Kitzingen/Iphofen Demonstrationen gibt es in diesen Tagen und Wochen genug. Die Menschen gehen für Artenschutz, gegen Altersarmut und für gute Berufsbedingungen auf die Straße. Demonstrationen für Frieden und Völkerverständigung hat es schon lange nicht mehr gegeben. Zu lange, findet Hanjo von Wietersheim vom Arbeitskreis Gehwissen in Iphofen.

Gibt es einen konkreten Anlass für die Demonstration am 1. Februar in Kitzingen?

Von Wietersheim: Einige Politiker und Politikerinnen denken heutzutage viel zu schnell an Kriegseinsätze, anstatt den Friedensgesprächen und Verhandlungen eine Chance zu geben. So werden Frieden erhaltende Bündnisse ausgehöhlt.

An wen denken Sie?

Von Wietersheim: Es geht mir nicht um Personen. Es ist nur auffällig, dass die Bundesregierung seit einiger Zeit einen anderen Kurs fährt. Denken Sie nur an die Schutzzone in Nordsyrien. Da heißt es, dass auch mal deutsche Soldaten hingeschickt werden können. Für mich ein völkerrechtlich fragwürdiger Einsatz. Wer denkt dabei an das Leid der direkt Betroffenen und an die körperlichen und seelischen Belastungen für unsere Soldaten?

Bündnispartner wie die USA fordern gerade von Deutschland Unterstützung.

Von Wietersheim: Der außenpolitische Druck war schon immer da. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich Deutschland eines Besseren besonnen und diesem Druck stets standgehalten.

Und diese Standhaftigkeit bröckelt?

Von Wietersheim: Ich befürchte schon. Jüngere Politiker haben die Angst vor einem Krieg ein Stück weit verloren. Die Einstellung, dass nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen darf, verschwindet langsam.

Was lässt sich dagegen unternehmen?

Von Wietersheim: Die Frage lautet, wie sich eine Friedensliebe wieder entfachen lässt. Alleine mit dem Schulunterricht ist das nicht zu lösen. Da sind alle gesellschaftlichen Bereiche gefragt. Wir greifen oftmals viel zu schnell auf Gewalt zur Konfliktlösung zurück. In der Politik wird für die Rüstung eine Unmenge an Geld ausgegeben anstatt zivile Friedensprojekte zu unterstützen.

Frieden schaffen, ohne Waffen. Hat sich dieses Motto in der Weltpolitik tatsächlich bewährt?

Von Wietersheim: Aber sicher, denken Sie nur an die Zeit nach dem Jugoslawien-Krieg oder an die Wahrheitskommission in Südafrika.

Warum schlagen Großmächte wie die USA und Russland so oft einen militärischen Weg ein?

Von Wietersheim: Ich denke, dass die Weltmacht USA immer noch die Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg im Hinterkopf hat. Diese Erfahrung hat sie geprägt. Damals konnten die USA mit genug Material und Soldaten Nazi-Deutschland befrieden. Ein einmaliger Vorgang. Alle anderen Kriege mit US-amerikanischer Beteiligung endeten nicht in einer Befriedung des Landes.

Und jetzt schwelt der Konflikt mit dem Iran.

Von Wietersheim: Präsident Trump zerschlägt sehr viel Porzellan auf der Welt. Er sucht nach einfachen Lösungen. Aber eine friedliche Lösung ist niemals einfach.

Mit wie viel Teilnehmern rechnen Sie am 1. Februar?

Von Wietersheim: Es wäre schön, wenn 300 Menschen kämen. Wir planen Beiträge von Gastrednern zu Themen wie dem Atomwaffenszenario in Deutschland und Europa und zu verschiedenen Friedensdiensten auf der Welt. Die neue Dekanin Kerstin Baderschneider ist ebenfalls angefragt und zwischendurch erklingt Klezmer-Musik live auf dem Marktplatz. Es wird also keinesfalls eine dröge Veranstaltung.

In den 80er Jahren gingen die Deutschen zu Tausenden auf die Straße, um für Frieden zu demonstrieren. Ist diese Zeit wieder angebrochen?

Von Wietersheim: Das kann ich nicht sagen. Aber eines ist klar: Das Thema kommt wieder dichter an uns heran.

Friedensdemo

Wann? Demonstration für Frieden und Völkerverständigung am Samstag, 1. Februar, ab 10 Uhr auf dem Marktplatz Kitzingen. Wer? Derzeit stehen als Sprecher fest: Dekanin Kerstin Baderschneider (Evang.-Luth. Dekanat Kitzingen über Frieden aus christlicher Sicht); Ingrid von Wietersheim (AK Gehwissen über die Verwicklungen der BRD in die atomare Rüstung); Frau Dr. Bischlager (Forum Ziviler Friedensdienst über friedliche Alternativen zu militärischen Konflikten). Hemo Waag mit seinem Klezmer-Ensemble spielt Musik.