Sie sehen filigran aus, irgendwie schön. Die vielen winzig kleinen und verwinkelten Gänge auf der Innenseite der dicken Baumrinde. Aber die Erbauer dieser Gänge machen den Förstern und Waldbesitzern in Mainfranken derzeit Sorgen. „Die Borkenkäfer schwärmen aus“, ist eine Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums überschrieben. Der warme und trockene März hat die Entwicklung der Käfer in den bayerischen Wäldern beschleunigt.

Sieben Liter Niederschlag hat das Amt für Landwirtschaft in Kitzingen im März an der Station in Albertshofen gemessen. Ein lächerlich geringer Wert. Im Durchschnitt fallen im März in der Region rund 40 Liter. Und von einer Schneeschmelze war in diesem Jahr auch keine Rede. Wo kein Schnee, da keine Schmelze. Für die Fichtenbestände eine schlechte Nachricht. „Die Fichten brauchen viel Wasser“, erklärt Peter Aichmüller vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen. Was die Fichten nicht gebrauchen können: Einen Befall von Borkenkäfern.

„Der Borkenkäfer wird

ab 16,5 Grad Celsius

so richtig aktiv.“

Peter Aichmüller Forstoberrat

Bis zu 20 000 Käfer können eine Fichte befallen. Bis zu 200 kann sie mit eigenen Kräften bekämpfen – mit Hilfe ihres Harzes. Nach niederschlagsarmen Wintern wie diesem sind die Fichten allerdings geschwächt. Ganz im Gegensatz zum Borkenkäfer. „Der wird ab 16,5 Grad Celsius so richtig aktiv“, sagt Aichmüller. Temperaturen, wie sie in diesen Tagen schon des öfteren gemessen wurden.

Im Steigerwald gibt es noch größere Fichtenbestände. Bei Geiselwind und Abtswind. Kleinere Einheiten finden sich beispielsweise im Kitzinger Stadtwald. Die dicken Stämme werden in der Regel vom Buchdrucker, der größeren Version des Borkenkäfers heimgesucht. Die kleineren Bäume und jungen Bestände von dessen „kleinem Bruder“, dem Kupferstecher.

Die ersten Anzeichen auf eine vermehrte Aktivität der Borkenkäfer gab es schon im letzten Jahr. Die Menge des eingeschlagenen Käferholzes – Holz, das vom Borkenkäfer befallen war – hatte sich bayernweit verdoppelt. Jetzt warnt das Staatsministerium vor dem ersten großen Schwärmflug der Insekten. Noch gibt es keinen akuten Befall. „Aber die Zeitbombe tickt“, sagt Aichmüller.

Bis zu 500 Meter weit fliegen die Käfer in der Natur. Der Forstoberrat berichtet von einem wissenschaftlichen Experiment, bei dem die Energie der Käfer für eine Flugstrecke von 19 Kilometer reichte. Der Borkenkäfer ist also ganz schön zäh. Und wenn er sich erst einmal in großer Zahl in einer Fichte eingenistet hat, ist es in der Regel um den Baum geschehen.

Forstminister Helmut Brunner appelliert deshalb an die Waldbesitzer, ihre Fichtenwälder in den kommenden Wochen auf einen frischen Befall hin zu kontrollieren. Und den erkennt man relativ leicht: Durch das braune Bohrmehl, das sich auf den Rindenschuppen, am Stammfuß oder auch in Spinnweben ansammelt. Besonders anfällig sind Waldbereiche, die bereits im letzten Jahr von Käfern befallen wurden und frisch durchforstete Bestände.

Wer einen Befall beobachtet hat, sollte sofort die zuständige untere Forstbehörde informieren. Kann sich die Fichte nicht mehr gegen den Befall wehren, hilft nur noch das Abholzen. Die so genannte „saubere Waldwirtschaft“ ist auch dem Minister zufolge die einzig wirksame Methode, eine Massenvermehrung des Borkenkäfers zu verhindern. Alle befallenen Bäume sollten deshalb schnell aufgearbeitet werden. Entwender sie werden entrindet oder mindestens 500 Meter weit aus dem Wald transportiert.

„Wenn Bohrmehl gesichtet wird, sollten die Alarmglocken angehen“, sagt Aichmüller und rät: „Auch die Fläche rund um die befallene Fichte sollte genau beobachtet werden.“ Eine gute Nachricht gibt es aber doch: Auch der Käfer braucht seine Zeit, um Nachwuchs groß zu ziehen. Von der Eiablage bis zum geschlechtsreifen Altkäfer vergehen in der Regel rund sechs Wochen. Bei einer regelmäßigen Kontrolle sollte die Zeit also reichen, um die befallenen Bäume rechtzeitig zu entfernen.

Aichmüller bringt derzeit sechs Fallen in der Nähe von Fichtenbeständen an. Lockstoffe ziehen die Borkenkäfer an, deren Population lässt sich anhand der schwarzen Fallen gut abschätzen.

Der Forstoberrat und alle Waldbesitzer hoffen nun, dass sich die Witterung auf normale Werte einpendelt und nicht wieder ein so genannten „Jahrhundertsommer“, wie 2003, im Anmarsch ist. Sonst haben es nicht nur die Menschen, sondern auch die Bäume schwer.

Aktuelle Informationen zur Borkenkäfersituation in Bayern gibt es im Internet unter www.borkenkaefer.org . Informationen zum Amt für Landwirtschaft in Kitzingen gibt es unter www.aelf-kt.bayern.de