In andere Welten, voller Düfte und Gerüche.