„Huh huh!“ Wenn die Eulenmama Futter für ihre drei Jungen bringt, ruft sie bis zu zehnmal hintereinander „Huh huh“. Wenn sie sich dagegen mit ihren Kindern unterhält, dringt leises Gefiepe ans Menschenohr. „Das hört sich witzig an“, sagt Rainer Gutzeit.

Der Mann aus Repperndorf hatte heuer unerhörtes Glück. Eines Tages hatte er vier gefiederte Waldohreulen (Agio otus) in seinem Garten. Der Bestand dieser Tiere gilt im Alpenvorland bereits als gefährdet, im Rest Bayerns stehen sie auf der Vorwarnliste.

„Die waren eines Tages einfach da. Gebrütet haben sie wohl in der Scheune von Nachbar Martin Schleyer, oben im Firstbalken“, vermutet Gutzeit. Vier Wochen lang hatte der Repperndorfer Zeit, die abend- und nachtaktiven Tiere zu beobachten. „Sie kamen, solange es noch hell war. Bis auf einen Meter ließen sie mich an sich herankommen.“ Dabei entstanden beeindruckende Fotos.

Offensichtlich gibt es in dem geräumigen Garten der Gutzeits genügend Mäuse und Regenwürmer, denn schon einmal brütete ein Eulenpaar auf dem Balkon der Familie. Und auch heuer tauchten die Eulenmama und ihre Drillinge so gut wie jeden Abend auf. Gern ließen sie sich auch mal auf den Gartenstühlen der Familie nieder. „Es war richtig schön zu beobachten, wie sie miteinander spielten.“

Dass solche Szenen keineswegs alltäglich sind, macht Petra Basel von der Naturschutzinitiative „Artenschutz in Franken“ deutlich. „Waldohreulen unterliegen natürlichen Bestandsschwankungen“, erklärt die Fachfrau. Vor allem die jeweilige (Feld)-Mauspopulation sei entscheidend für den Brut- beziehungsweise Aufzuchtserfolg. „Gerade in den letzten 15 bis 20 Jahren erkennen wir auch hier in Franken einen deutlichen Rückgang der Waldohreule, der unmittelbar mit der Veränderung in der Landwirtschaft einhergeht.“

In unseren ausgeräumten Landschaften können sich laut Basel kaum mehr interessante Feldmaus-Bestände entwickeln – und damit gehen auch die Bestände der Eule zurück. Somit sei die Erhaltung entsprechender Lebensräume für die lautlosen Flieger, die eine Flügelspannweite von 95 Zentimetern erreichen, von höchster Bedeutung. „Eine Unterstützung können – in geeigneten Lebensräumen – auch Kunsthorste bieten, da sie in der Regel länger halten als Naturhorste, die bereits nach einem oder nach zwei Jahren verfallen.“

Wie eine Vielzahl anderer Vogelarten könne auch die bis zu 350 Gramm leichte und knapp 40 Zentimeter große Waldohreule von der Extensivierung der Landnutzung profitieren – also von einer Erhöhung der Strukturvielfalt und einer Reduzierung des Pestizideinsatzes. Neben natürlichen Feinden wie Uhu, Habicht oder Marder hätten vor allem Verluste durch den Straßenverkehr eine nicht zu unterschätzende Bedeutung.

Die Waldohreule, so Petra Basel, sei ein Indikator, der uns zeigt, wie es um die Umwelt in unserer Umgebung bestellt ist. Insofern können die Repperndorfer also vergleichsweise guter Dinge sein. Da Waldohreulen 25 Jahre alt werden können, ist es gut möglich, dass Mensch und Mäusejäger sich in Repperndorf wiedersehen.

Info: Waldohreulen brüten einmal im Jahr von März bis Juni, bevorzugt in Elster- und Krähennestern. Sie legen drei bis sieben Eier, die bis zu 28 Tage bebrütet werden. Die Nestlingsdauer beträgt etwa 20 Tage. Danach werden die Jungen noch bis zu acht Wochen mit Nahrung versorgt. Waldohreulen sind Teilzieher: Manche verbringen den Winter in ihrem angestammten Revier, andere – diejenigen, die in nördlichen Teilen Europas den Sommer verbringen – finden sich zum Überwintern oft in größerer Zahl an klimatisch begünstigten Orten ein.