Sie freut sich auf die neue Aufgabe und versichert, dass es ihr nicht an Ideen für die Umsetzung mangelt. Maria Schmitt hat die Ausbildung zur „Gästeführerin Streuobst“ absolviert. Sie gehört damit zu den ersten 21. Botschaftern der Bayerischen Streuobstwiesen.

Stilecht serviert die 68-Jährige zum Pressegespräch Apfelsaft, gepresst aus eigenem Obst. Rund drei Hektar bewirtschaften sie und ihr Mann am Ortsrand von Großlangheim. Neben Apfelbäumen stehen Mirabellen-, Birnen-, Zwetschgen- und Nussbäume. Die Vielfalt hat es Maria Schmitt angetan. Und die will sie interessierten Besuchern näher bringen. Die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) hatte im Frühjahr zum Aufbaukurs „Streuobst-Erlebnisführer“ eingeladen. Voraussetzung: Die Teilnehmer müssen bereits über eine abgeschlossene Zertifizierung verfügen. Als Gästeführer „Gartenerlebnis Bayern“ oder „Weinerlebnis Franken“ beispielsweise. Maria Schmitt hat eine Ausbildung zur Kräuterführerin gemacht. Das Fortbildungsangebot der LWG hat sie gleich angesprochen.

Zwischen dem 28. Juni und dem 23. November haben die Kursteilnehmer an drei Wochenenden die Schulbank gedrückt. In knapp 50 Stunden wurde ihnen ein umfangreiches Wissen rund um den Streuobstanbau vermittelt. Und das sollen sie jetzt weitergeben. „Nutzen Sie das erworbene Wissen und lassen Sie auch andere Interessierte an unserer einzigartigen Kulturlandschaft teilhaben“, forderten die beiden Lehrgangsleiter Hubert Siedler und Martin Degenbeck die Absolventen bei der Vergabe der Urkunden auf.

„Die Natur ist für mich so etwas wie Yoga für andere Menschen.“
Maria Schmitt, Streuobst-Botschafterin

Genau das will Maria Schmitt im kommenden Jahr umsetzen. Sie verfügt über vielfältige Erfahrungen, stammt aus einer Landwirtschaftsfamilie, hat fünf Jahre als Dorfhelferin in der Rhön gearbeitet und war zuletzt in der Forstbetriebsgemeinschaft in Iphofen tätig. Der Bezug zur Natur war und ist ihr immer wichtig. „Die Natur ist für mich so etwas wie Yoga für andere Menschen“, sagt sie. Dass es mittlerweile viel zu wenig Streuobstwiesen gebe und viel zu wenig Wissen um deren Bedeutung für Flora und Fauna, bedauert sie. „In den Streuobstwiesen entsteht ein Kleinklima, das für bestimmte Tiere und Pflanzen bedeutsam ist“, erklärt sie. Die Kronen spenden Schatten, am Boden wachsen besondere Kräuter und andere Pflanzen, die es sonst kaum noch gibt. Von diesem Zusammenspiel werden Insekten angelockt. Dieses natürliche Zusammenspiel will sie möglichst vielen Interessenten näher bringen. Ein fertiges Konzept für die Führungen, die im nächsten Jahr starten sollen, hat sie noch nicht ausgearbeitet. Ideen hat sie genug. Um die Informationen möglichst lebendig zu verbreiten, will sie weitere potenzielle Ansprechpartner ins Boot holen. Den örtlichen Obst- und Gartenbauverein oder einen Schnapsbrenner beispielsweise. So könnten die Teilnehmer aus erster Hand erfahren, wie Bäume veredelt werden oder wie das Obst weiterverarbeitet werden kann. Zum Abschluss einer Führung kann sie sich eine Brotzeit in den Streuobstwiesen vorstellen.

Die Führungen sollen für jedermann offen sein, Maria Schmitt würde gerne auch Kinder und Jugendliche ansprechen. Mit dem Großlangheimer Kindergarten hat sie schon Kontakt aufgenommen, beim letzten Ferienpass war sie mit ihrer Kräuterführung schon präsent. Warum nicht eine Führung durch die Streuobstwiesen in diesem Rahmen anbieten?

Die LWG plant für das nächste Jahr eine Fortbildung für alle Streuobst-Botschafter an. In einer Streuobst-Region Bayerns sollen unter anderem die ersten Erfahrungen praxisnah ausgetauscht werden. Maria Schmitt weiß jetzt schon, dass sie an diesem Programm teilnehmen wird. Ihre neue Aufgabe als Streuobst-Botschafterin will sie schließlich mit Herzblut und möglichst viel Wissen ausfüllen. Damit das Streuobst nicht in Vergessenheit gerät.