Sophia stirbt für eine gute Pizza und Tim lässt für einen Burger sofort alles andere stehen und liegen. „Wenn du Jugendliche nach ihrem Lieblingsessen fragst, landest Du mit einem Tipp im Bereich Fastfood fast immer einen Treffer“, erzählt Ulrike Jaques lachend. Die Ernährungsberaterin der AOK Würzburg weiß gut über die Vorlieben junger Erwachsener Bescheid. Schnell und lecker soll es sein – bekommt dann aber oftmals obendrein noch die unliebsamen und gern verdrängten Eigenschaften wie „ungesund“, „fettig“ oder „voll mit Konservierungsstoffen“.

„Schon ein ansprechender Name kann beeindrucken.“
Ulrike Jaques, Ernährungsberaterin

Wie jedoch bringt man Jugendliche dazu, sich mit dem Thema Ernährung näher zu befassen? Ohne sie mit studienbelegten Weisheiten vollends zu vergraulen? Dieser Herausforderung haben sich Ulrike Jaques und ihre Kollegen gestellt. Bei der Überarbeitung ihres Kursprogramms haben sie ein Praxisseminar entwickelt, bei dem allein der Name Jugendliche schon neugierig machen soll.

„Pimp my food“ heißt der Kurs. Darin bekommen Schüler, Auszubildende oder Studenten gezeigt, dass gesunde Ernährung auf keinen Fall den Verzicht auf Pizza, Burger und Co. fordert. „Diese Gerichte müssen eben einfach ,gepimpt' werden“, erklärt Ulrike Jaques.

Also wird im ersten Teil des zweitägigen Kurses erst einmal der Frage auf den Grund gegangen: Was steckt in unserem Lieblingsessen eigentlich drin? Tims Burger wird bis auf die Einzelteile zerlegt, dann wird überlegt. Was macht dessen guten Geschmack denn eigentlich aus? Kann ich den Burger zuhause nicht viel gesünder zubereiten? Oder mal ein wenig anders? Wie wäre es zum Beispiel mal mit einem Veggie-Burger, der oft mehr hält als er verspricht? Auch Sophias Pizza macht sich, kombiniert mit einem knackigen Salat auf dem gleichen Teller, sofort um Stufen besser. „Salat ist so eine Sache“, knüpft Ulrike Jaques an dieses Thema an. „Viele sagen: Salat schmeckt mir eigentlich ja schon, aber wie mach' ich dazu bloß ne Soße?“ Dabei sind Salatdressings einfach und schnell gemacht – wenn man weiß, wie. Und genau das wird am zweiten Kursabend auch gezeigt. Gemäß „Learning by doing“ sollen die jungen Leute alle selbst Hand anlegen. Kursleiterin und Diätassistentin Christine Müller-Göhrt steht ihnen mit Tipps zur Seite. „Jeder kann irgendwie eine Paprika schneiden; jetzt erfahren sie, wie es am einfachsten geht“, erklärt Ulrike Jaques.

Jeder Teilnehmer soll aus dem Kurs etwas mitnehmen, auch wenn der Kenntnisstand anfangs vielleicht ganz verschieden ist. Der eine wohnt noch zuhause und lässt sich von Mama bekochen. Der nächste lebt in einer Studenten-WG und zaubert in der Regel Tütchen-Gerichte und Tiefkühl-Pizza auf den Tisch. „Wir wollen jungen Menschen ohne erhobenen Zeigefinger Lust auf gesundes Essen machen“, fasst Ulrike Jaques zusammen. „Grundlagen werden zwar vermittelt, aber eher versteckt. Spaß steht statt dessen im Vordergrund.“

Welches Menü beim Kurs gekocht wird, bestimmen die Teilnehmer übrigens selbst. Ofenfrische Pizza und Pastagerichte mit leckeren Soßen stehen genauso zur Auswahl wie asiatisches Kokos-Hähnchen oder Zucchini-Curry. „Schon ein ansprechender Name kann beeindrucken“, kommentiert die Ernährungsberaterin die chinesische Glückssuppe oder die Honig-Melonen-Bananen-Schiffchen. Die Rezepte samt Anleitungen bekommen die jungen Köche am Ende mit nach Hause. Schließlich soll es für alle teilnehmenden Sophias und Tims nicht beim einmaligen Kocherfolg bleiben.

Alle Infos zum Kurs

Praxisseminar: Am Mittwoch, 22. April, von 17 bis 18.30 Uhr und am Mittwoch, 29. April, von 17 bis ca. 20 Uhr in der AOK-Geschäftsstelle Kitzingen, Paul-Eber-Straße 6. Beim ersten Treffen werden alkoholfreie Cocktails gemixt und Ideen gesammelt, wie sich Lieblingsessen „aufpimpen“ lassen. Beim zweiten Mal werden diese Ideen ausprobiert. Das Seminar richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren. Leitung: Christine Müller-Göhrt.

Anmeldung: Tel. 09321/7000-0. Gebühr: 40 Euro (für AOK-Versicherte kostenfrei) plus 6 Euro für Lebensmittel.