Kathmandu ist laut, dreckig und erdrückend voll mit Menschen. Das Wasser aus der Leitung ist braun mit Stückchen und stinkt. Es gibt maximal acht Stunden am Tag Strom und in den Touristenvierteln schrecklich aufdringliche Verkäufer. Die ersten Eindrücke von Philipp Hummel, als er vor einigen Wochen in Nepal ankam, sind ein Kulturschock. Doch sie wurden von Tag zu Tag besser. Viel besser.

Auf den 20-jährigen Etwashäuser wartete eine Mission, die eigentlich schon zuhause in Deutschland begonnen hatte. Dort hatte ihm seine Studienfreundin Astrid Feiten von einem Spendenlauf erzählt, der zum Basislager des Mount Everest führt und der armen Kindern Aussicht auf eine bessere Zukunft geben soll. Der Abenteurer in Philipp war geweckt, die Anmeldung schnell erledigt. Im Vorfeld der Reise sammelten die beiden Spenden, die zu 100 Prozent in ein Waisenhaus-Projekt in der Nähe von Kathmandu fließen werden. 5000 US-Dollar hatten sich die beiden zum Ziel gesetzt – und am Ende die stolze Summe von 4300 Euro (ca. 5900 US-Dollar) in Nepal übergeben.

Ganz bezwungen haben die zwei Studenten den Mount Everest nicht. Stolze 2564 Höhenmeter galt es für sie aber allemal zu meistern. Auf- und Abstieg in nur elf Tagen, lautete der straffe Zeitplan. „Ich hätte mir gerne zwei Tage mehr gewünscht“, sagt der 20-Jährige, als er hinterher von der Anstrengung erzählt. Besonders dankbar denkt er an die so genannten Porter zurück, die beim Aufstieg den Großteil ihres Gepäcks trugen. „Ohne die wäre es in der Zeit ziemlich unmöglich gewesen.“

Bei zirka zehn Grad und auf 2800 Metern gingen Philipp und Astrid an den Start – anders als noch kurz zuvor in der Hauptstadt jetzt umgeben von schöner Natur, sauberen Wegen und Dörfern sowie ausreichend Strom und Wasser. Ein Australier und ein Belgier begleiteten sie auf den ersten Etappen der Trekking Tour; dazu ein Guide und die Porter.

„Es war ein Abenteuer, das wir nie vergessen werden.“
Philipp Hummel

„In den Nächten wurde es richtig kalt, ein paar Mal gab es sogar Schnee“, sagt Philipp. Sie waren zwar immer in windgeschützten Berghütten untergebracht, aber in denen war es fast genauso kalt wie draußen. Die Schlafsäcke waren Gold wert. Ebenso die Wasseraufbereitungstabletten.

In der dritten Nacht hat es die beiden Abenteurer ordentlich erwischt. „Wir hatten wohl was Falsches gegessen“, tippt Philipp. Nach einer quälend schlaflosen Nacht ging es am nächsten Tag nur schleppend voran. Es dauerte am Ende einige Tage, bis sie die anderen aus ihrer kleinen Gruppe wieder einholen konnten.

Am siebten Tag kamen die Kopfschmerzen. Sogar der Guide griff zu Tabletten. Immerhin nahte mit Tag 8 aber auch das Ziel: das Basecamp auf einem Gletscher – wenngleich sich Philipp und Astrid das ein wenig spektakulärer vorgestellt hatten. „Ein paar aufgehäufte Steine markierten den Punkt, von dem aus nicht mal der Mount Everest zu sehen war“, beschreibt der Etwashäuser. „Nach all den Strapazen war es zwar ein tolles Gefühl anzukommen, aber das echte 'High' Gefühl kam für mich erst am nächsten Tag“. Der Aufstieg zu „Kalar Patthar“ wurde mit einem Aussichtspunkt belohnt, von dem aus die beiden einen unvergesslichen Sonnenaufgang hinter dem Everest beobachten konnten. Ein Moment, in dem Astrid bei minus 25 Grad sogar mal kurz ihr schmerzlich vermisstes zweites Paar Handschuhe vergaß.

Beim Abstieg fiel den beiden dann erst so richtig auf, wie stark sie die Höhe wirklich mitgenommen hatte. Mit jedem Meter fühlten sie sich wohler in ihrer Haut, wuchs der Appetit wieder und stieg die Energie. Außerdem auch die Vorfreude auf ein paar vernünftige Toiletten und Duschen. Das alles bekamen sie bei einer Gastfamilie, in der sie im Anschluss an das Trekking zehn Tage lang hautnah Kultur und Lebensbedingungen Nepals kennenlernten. „Wir wurden total freundlich aufgenommen, durften sogar mitkochen“, berichtet Philipp. Außerdem besuchten sie von dort aus auch andere Projekte der Organisation VIN, die die Bedürftigen in ihrem Land nicht nur mit dem geplanten Waisenhaus unterstützt. Sie stärkt Frauen und Kinder, fördert die Bildung, setzt hygienische Standards und stellt Ärzte bereit. „Für nepalische Verhältnisse alles sehr professionell, geplant und durchdacht“, so Astrid und Philipps Eindruck.

Die übrigen zwei Wochen, bevor das Studium sie wieder nach Hause rief, reisten die 20-Jährigen noch weit in den Südwesten. „In einem National Park konnten wir Nepal noch einmal von einer ganz anderen Seite erleben.“ Tropische 35 Grad und viele Quadratkilometer nahezu unberührter Dschungel. „Man sieht ständig exotische Vögel, Rehe und Affen“, schwärmt Philipp. Auch Elefanten, Nashörner und ein Tiger reihten sich ein. „Wir konnten Menschen helfen und haben dabei ein Abenteuer erlebt, das wir niemals mehr vergessen werden.“

Projekt Waisenhaus

VIN: Die „Volunteers Initiative Ne-pal“ ist eine Freiwilligen-Organisation, die seit 2005 verschiedene Projekte leitet – vor allem zur Unterstützung von Frauen und Kindern in Nepal. VIN plant auch das Waisenhaus, das Philipp und Astrid unterstützen und für das insgesamt 500 000 US-Dollar benötigt werden. Aktuell liegt man bei knapp 40 000 US-Dollar – und allein das Grundstück kostet über 100 000 US-Dollar. Detaillierte Pläne dazu gibt es unter www.volunteersinitiativenepal.org

Spendenkonto: Philipp und Astrid haben ein Spendenkonto eingerichtet, das auch weiterhin besteht. Aktuell sind darauf schon wieder 450 Euro. Zudem wollen sie weitere Sammelaktionen durchführen. Konto-Inhaber: Philipp Hummel Spendenaktion Nepal, Konto-Nr. 47516158, BLZ 79050000, Spk Mainfranken WÜ. lni