Linda Haber kann sich noch gut an ihre erste Wochen im neuen Beruf erinnern. Sie hatte sich für die Ausbildung zur Metzgerin entschieden. „Am Anfang war es schwer für mich. Man muss sich erst beweisen, wenn man die einzige Frau ist.“ Heute ist die 21-Jährige überzeugt: Es war die richtige Entscheidung. Die Arbeit macht ihr Spaß, auch wenn sie ganz schön fordernd ist.

„Der Beruf ist schon hart. Die körperliche Anstrengung enorm“, gibt Linda Haber zu. Andererseits übernehmen heutzutage moderne Maschinen viele Arbeitsschritte. Mit der körperlichen Belastung konnten und können Männer in der Regel besser umgehen. Doch Linda hat gewusst, worauf sie sich einlässt.

Schon im Kindesalter war die Fränkin bei der Hausschlachtung im eigenen Hof mit dabei. „Ich war schon immer fasziniert von dem Beruf“, sagt sie. Ihre Eltern sind beide gelernte Metzger und haben Linda auf die Idee gebracht, diese Lehre zu beginnen. Doch zuerst führte der Weg die junge Frau in die Küche.

Linda hat schon mal eine Lehre abgeschlossen. Und zwar zur Köchin. In der Küche lernte sie vor allem den Umgang mit Fleisch, Fisch und Geflügel lieben. Die Arbeitszeiten fand sie allerdings schwierig. Arbeiten, wenn andere frei hatten? „Das hat mir nicht wirklich hundertprozentig gefallen“, gibt sie zu. Letztendlich war es die Arbeit mit dem Fleisch, die Linda dazu bewegt hat, noch mal die Schulbank zu drücken.

„Das erste Lehrjahr konnte ich sogar überspringen, weil man im ersten Ausbildungsjahr zur Köchin ähnliche Themen bearbeitet wie bei den Metzgern“, sagt sie. Hygiene, Berufs-Sicherheit, Warenkunde: Inhalte, die sie schon kannte. Während ihrer Ausbildung besuchte sie alle Abteilungen ihres Ausbildungsbetriebes, der FrankenGut Fleischwaren GmbH in Rottendorf. „Ich war in der Räucherei, Füllerei und beim Kuttern“, berichtet sie. Relativ schnell hat sich herauskristallisiert, welche Arbeit ihr am besten liegt. Mittlerweile arbeitet Linda Haber in der Räucherei. Doch der Beruf des Metzgers verlangt viel mehr als nur handwerkliches Geschick. Strenge Kontrollen der Lebensmittel-Überwachung stehen täglich an. Außerdem wichtig in der Metzgerei: Die Beachtung des Lebensmittelgesetzes.

Die 21-Jährige aus Escherndorf ist eine absolute Ausnahme in der Berufswelt der Metzger. Die Metzgerinnen sind in den Berufsschulen dünn gesät. Jedes Jahr sitzt höchstens eine junge Frau im Klassenzimmer der Berufsschule. „Klar gibt es Arbeitsschritte, die Männern leichter fallen“, weiß Linda Haber. Auf der anderen Seite gebe es auch Arbeitsschritte, die Frauen besser können. „Männer haben einfach den Vorteil, dass sie kräftiger sind“, sagt sie.

Frauen hingegen hätten dünnere Finger und umso mehr Fingerspitzengefühl. „Das hilft mir zum Beispiel beim Därme abbinden“, sagt Haber. Ebenso kam ihr die Erfahrung aus ihrer ersten Ausbildung zu Gute. „Trotzdem haben mich vor allem die alten Hasen hier unterschätzt. Doch jetzt gelte ich als gleichwertiger Arbeiter“, sagt Haber stolz.

Ob Mann oder Frau: Der Unterschied spielt an ihrem Arbeitsplatz keine Rolle. Man helfe ihr auch nicht, weil sie eine Frau ist, sondern weil hier jeder jedem hilft. „Teamwork ist einfach auf jedem Arbeitsplatz das A und O“, betont die Produktions-Metzgerin und kann dem Arbeiten in einer Männerdomäne durchaus Vorteile abringen. „Wenn einer hier ein Lied singt, dann singt jeder andere mit“, erzählt sie. Stressfreier sei das Arbeiten mit Männern. „Hier ist nicht jeder gleich beleidigt oder eingeschnappt.“

Die junge Metzgerin war sogar schon sehr erfolgreich. Sie trägt seit 2019 den Titel des „Fleisch-Star-Talent in der Produktion“. Das ist ein deutschlandweiter Wettbewerb für Auszubildende in der Fleischer-Branche. Vom Schulbank drücken hat die junge Frau allerdings erst mal genug. „Ich habe erst mal genug vom Lernen“, sagt sie. Jetzt will sie in ihrem Beruf erst einmal Geld verdienen.

Den Beruf der Metzgerin kann Haber jedem empfehlen, der gerne mit Fleisch arbeitet. „Das ist so viel mehr, als nur ein bisschen Wurst machen“, sagt sie. „Du brauchst Augenmaß, Fingerspitzengefühl und musst die hygienischen Arbeitsabläufe kennen.“ Außerdem sei so eine Ausbildung sehr sinnvoll. „Damit kannst du nichts falsch machen. Du lernst was gescheites und kannst dich im Nachhinein immer noch spezialisieren, weiterbilden, deinen Meister machen oder deinen eigenen Betrieb eröffnen“, erklärt Haber. Ihre Entscheidung für die Berufswahl hat sie nie bereut.

In unserer kleinen Serie stellen wir außerdem Frauen bei der Bundeswehr beziehungsweise den Licht-, Kraft- und Wasserwerken Kitzingen vor.