Sie hat Haare wie Seide, Beine bis zum Hals und eine Wespen-Taille. Wäre Kaya ein Mensch, wäre sie wahrscheinlich Model. Doch Kaya ist eine Hündin. Sie gehört Christine Paulus aus der Kitzinger Siedlung, die Tiere liebt, sie aber keinesfalls vermenschlicht. Die Frage, ob Vierbeiner bei Winterkälte und Nässe schützende Kleider oder gar spezielle Schuhe tragen sollen, beantwortet die Hundefriseurin aus langjähriger Erfahrung.

Im Prinzip gibt es zwei Lager: Die einen halten Hundemäntelchen & Co. für artfremden Schwachsinn. Für die anderen sind die Textilien entzückend und nötig. Wie so oft, liegt die Wahrheit dazwischen.

Wenn es draußen stürmt und schneit, nasskalt und matschig ist, dann zieht Christine Paulus ihrer Kaya vor längeren Spaziergängen einen Overall an. Der Ganzkörper-Anzug ist innen mit weichem Vlies gefüttert, außen aus Softshell-Stoff. Die zweijährige Großpudel-Hündin scheint ihn zu mögen: Während sie mit den Pfoten bereitwillig in die Textilröhren schlüpft, wedelt ihr Schwanz fröhlich hin und her. Auch Kira, die kleine Bolonka-Zwetna-Hündin, lässt sich gern einen bordeaux-roten Stoffmantel überstreifen und schaut ihr Frauchen dann erwartungsvoll an.

Doch ehe sie die Tür zum Gassigehen öffnet, erklärt Christine Paulus, warum sie für ihre Tiere überhaupt einen Winterschutz angeschafft hat. „Generell ist es bei Hunden wie bei uns Menschen: Jeder Einzelne hat ein eigenes Kälteempfinden.“

Hunde als Teil der Familie

Anders als früher, sind viele Hunde heute nicht mehr nur Hüter und Arbeitstiere, sondern Teil der Familie. Die meisten leben mit den Menschen im Haus. „Und viele Rassen sind auch ganz speziell gezüchtet.“ Beispielsweise haben manche gar keine wärmende Unterwolle mehr. Was hat zum Beispiel ein mexikanischer Nackthund noch mit seinem Vorfahren, dem Wolf, gemeinsam? Sehr wenig.

Auch nicht das Temperaturempfinden. „Vor allem Schoßhunde und kleine Hunde wie Havaneser, Yorkies oder Bologneser frieren stark, wenn sie bei Eiseskälte länger draußen sind.“ Auch für den Deutschen Pinscher mit seinem kurzen Fell wird ein langer Winterspaziergang schnell zur Qual. Das ist deutlich zu erkennen: „Manche zittern, andere bleiben einfach stehen und weigern sich weiterzugehen.“ Zu Letzteren gehört auch Kira.

„Der Mensch muss

Verantwortung übernehmen. Er muss wissen, was sein Tier braucht – oder eben auch nicht braucht.“

Christine Paulus, Kitzingen

Wenn besonders viel Streusalz auf den Straßen liegt, reibt Christine Paulus ihren Vierbeinern etwas Pflegesalbe auf die Ballen an den Pfoten. „Schuhe ziehe ich ihnen nicht an – das brauchen höchstens Tiere, die besonders empfindlich oder pfotenkrank sind.“ Die Siedlerin wäscht ihren tierischen Begleitern nach dem Gassigehen das Salz von den Pfoten ab, so dass es die Haut nicht angreifen kann.

Christine Paulus hatte zeitlebens gern mit Tieren zu tun, besonders mit Hunden. Sie ist Mitglied des Kitzinger Hundesportvereins und gehört dem Verband für Heimtierpfleger (ZZF) an, dessen zahlreiche Fortbildungsangebote sie gerne nutzt. Mit der Eröffnung ihres Hundesalons „Schnipp-Schnapp“ vor rund vier Jahren hat sie sich einen Traum erfüllt.

„Schickimicki“, sagt sie, sei nicht so ihr Ding. „Man kann für seinen Hund heute alles kaufen, Kostüme, Schühchen und was weiß ich, was noch alles.“ Für die Kitzingerin, die früher in einer US-amerikanischen Tierklinik und dann bei einem Tierarzt in Deutschland gearbeitet hat, zählt jedoch nicht die Optik, sondern der Sinn. „Der Mensch muss Verantwortung für sein Tier übernehmen. Er muss wissen, was sein Tier braucht – oder eben auch nicht braucht.“

Warm – und sauber

Das sieht das Team der Tierarztpraxis Dr. Buschfeld in Volkach ähnlich. „Es gibt keine Richtwerte, ab welcher Temperatur Hundekleidung sinnvoll ist“, macht Jasmin Zauner deutlich. „Älteren und kranken Hunden sollte man bei Kälte auf jeden Fall etwas anziehen, denn die Körpererwärmung kostet die Tiere viel Energie.“ Ansonsten komme es auf die Rasse an. „Tiere ohne Unterwolle, zum Beispiel Malteser, oder Hunde mit wenig Unterwolle frieren natürlich leichter.“ Gerade in der Nierengegend sollte eine zu starke Auskühlung verhindert werden, damit der Hund gesund bleibt.

Und dann gibt es noch einen Aspekt, den sowohl Jasmin Zauner als auch Christine Paulus nicht außer Acht lassen wollen. „Hundekleidung gibt Wärme von innen – und hält von außen den Matsch ab.“ Schließlich kann man den Hund ja nicht nach jedem Spaziergang baden. Das wäre selbst für die wasserliebende Kaya deutlich zu viel. Die Großpudel-Dame hat mit ihrem Soft-Shell-Overall sichtlich Spaß an der Bewegung im Freien. Und nach dem Herumtollen in der matschigen Flur ist sie trotzdem noch sauber und ihr lockiges Fell noch streichelweich. „Das ist sehr praktisch“, sagt ihre Besitzerin. „Für Mensch und Tier gleichermaßen.“

Nach ausgiebigem Gassigehen kuscheln sich Kaya und Kira für ein Nickerchen zusammen. Ihr Fell ist nach wie vor zart und riecht angenehm. Die beiden sehen jetzt tatsächlich aus wie Fotomodelle – für ein Bild von richtig glücklichen Hunden.