Sechs Liegestütze erwarten den, der als erstes schlapp macht. Fünf auf den zweiten. Zum Glück sind heute nicht so viele da, mag sich der ein oder andere gedacht haben, denn sonst wäre auch die Anzahl der Liegestütze höher. Nichtsdestotrotz: Der Anreiz, gut abzuschneiden ist bei Liam, Ilja, Dominik, Benjamin und Leon da. Das Seilspringen, „so lange es geht“, gehört zum Aufwärmprogramm beim Box-Training der Kitzinger Jugendabteilung.

Wer im Training gut ist, regelmäßig kommt und nicht nur mit Spaß, sondern auch mit Ehrgeiz an die ganze Sache herangeht, der hat gute Chancen, später einmal bei Kämpfen anzutreten, erklärt Trainerin Tanja Sabroda. Damit die Jungs Lust bekommen, am Ball zu bleiben, beziehungsweise um andere – egal ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener – für den Boxsport zu begeistern, will die Boxabteilung des Kitzinger Kraftsportvereins (KSV) eine Veranstaltung in Kitzingen etablieren, die sich Frieder-Dollinger-Gedächtnisturnier nennt. Am 26. April findet das Boxevent für alle Altersklassen erstmals in der Florian-Geyer-Halle statt.

Was viele nicht wissen: Genau unter dieser findet auch das Training der Boxer statt. Wer einmal hinter die Halle läuft, findet den Eingang. Vor 20 Jahren haben die KSV-ler den Raum in Eigenregie ausgebaut. Ein großer Boxring und etliche Säcke, die in allen Größen und Formen von der Decke baumeln, lassen keine Zweifel, was hier trainiert wird. „Boxen ist nicht blutig und brutal“, räumt Abteilungsleiter Maik Dreßler mit einem typischen Klischee auf. Technik spiele eine große Rolle, nicht das Ziel, einander weh zu tun. „Sonst würden sich wohl kaum so viele Kinder dafür begeistern.“

Im letzten Jahr hat der 120 Jahre alte Verein so viele Neumitglieder gewonnen, wie noch nie. Gerade junge Menschen fänden Gefallen am Boxen – seien es kleine Jungs, dessen Mutti sich freut, wenn der Sohnemann am Abend platt und müde ins Bett fällt, oder Jugendliche, die im Boxen eine Möglichkeit sehen, aufgestauten Ärger loszuwerden.

Frieder Dollinger, der ehemalige Abteilungsleiter der Boxabteilung, hat stets sein ganzes Herzblut in den KSV gelegt. Nach seinem plötzlichen Tod vor einem Jahr kam den Verantwortlichen die Idee, ihm zu Ehren ein Gedächtnisturnier zu veranstalten. Einmal jährlich, stets um den Todestag herum, soll es stattfinden. Dreßler würde sich wünschen, dass die Menschen die Stadt Kitzingen in ein paar Jahren automatisch mit dieser Veranstaltung in Verbindung bringen. So wie Kitzingen schon einmal mit Boxen verbunden wurde, als der Kitzinger Karo Murat 2013 bei den Profis um die WM gekämpft hat.

Dreßler, der gleichzeitig Bezirksjugendwart im Bayerischen Boxamateure Verband ist, steckt aktuell mitten in den Vorbereitungen. „Wir sind ein kleiner Verein, der Großes vorhat“, sagt er voller Vorfreude. Er hofft, dass es im Landkreis viele Menschen gibt, die die Gelegenheit nutzen, mal ein wenig Box-Atmosphäre zu schnuppern. Dass sei sonst nicht so einfach, denn außer in Würzburg gebe es in der Gegend sonst kaum Turniere.

Zudem lässt sich der KSV die Veranstaltung auch jede Menge Geld kosten. Ein Kampfgericht, bestehend aus einem Ring- und drei Punktrichtern, sowie ein Arzt wollen bezahlt werden. „Wir sind keine Profis – und haben demnach auch nicht das Profigeld“, sagt Dreßler. Ein Grund, weswegen zumindest Männer ab 16 Jahren auch um ein kleines Eintrittsgeld (3 Euro) gebeten werden.

Der KSV hat rund 400 Mitglieder, davon 160 in der Abteilung Boxen. Die Altersspanne reicht von 5 bis weit über 60, darunter auch Mädchen und Frauen. „Die Leute haben Spaß bei uns“, freut sich Dreßler. Ein Blick auf die Jungs beim Training – und seine Aussage ist mehr als bestätigt.

Frieder-Dollinger-Gedächtnisturnier

Frieder Dollinger widmete sich mehr als 50 Jahre dem Boxsport in Kitzingen. Er betrieb nachhaltige Nachwuchsarbeit, um aktive Boxer hervorzubringen. Sein Tod am 7. Mai 2013 bedeutete einen großen Verlust für den Boxsport – nicht nur in Kitzingen, sondern in ganz Bayern. Zu seinen Ehren soll nun eine Veranstaltung etabliert werden, die künftig bayernweit Boxbegeisterte als Teilnehmer und Zuschauer anziehen soll.

Termin: Samstag, 26. April, um 14 Uhr (Einlass: 13 Uhr) in der Florian-GeyerHalle in Kitzingen. Es treten alle Alters- und Gewichtsklassen (männlich/weiblich) an. Eingeladen sind Vereine aus ganz Bayern, Thüringen, Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen. Geplant sind etwa 25 Kämpfe. Der erfolgreichste Verein erhält den Frieder-Dollinger-Gedächtnispokal. Besucher sind willkommen, für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Interesse? Wer sich fürs Boxen interessiert, findet nicht nur beim Turnier kompetente Ansprechpartner vom KSV, sondern kann gern auch einfach mal zum Training kommen. Kinder zwischen 5 und 13 Jahren treffen sich montags von 17 bis 18.30 Uhr, Jugendliche und Erwachsene montags und donnerstags von 18.30 bis 20 Uhr. Außerdem findet jeden Mittwoch von 18.30 bis 20 Uhr ein Fitnessboxen statt. Nähere Infos gibt Maik Dreßler, Tel. (01 52) 09 040 312, oder die Homepage www.ksv-kitzingen.de