Landkreis Kt/Würzburg Zunehmend gelangen „Bio-Plastik“-Produkte mit umweltfreundlich wirkendem Design auf den Markt und versprechen eine generelle Umweltverträglichkeit. Dr. Kirsten Bähr vom Verbraucherservice Bayern in Würzburg ist skeptisch. Für sie gibt es derzeit nur einen sinnvollen Weg, Plastikmüll zu reduzieren.

Ist das Wort „Bio-Plastik“ nicht ein Widerspruch in sich?

Bähr: Der Handel verwendet das Wort „Bio“ ganz bewusst, um den Verbrauchern ein gutes Gefühl beim Konsumieren zu geben. Natürlich gibt es Plastik, das biologisch abbaubar ist. Allerdings sind diese Produkte nicht wirklich umweltverträglich.

Warum?

Bähr: Nehmen Sie als Beispiel die Abfalltüten, die innerhalb von acht bis zwölf Wochen zerfallen. Eigentlich eine super Sache. Der Abbau dauert aber trotzdem länger als der normale Zyklus im Kompostwerk. Am Ende landen doch wieder Kunststoffanteile auf dem Acker.

Hört sich nicht gerade nach einem zukunftsweisenden Modell an.

Bähr: Ist es auch nicht. Beim Abbau von Bio-Plastik entstehen Wasser und CO2, aber kein Humus. Für den Landwirt also völlig uninteressant.

Dennoch scheinen die Verbraucher nach Produkten aus „Bio-Plastik“ nachzufragen.

Bähr: Das Wachstum in diesem Segment fällt eher gering aus. Der Marktanteil liegt weltweit nicht mal bei einem Prozent. Er wird nach Prognose des Instituts für Biokunststoffe und Bioverbundstoffe auch nicht steigen.

Werden die so genannten biobasierten Kunststoffe auf mehr Nachfrage stoßen?

Bähr: Vermutlich nicht. Die sind ja auch nicht schneller abbaubar. Sie werden aus Biomasse wie Mais, Zuckerrübe oder Raps und Sonnenblumenöl hergestellt, können aber auch noch Anteile erdölbasierter Kunststoffe enthalten. Diese Grundstoffe müssen ja nicht zwingend aus einem biologischen Anbau gewonnen sein. Oft werden chemische Zusätze ergänzt, um die Eigenschaften der biobasierten Kunststoffe zu beeinflussen.

Die Biomasse ist nicht endlich.

Bähr: So ist es.

Auch Böden sind ein begrenztes Gut. Der Eindruck, mit nachwachsenden Rohstoffen unbegrenzte Möglichkeiten zur Verfügung zu haben, ist trügerisch. Zunächst einmal sollte die Ernährung der stetig wachsenden Weltbevölkerung gesichert sein.

Was kann ein deutscher Verbraucher also tun?

Bähr: Gute Frage. Meines Erachtens hilft vor allem eines: Kunststoffe so gut es eben geht einsparen.

Zum Beispiel?

Bähr: Obst und Gemüse ohne Verpackung einkaufen, Müllbeutel nur verwenden, wenn es unvermeidbar ist.

Sind da nicht vor allem die Politik und die Firmen gefordert?

Bähr: Jeder Beteiligten in diesem Prozess muss seine Hausaufgaben machen. Ob Industrie, Forschung oder Politik. Wir Verbraucher haben durchaus Macht. Wenn wir unser Konsumverhalten ändern, wird auch der Handel überlegen, welche Produkte er anbietet. Und in welcher Verpackung.

Bewegen sich Handel und Industrie schon?

Bähr: Sicher. In vielen Städten gibt es Unverpackt-Läden und Wochenmärkte, in vielen Supermärkten können Obst, Gemüse, Fleisch und Käse in mitgebrachten Behältern transportiert werden. Die jeweiligen Lösungen müssen halt auch vereinbar mit den Hygienevorschriften sein, beispielsweise im Lebensmittelhandel.

Und die Industrie?

Bähr: Die versucht teilweise Kunststoff in der Produktion einzusparen. Beispielsweise bei Plastiktüten. Aber es gibt keine ganz einfachen Antworten. Die Haltbarkeit dieser Tüten muss ja gewährleistet sein.

Was erwarten Sie von der Politik?

Bähr: Dass sie die Verpackungsströme besser regelt. Das schließt Verbote in manchen Bereichen nicht aus. Es gibt Lebensmittel, die müssen nicht verpackt werden. Denken Sie an die einzelne Gurke in Plastikfolie. Aber wir sollten nicht nur nach der Politik rufen.

Sondern selbst Verantwortung übernehmen.

Bähr: Genau. Die Frage ist doch: Wie viel Hygiene brauchen wir? Ich denke, dass wir in Deutschland da einen sehr hohen Standard haben. Das Leben ist sehr individualisiert, also gibt es auch viele kleine Verpackungen.

Was kann der Einzelne tun?

Bähr: Sein persönliches Umfeld betrachten und sich fragen, wo Veränderungen sinnvoll sind. Es macht ja keinen Sinn, zwanzig Kilometer mit dem Auto zu fahren, um in einem Unverpackt-Laden einzukaufen. Dafür lassen sich manche Dinge tatsächlich vor Ort einkaufen. Wir werden nur schrittweise und gemeinsam vorankommen, in unserem Ziel, Plastik zu reduzieren.