Begeistert sind sie nicht. Aber auch nicht tief enttäuscht. „Die Mitglieder sterben halt weg“, sagt Alois Dietl. Und das Interesse der Verbliebenen ist auch nicht mehr so groß. „Zuletzt kam kaum noch jemand zu den Versammlungen“, ergänzt Günter Sindel. Und somit löst sich der Verein der Briefmarken- und Münzensammler Kitzingen e.V. zum Jahresende auf.

Auf der Weihnachtsfeier Anfang Dezember ist die Entscheidung gefallen. Von den 29 Mitgliedern waren nur ein paar gekommen. „Wir sind fast alle älter als 80“, erklärt Schriftführer Dietl. Der Jüngste im Bunde ist gleichzeitig der Vorsitzende. „Ich bin aber auch schon 67“, sagt Günter Sindel.

„Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“
Alois Dietl, Schriftführer Briefmarkenverein

In ihrer Jugendzeit haben die beiden mit dem Sammeln begonnen. Alois Dietl Briefmarken und Günter Sindel Münzen. „Ein wunderschönes Hobby“, meint Dietl, der erst vor fünf Jahren dem Verein beigetreten ist. Als Kind hatte er immer Freude an den Briefmarken und kann sich noch gut daran erinnern, wie er sie so lange auf Zeitungspapier geklebt habt, bis es seinem Vater zu viel wurde. „Er hat sie einfach verheizt.“ Später, als Erwachsener, hatte er einen Dauerauftrag bei der Versandstelle der Post aufgegeben. Dietl wollte möglichst viele Briefmarken in seiner Sammlung haben. „Ich habe laufend Post bekommen“, sagt er. Zwei große Kleiderschränke sind mittlerweile voll mit seinen Alben. Wie viele Marken er besitzt? „Ich bin auf jeden Fall Millionär“, antwortet der 82-Jährige und schmunzelt.

Günter Sindel bezeichnet sich ebenfalls scherzhaft als mehrfachen Millionär, hat er doch jede Menge Kitzinger Notgeld in seiner Sammlung, Geld das während der Wirtschaftskrise zwischen 1918 und 1923 zuhauf gedruckt wurde. Zwei Din-A4-Ordner sind voll mit den Scheinen, die typische Kitzinger Gebäude zeigen, beispielsweise den Falterturm. Während der Inflation sind die Zahlen auf den Scheinen immer größer geworden, das Geld hat trotzdem an Wert verloren. Es kam sogar Porzellangeld in Umlauf. Auch davon hat Günter Sindel einiges in seiner Sammlung. Den materiellen Wert seiner Münzen kann er schlecht beziffern. „Der ideelle Wert ist auf jeden Fall höher.“ Reich wird man nicht als Briefmarken- und Münzensammler. In den letzten 70 Jahren ist jede Marke viel zu oft auf den Markt geworfen worden. „Mindestens 30 Millionen mal“, erklärt Dietl. Er hat sich auf Briefmarken aus der BRD, der DDR und spezielle Berliner Marken konzentriert. „Alle Ausgaben der DDR-Marken gehen heute für rund 1000 Euro weg“, berichtet er. Der finanzielle Aspekt ist ihm eh nicht wichtig. Dietl ist ein Sammler. „Das Sortieren und neu ordnen macht einfach Spaß“, sagt er.

Günter Sindel geht es mit seinen Münzen nicht viel anders. Die Sammlungen aus dem Königreich Bayern und Preußen hat er komplett und wenn er in seinen Urlauben einen besonderen Schatz gesehen hat, dann hat er ihn erstanden. Mittlerweile hat er einen Teil seiner Sammlung verkauft. „Die Tochter hat ja eh kein Interesse“, bedauert er.

Nachwuchs ist bei den Briefmarkensammlern rar. „Es werden ja keine Briefe mehr geschrieben“, weiß Alois Dietl. „Es wird ja nur noch gemailt.“ Ganz generell hätten sich die Interessen eben verschoben. Einerseits traurig, andererseits halt der Lauf der Dinge. „Tränen nützen nichts“, sagt der Schriftführer. „Wir müssen dieser Entwicklung ins Auge sehen.“

Zum Ende des Jahres wird der Verein, der im Jahr 1952 gegründet worden war und zu seiner besten Zeit rund 120 Mitglieder hatte, aufgelöst. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung ist bereits einberaumt und Vorsitzender Günter Sindel zum Liquidator bestellt worden. Das restliche Vereinsvermögen, da waren sich die verbliebenen Vereinsmitglieder einig, wird gespendet. Je 1000 Euro gehen an die Lebenshilfe Kitzingen und an die Aktion Patenkind in Würzburg. Bleibt nach Abzug aller anfallenden Kosten noch etwas übrig, wird das Tierheim in Kitzingen davon profitieren. „Uns war es wichtig, dass das Geld in der Region bleibt“, erklärt Dietl und zeigt sich überrascht, wie aufwändig und komplex eine Vereinsauflösung ist.

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung musste einberufen werden, beim Notar waren die beiden auch schon. Der Auflösung des Vereins steht damit nichts mehr im Wege. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, kommentiert Dietl. Die vielen Sammlerstücke im Kleiderschrank beziehungsweise im Safe werden ihn und Günter Sindel über den Schrecken der Vereinsauflösung noch eine ganze Zeit lang hinwegtrösten.