Was für ein schönes Wort. Petra Hagenauer ist „Weiterbildungsinitiatorin“, also eine Art Lotsin durch die berufliche Bildungslandschaft. Die Sozialpädagogin stellt unter anderem 500-Euro-Schecks für Arbeitnehmer aus, die sich digital weiterbilden wollen. Wer solch eine Finanzspritze haben möchte, kann sich direkt an Petra Hagenauer wenden. Eine Altersgrenze gibt es nicht.

Der „Bayerische Bildungsscheck“ ist ein neues Angebot des Ministeriums für Familie, Arbeit und Soziales. Drei Millionen Euro haben das Land Bayern und der Europäische Sozialfonds locker gemacht, um insgesamt 6.000 Menschen im Freistaat mehr digitale Kompetenz zu ermöglichen. „Pakt für berufliche Weiterbildung 4.0“ heißt das Programm, zu dem der Bildungsscheck gehört. Wer davon profitieren will, hat jetzt die Chance dazu.

Digitalisierung – für viele Menschen hängt das Wort wie ein Damoklesschwert über ihrem Arbeitsleben. Was bedeutet es genau? Wohin wird die zunehmende Digitalisierung von Bildern, Texten und Daten, etwa Gesundheits-, Verkehrs- und Produktionsdaten, führen? Wo werden digitale Technologien alles Analoge überflüssig machen?

„Die Digitalisierung ist dabei, Arbeitsprozesse rasant zu verändern“, stellt Petra Hagenauer fest. Das müsse nicht negativ sein. „Eine Folge könnte sein, dass die enormen Pendlerströme, die sich tagtäglich vom Land in die Stadt bewegen und abends wieder zurück, versiegen – etwa durch Homeoffice.“ Hagenauer ist beim gemeinnützigen Berufsförderungswerk Nürnberg, Geschäftsstelle Würzburg, beschäftigt und fungiert als eine von zwei „Weiterbildungsinitiatorinnen“ für den Bezirk Unterfranken.

Auch Ober- und Mittelfranken sowie die anderen bayerischen Regierungsbezirke verfügen seit heuer über solche Fachleute für die digitale Zukunft des Arbeitsmarktes. Sie beraten und begleiten Unternehmen und Arbeitnehmer rund um das Thema Fortbildung – Stichwort: lebenslanges Lernen. Und sie verwalten die Bayerischen Bildungsschecks. Jeder Arbeitnehmer, der seine beruflichen Fähigkeiten in Sachen digitaler Zukunft – etwa Datenschutz, eCommerce, Künstliche Intelligenz, Einsatz von Social Media, digitale Unternehmenskommunikation und so weiter – verbessern möchte, ist bei Petra Hagenauer und ihren Kollegen an der richtigen Adresse. Lena Möslein aus Iphofen war die Erste, die die Chance erkannt und sich an Petra Hagenauer gewandt hat. „Ich wollte mich gern neben der Arbeit fortbilden. Nach einiger Suche bin ich auf der Website des Arbeitsministeriums gelandet und habe den Bayerischen Bildungsscheck entdeckt“, erzählt die gebürtige Kitzingerin. „Daraufhin habe ich nach Weiterbildungsmöglichkeiten in der Region geschaut und festgestellt, dass die IHK, ganz neu, einen Kurs für Digitalmarketing anbietet.“ Als Petra Hagenauer ihr bestätigte, dass der 160-Stunden-Lehrgang gefördert werden kann, meldete sie sich an. Die 25-Jährige arbeitet seit Ende ihres Studiums bei einem Schmuckgroßhändler in Würzburg-Heidingsfeld. Für ihre berufliche Zukunft kann sie Fähigkeiten in Sachen Suchmaschinen-Optimierung, Social-Media-Strategie, Webanalyse und Video-Marketing gut brauchen. Der IHK-Kurs läuft noch bis Februar immer donnerstagabends und samstags. Abzüglich der 500 Euro durch den Bildungsscheck muss Lena Möslein immer noch eine größere Summe aus eigener Tasche zahlen. „Ich hab' mir das schon überlegt, aber wenn man am Ball bleiben will, dann muss man eben auch was investieren. Gerade in Sachen Digitalisierung verändert sich die Welt ganz schnell.“ Das kann Petra Hagenauer nur bestätigen. „Für viele Arbeitsplätze und ganze Betriebe ist der digitale Wandel eine große Herausforderung. Manche Unternehmen finanzieren ihren Mitarbeitern diesbezügliche Weiterbildungen.“ Aber auch, wenn nicht: Damit niemand auf der Strecke bleibt, bieten Hagenauer und ihre Kollegen an, Unternehmen und Arbeitnehmer in Sachen Weiterbildung unter die Arme zu greifen. „Gemeinsam mit allen Beteiligten – Arbeitgebern, Mitarbeitern, Betriebs- und Personalräten – erarbeiten wir den Bedarf und die Rahmenbedingungen zur Weiterbildung. Außerdem informieren wir über Fördermöglichkeiten.“ Ziel ist es stets, die Mitarbeiter fit für die – digitale – Zukunft zu machen. Der Bayerische Bildungsscheck kann dahingehend ein guter Anreiz sein. Alle Arbeitnehmer, mit Ausnahme von Geringverdienern, können ihn beantragen. Voraussetzung ist, dass der Kurs, den man belegen möchte, der „Checkliste“ des Ministeriums entspricht: zum Beispiel muss der Kursanbieter zertifiziert sein – das sind etwa Handelskammern, die Dekra und verschiedene Akademien. „Die Kurse müssen frei zugänglich sein, dürfen also nicht an eine Firma oder einen Verein gebunden sein, und müssen mindestens acht Stunden umfassen“, berichtet Petra Hagenauer. „Auch Online-Kurse sind erlaubt, wenn sie mindestens einen Präsenztag haben.“ Das staatliche Angebot der Bayerischen Bildungsschecks ist zunächst auf zwei Jahre, bis 2021, begrenzt. „Schade ist es, dass Selbstständige davon ausgeschlossen sind“, findet Petra Hagenauer. „Aber für alle Arbeitnehmer ist der Bildungsscheck eine super Chance, eine Investition in die berufliche Zukunft gefördert zu kriegen.“

Info

Was ist ein Bildungsscheck? Der Bayerische Bildungsscheck ist ein 500-Euro-Pauschalzuschuss für die individuelle berufliche Fortbildung im Bereich Digitalisierung.

Das Programm wird vom Europäischen Sozialfonds (ESF) und vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert. Die Bildungsschecks werden nur an Beschäftigte ausgestellt, nicht an Unternehmen. Insgesamt liegen 6.000 Bildungsschecks im Wert von 500 Euro bereit.

Kontakt: Petra Hagenauer, Weiterbildungsinitiatorin, Pakt der Beruflichen Weiterbildung 4.0, Büro für die Bayerischen Bildungsschecks, Geschäftsstelle Würzburg, Dürerstraße 14, 97072 Würzburg, Telefon: 0931/ 4678743, Mail: petra.hagenauer@bfw-nuernberg.de, www.bfw-nuernberg.de