30 Grad. Sonnenschein. Blauer Himmel. Kaum eine Wolke am Himmel zu sehen. Schon gar nicht eine Regenwolke. Was sich für Urlauber und Badefreunde wie ein Traum anhört, wird für Landwirte immer mehr zum Problem.

„Die Rüben fangen schon zu schlafen an.“ Ein Satz, der sich für manche Landkreisbewohner lustig anhören mag. Für die Landwirte steckt ein ernsthaftes Problem dahinter. Die Rüben im Landkreis Kitzingen haben jedenfalls ihr Wachstum eingestellt, informiert BBV-Kreisgeschäftsführer Wilfried Distler. Die Blätter liegen am Boden. Auch der Mais rollt seine Blätter ein, die Kolbenbildung ist kaum vorangegangen. Die Kollegen in Bad Kissingen überlegen schon, ob sie in ein bis zwei Wochen mit dem Häckseln starten sollen – sechs bis acht Wochen früher als normal. „Dort ist es noch trockener als bei uns“, sagt Distler.

25 Liter pro Quadratmeter sind im Juli bislang in Kitzingen gemessen worden. In den letzten sechs Wochen waren es nicht mal 100 Liter pro Quadratmeter. Und wenn es geregnet hat, dann nicht flächendeckend, sondern punktuell. „Was wir jetzt bräuchten, wäre ein schöner, gleichmäßiger Landregen“, sagt der BBV-Geschäftsstellenleiter. 30 bis 40 Liter flächendeckend und die Welt der Landwirte sähe schon wieder besser aus.

Alois Kraus kann das nur bestätigen. Die Getreideernte ist bereits gelaufen, das Ergebnis fiel deutlich schlechter aus als der Durchschnitt. „Wir werden hier halt nicht verwöhnt mit der Witterung“, sagt der Kreisobmann des BBV. Dabei war der Start ins Jahr durchaus feucht. In den ersten drei Monaten des Jahres fielen ausreichend Niederschläge im Landkreis. Was sich erst mal gut anhört, war für die Pflanzen aber ein Zeichen, erst gar nicht so tief wurzeln zu müssen. Dann wurde es mit einem Mal sehr trocken und heiß. „Und die Pflanzen waren überfordert“, so Kraus, der in den nächsten Tagen auf ein paar Liter Niederschläge hofft, damit wenigstens die Zwischenfrüchte genug Feuchtigkeit abbekommen. „Der Boden ist derzeit ja wie Asche“, sagt er. Wer übers Land fährt und dichte Staubwolken über der Fläche sieht, der kann davon ausgehen, dass ein Landwirt gerade grubbert. „Im Boden ist ja keine Feuchtigkeit mehr“, sagt Wilfried Distler. „Heuer ist einfach alles aus dem Takt. Wir brauchen dringend Regen.“

Die Pflanzen sind nicht die einzigen, die unter der Trockenheit und der Hitze leiden. „Je mehr Tiere im Stall sind, desto größer ist der Stress“, weiß Distler. Besonders Rinder seien diesbezüglich sehr sensibel. Schon haben etliche Tierhalter Ventilatoren in den Ställen aufgebaut, um die Hitze zumindest ein wenig erträglich zu machen. Der Willanzheimer Landwirt Ernst Drobek ist einer von ihnen. „Die hohen Temperaturen sind schon ein Problem für die Kühe“, sagt er. An der Decke des Melkmaschinenraumes drehen sich große Ventilatoren, ein zusätzlicher hängt im Eingangsbereich und bringt die Luft zum Zirkulieren, um für Erleichterung für die Tiere zu sorgen. Im großen Stall stehen die Türen und Tore offen, damit die Luft durchziehen kann. „Man merkt schon, dass die Kühe da hingehen, wo es zieht und ein bisschen kühler ist.“ Auch trinken die Tiere deutlich mehr als sonst, die Milchleistung geht zurück. „Kälte macht ihnen dagegen gar nichts aus.“

Immerhin: Die Meteorologen machen den Landwirten für dieses Wochenende zumindest ein wenig Hoffnung, künden leichten Regen für den Landkreis an. Danach soll es aber schon wieder trocken und sonnig werden. In der kommenden Woche sind wieder Temperaturen um die 30 Grad und kaum Wolken am Himmel gemeldet.

Geht es mit dieser Trockenheit noch ein paar Wochen weiter, könnte auch der Pegelstand des Mains auf einen kritischen Wert fallen. Derzeit gebe es allerdings noch keine Auswirkungen, teilt der Pressesprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes, Helko Fröhner mit. Dank der Staustufen könne der Main in diesen Trockenphasen gut reguliert werden. Über den Main-Donau-Kanal werde Wasser zugeführt – so lange die Donau noch genug davon mit sich führt.

„Alles im grünen Bereich“, sagt auch Roger Lindholz von den Licht-, Kraft- und Wasserwerken (LKW) in Kitzingen. Die Wasserversorgung sei derzeit „überhaupt kein Thema.“ Die Wasserspeicher sind gut gefüllt. „Wir hatten im Winter und Frühjahr ja ausreichend Feuchtigkeit.“

Wie das in den kommenden Jahren aussehen wird? Immer kürzer scheinen die Abstände von einem Trockensommer zum nächsten zu werden. Das Jahr 2003 fühlte sich für die Landwirte noch wie eine Ausnahme an.

„Davor hat man beinahe ewig vom Trockenjahr 1976 gesprochen“, erinnert sich Alois Kraus. Der letzte Sommer mit trockenheitsbedingten Ernteausfällen ist gerade mal drei Jahre her. Nach 2015 wird wohl auch 2018 als äußerst trockenes und schwieriges Jahr in die Geschichtsbücher eingehen. Ein Phänomen, an das sich die Landwirte hierzulande wohl gewöhnen müssen.